Goldenstedt - Wölfe haben sich einem Waldkindergarten genähert. In Goldenstedt (Landkreis Vechta) ist die Aufregung deshalb groß. Ein 600 Meter langer Bauzaun soll das Gelände schützen. Die Kinder dürfen nur noch in Sichtweite der Erzieherinnen spielen. Die Gemeinde hat sogar angeboten, den Kindergarten zu schließen.
„Ob Kampfhund oder Wolf, ist doch egal“, meint Gaby von Döllen aus Goldenstedt, als sie am Freitag ihren Sohn aus dem Waldkindergarten „Wühlmäuse“ abholt. „Die Gefahr ist irgendwie da.“ Michaela Schlömer, deren Kinder auch hier am Waldrand in der Natur spielen und lernen, fordert die Gemeinde auf, den Wolf wieder auszusiedeln. „Es kann doch keiner zu 100 Prozent sagen, er greift keinen Menschen an.“
Seit einigen Monaten ist mindestens ein Wolf an den Kreisgrenzen von Vechta, Oldenburg und Diepholz unterwegs. Das hat auch das Umweltministerium in Hannover offiziell bestätigt. Seit November 2014 wurden in der Region rund 60 Schafe gerissen. In dieser Woche hat eine Anwohnerin den Wolf in der Nähe des Goldenstedter Waldkindergartens gesehen. „Unheimlich und erschreckend“, nennt Bianka von Döllen die nächtliche Begegnung. „Es war definitiv der Wolf.“ Eine andere Anwohnerin habe sogar zwei Wölfe beobachtet, heißt es in Goldenstedt.
„Sie halten sich hier schon länger auf“, weiß Kindergarten-Leiterin Sabrina Haust, die aber vor Hysterie warnt. „Es ist schwierig zu beurteilen, wie gefährlich das ist.“ Die Eltern seien zum größten Teil entspannt.
„Wir müssen was tun“, erklärte Goldenstedts Bürgermeister Willibald Meyer (CDU), nachdem er von der Wolfssichtung erfuhr. „Dann schrillen alle Alarmglocken.“ Meyer telefonierte mit Experten und schrieb ans Umweltministerium.
Die Antwort von Umwelt-Staatssekretärin Almut Kottwitz ließ nicht lange auf sich warten. „Sollte es belastbare Hinweise auf ein auffälliges Verhalten eines Wolfes geben, müssen geeignete Maßnahmen ergriffen werden, um eine Gefährdung auszuschließen“, schreibt Kottwitz. Das könne Vergrämung oder Entnahme sein. Der Wolf in der Region zeige aber bisher kein auffälliges Verhalten. Das Umweltministerium sieht deshalb keine Gefährdung und auch keinen Grund, den Kindergarten zu schließen.
„Aus der gegenwärtigen Situation in Vechta kann ich in keiner Weise eine besondere Bedrohung für Menschen, einen so genannten Problemwolf ableiten“ erklärt Markus Bathen vom Naturschutzbund NABU.
Das Land will der Gemeinde jetzt kurzfristig einen Metallzaun zur Verfügung stellen, um die Kindergartenhütten in dem lichten Buchen- und Eichenwald abzusichern. Leiterin Haust hält das für eine „akzeptable Lösung“.
Die Überlegung von zusätzlichen Aufsichtskräften für die 15 Kinder wurde verworfen. In der kommenden Woche sollen die Eltern von Experten über das richtige Verhalten beim Auftauchen von Wölfen informiert werden. „Eigentlich ist die Aufregung Quatsch“, sagt Mutter Martina Wilkens. Tagsüber habe sie keine Bedenken. Nachts sei das etwas anderes, vor allem im Sommer.
