WITTMUND/AURICH/BERLIN - WITTMUND/AURICH/BERLIN/TEHA - Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Reinhold Robbe (SPD, Bunde) hat sich kritisch über negative Begleiterscheinungen so genannter Rituale bei internen Feiern der Bundeswehr geäußert. Robbe bezieht sich im Wehrbericht für 2006 auf einen Vorfall beim Wittmunder Jagdgeschwader 71 „Richthofen“, wo eine junge Frau als Gast einer Maifeier im Jahr 2005 beim Sprung über ein in Flammen gesetztes Klavier schwere Verbrennungen erlitten hatte, an deren Folgen sie bis heute leidet.

Bei Fällen wie diesem sei auffällig, dass die beteiligten Soldaten, insbesondere Vorgesetzte, „offenbar kein Gespür für die Grenze zwischen Erlaubtem und Verbotenem und die eigenen Pflichten mehr hatten oder – schlimmer noch – sich darüber hinwegsetzten“, schreibt Robbe in seinem Wehrbericht. Er fordert „den Dienstherrn“, also die Bundeswehr auf, sich kritisch mit vermeintlichen und wirklichen „Ritualen“ im soldatischen Alltag auseinander zu setzen. Solche Vorkommnisse, die regelmäßig mit Alkoholexzessen einhergingen, seien geeignet, dem Ansehen der Bundeswehr schweren Schaden zuzufügen, moniert Robbe.

Der Fall ist strafrechtlich inzwischen abgeschlossen. Die Auricher Staatsanwaltschaft hatte kein direktes Verschulden der Bundeswehr festgestellt und das Verfahren eingestellt. Auch die Bundeswehr hat nach Auskunft der 4. Luftwaffendivision in Aurich die internen Ermittlungen beendet. „Natürlich bedauern wir den Vorfall“, sagte ein Divisionssprecher gestern der NWZ .

Das Opfer des missglückten Sprungs, eine heute 24 Jahre alte Frau, befindet sich noch immer in medizinischer Behandlung.