Hannover/Bremen - Vom Weihnachtsmarktbummel lassen die Menschen im Norden sich nicht abschrecken, aber nun mischen sich verstärkt Polizisten unter die Besucher, teils mit Schutzweste und Maschinenpistole: Nach dem Terroranschlag von Berlin hat die Polizei ihre Präsenz auf den Weihnachtsmärkten in Niedersachsen und Bremen verstärkt. Gemeinsam mit den Betreibern wird die Sicherheit weiter erhöht. „Das soll signalisieren: Wir sind wehrhaft und tun alles, was wir können, um die Menschen zu schützen“, sagte Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD).
Pistorius appellierte an die Bevölkerung, jetzt erst recht auf die Weihnachtsmärkte zu gehen. Er selbst besuchte am Dienstagmittag mit Mitarbeitern den Markt in Hannover. „Ich lasse mir von Terroristen nicht vorschreiben, wie ich mein Leben zu leben habe.“ Die definitiv falsche Reaktion wäre gewesen, Weihnachtsmärkte zu schließen. „Denn dann hätten die feigen Terroristen ihr Ziel erreicht.“
In Bremen patrouillierten an den größeren Zufahrtsstraßen zum Markt inmitten der Innenstadt Beamte mit automatischen Waffen, sagte Innensenator Ulrich Mäurer (SPD). Außerdem seien weitere private Sicherheitsdienste im Einsatz. Zäune um den Markt oder gar Panzersperren soll es aber nicht geben.
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Auf allen Weihnachtsmärkten wurde am Abend zu einer Schweigeminute für die Opfer von Berlin aufgerufen, außerdem waren Gottesdienste geplant.
In Lüneburg wurde allerdings am Dienstag die Musik auf dem Weihnachtsmarkt gestrichen. Auch in Lingen verzichtete man auf Musik, das Finale des Eisstockschießens sollte aber stattfinden.
Der Bremer Weihnachtsmarkt war am Dienstag trotz des Anschlags in Berlin gut gefüllt, ausgelassene Leute und auch Schulklassen waren unterwegs. „Ich habe eigentlich gar keine Angst“, sagte Stephanie, Verkäuferin an einem Winterwaren-Stand. „Die Stimmung ist gut, die Schulklassen kommen auch trotzdem her“, fügte ihr Kollege Philipp hinzu. Letztes Jahr seien mehr Leute zuhause geblieben.
„Wir lieben Weihnachten, da lassen wir uns den Weihnachtsmarkt nicht verderben“, sagte Lisette, die mit ihrem Freund Frank in Bremen an einer Würstchen-Bude stand. „Was sollen denn die Leute in den arabischen Ländern bei all den Anschlägen dort sagen? Die bleiben ja auch nicht zuhause. Es kann einen eh überall treffen“, sagte Frank.
Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) rief dazu auf, sich dem Terror entgegenzustellen. „Terroristen wollen Angst und Schrecken verbreiten“, sagte Weil. „Umso wichtiger ist es, dass wir unsere Freiheit und unser Leben nicht durch Verbrecher einschränken lassen. Wir dürfen den Terroristen nicht den Triumph über unsere Freiheit und unser geselliges Miteinander geben.“
Bremens Regierungschef Carsten Sieling (SPD) rief zum Zusammenhalt auf. Es sei wichtig, alles dafür zu tun, dass der Anschlag das friedliche Zusammenleben nicht gefährde.
Hannovers Landesbischof Ralf Meister sagte, die weihnachtliche Botschaft „Fürchte dich nicht“ drohe angesichts von so viel Gewalt die Herzen der Menschen nicht mehr zu erreichen.
Der Landesverband der Muslime verurteilte den Berliner Anschlag ebenso wie die Angriffe auf eine Moschee in Zürich und den russischen Botschafter in der Türkei. „Diese Taten können durch nichts, weder durch eine Religion noch durch Politik gerechtfertigt werden. Sie sind barbarische Attentate auf unschuldige Menschen und auf unsere Gesellschaft“, sagte der Landesverbands-Vorsitzende Recep Bilgen.
