Hannover - Die Ärzte in Niedersachsen verschreiben nach wie vor zu viele Antibiotika. Nach Angaben der Ärztekammer verordnen die Mediziner in Krankenhäusern und Praxen umgerechnet rund 30 Tonnen Antibiotika pro Jahr. Etwa 85 Prozent davon entfallen auf die niedergelassenen Ärzte. Im Jahr 2010 haben danach rund 22 Millionen Patienten ein Antibiotika-Rezept erhalten.
Gesundheitsministerin Cornelia Rundt (SPD) warnte vor der Gefahr, dass die Wirkung der antibakteriellen Medikamente nachlässt und immer mehr resistente Keime entstehen. „Antibiotika müssen wirksam bleiben“, sagte Rundt am Montag in Hannover bei der Vorstellung eines neuen Ratgebers für niedergelassene Ärzte. „Die zunehmende Zahl von Resistenzen macht uns Sorgen.“ Der Präsident des Landesgesundheitsamtes, Matthias Pulz, kritisierte, dass Antibiotika nicht immer sachgerecht durch die Ärzte eingesetzt und viel zu häufig bei Virusinfektionen verschrieben würden.
Laut Pulz steigen die Infektionen mit dem multiresistenten Keim MRSA derzeit zwar nicht mehr an, dafür seien resistente Darmbakterien auf dem Vormarsch.
Der Vizepräsident der Ärztekammer, Gisbert Voigt, nannte den Ratgeber eine „wichtige Hilfe“ für Ärzte. „Jeder Einsatz von Antibiotika kann die Resistenzentwicklung fördern.“ Wichtig seien eine kritische Diagnose und eine zielgerichtete Therapie. Pulz und Voigt verwiesen auf die möglicherweise fatalen Auswirkungen des Einsatzes von Antibiotika in der Tierhaltung. So sei MRSA verstärkt im Nordwesten anzutreffen. Die Zusammenhänge seien aber nicht genügend untersucht.
Zur Antibiotika-Strategie des Landes gehören auch Fortbildungen für Ärzte, Hygienebeauftragte in den Krankenhäusern sowie 13 Laboratorien zur Untersuchung von resistenten Keimen.
