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Ostfriesische Bauern in Not „Die Streichung der Agrardiesel-Regelung ist unverschämt“

21,48 Cent pro Liter Diesel wurden Landwirten bislang rückwirkend für das vergangene Jahr erstattet – der sogenannte Agrardiesel. Das ist allerdings ab sofort vorbei – und treibt nicht nur der Betriebsleiterin Fenna de Beer Sorgenfalten auf die Stirn.

21,48 Cent pro Liter Diesel wurden Landwirten bislang rückwirkend für das vergangene Jahr erstattet – der sogenannte Agrardiesel. Das ist allerdings ab sofort vorbei – und treibt nicht nur der Betriebsleiterin Fenna de Beer Sorgenfalten auf die Stirn.

Aike Sebastian Ruhr

KrummhÖrn/Neuwesteel - Die 28-jährige Fenna de Beer aus Neuwesteel (Stadt Norden) sieht ihre (berufliche) Zukunft in der Landwirtschaft – doch mehr und mehr treiben die jüngsten Entscheidungen der Politik aus Berlin ihr Sorgenfalten auf die Stirn: „Die Streichung der Agrardiesel-Regelung ist unverschämt!“, so de Beer. 21,48 Cent pro Liter wurden bisher über den Agrardieselrückvergütungsantrag im Folgejahr erstattet, zudem mussten sie keine Kfz-Steuern für Fahrzeuge oder Anhänger zahlen. All das ist nun durch einen überraschenden Beschluss aus Berlin zunichtegemacht worden, die Bauern laufen Sturm und blockieren Straßen und Wege, protestieren vor Ort in Berlin und quasi überall. Doch was bedeuten diese Beschlüsse überhaupt für einen durchschnittlichen Betrieb – in konkreten Zahlen?

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Knapp 25.000 Euro jährlich

Geht man von einer Betriebsgröße von zirka 80 Hektar aus und 150 Liter Verbrauch pro Hektar über das Jahr gerechnet, dann landet man bei jährlichen Zusatzkosten von zirka 2500 Euro, die nicht mehr erstattet werden. Im Fall des Gemeinschaftsbetriebes von de Beer (740 Hektar) liegt man da weit drüber – rund 23.300 Euro, die sonst erstattet wurden, werden nun nicht mehr geltend gemacht werden können: „Das schlägt eins zu eins durch auf den Gewinn, das ist schon dramatisch.“ Dazu kommen dann noch die Kosten für die Kfz-Steuer, deren genaue Höhe noch unklar ist. Es ist aber von zirka 570 Euro für einen Schlepper auszugehen, zusätzlich müssen auch für die Hänger Kfz-Steuern gezahlt werden. Diese schlagen, auch hier ist die genaue Höhe noch ungewiss, mit zirka 370 Euro jährlich zu Buche. Insgesamt geht es um Mehrkosten für einen Durchschnittsbetrieb von etwa 4000 Euro jährlich.

Fenna de Beer aus Norden ist seit anderthalb Jahren Betriebsleiterin eines landwirtschaftlichen Betriebes. Nebenher engagiert sie sich als junge Frau in der Kommunalpolitik.

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Aike Sebastian Ruhr
Norden

Aussterben der kleinbäuerlichen Strukturen wird beschleunigt

De Beer fürchtet, dass die neuesten Entscheidungen für einige Betriebe existenzbedrohend oder gar -zerstörend sein werden. Der Strukturwandel werde nun noch weiter beschleunigt und kleinere Betriebe haben kaum noch eine Chance, wirtschaftlich zu arbeiten. Hinzu kommt, dass auch der Preisdruck weiter wächst: Eigentlich müssten die Erzeugerpreise steigen, weil die Kosten deutlich steigen. Doch die Preise werden vor allem durch den Markt geregelt – und im europäischen In- und Ausland wird zumeist zu deutlich günstigeren Bedingungen produziert.

Fest eingeplantes Geld fehlt jetzt plötzlich

Die Landwirtin Milva Iderhoff aus der Krummhörn ist im Gespräch mit unserer Redaktion den Tränen nahe: „Die Summe der Entscheidungen sorgt definitiv für eine Existenzgefährdung. Wirtschaftlich betreiben lässt sich meine Landwirtschaft ohnehin nicht mehr, eine Familie davon zu ernähren ist unmöglich“, so Iderhoff. Gerade die Entscheidung zur Agrardiesel-Regelung habe sie hart getroffen: „Das war Geld, das fest eingeplant war. Das fehlt jetzt einfach.“ Sie muss nun weitere Standbeine gründen, um überhaupt überleben zu können. Gäbe es die Einnahmen aus der Erwerbstätigkeit ihres Mannes und der erneuerbaren Energien nicht, könnte die Familie schon lange nicht mehr überleben. Zudem plant sie nun Investitionen in Ferienwohnungen, um noch breiter aufgestellt zu sein: „Ich habe den Glauben daran verloren, dass die Landwirtschaft in 20 Jahren noch funktioniert“, so Iderhoff. Sie müsse sich nun genau überlegen, wie es weitergehen soll – dabei treibt sie eine Frage um: „Ist es wirklich gewollt, dass kleinbäuerliche Strukturen wegfallen und Großinvestoren alles aufkaufen?“

Aike Sebastian Ruhr
Aike Sebastian Ruhr Ostfriesland-Redaktion/Norden
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