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Bäcker aus Norden schlägt Alarm „Eigentlich müssten wir die Preise erhöhen, doch wir können nicht mehr“

Bäckermeister Lars Grünhoff in Norden.

Bäckermeister Lars Grünhoff in Norden.

Arne Haschen

Norden - Es ist die „größte Katastrophe meiner Geschichte“, sagte Lars Grünhoff, Inhaber und Geschäftsführer der Bäckerei-Kette Grünhoff sowie stellvertretender Obermeister der Bäcker-Innung Ostfriesland, über die derzeitige Energiekrise: „Eigentlich müssten wir die Preise erhöhen, doch wir können nicht mehr“, so Grünhoff. In diesem Jahr habe er schon drei Mal die Preise erhöht, mittlerweile liegen normale Brötchen bei fast 50 Cent und Spezialbrötchen bei schon bald einem Euro pro Stück. Ihm und seinen Berufskollegen seien in den letzten Monaten schon etwa zehn Prozent der Kunden abgewandert: „Ein Kilo Brot kostet im Supermarkt die Hälfte und macht auch satt“, sagte er. Man merke deutlich, dass das Portmonee der Kunden „nicht mehr so locker sitzt.“ Und das Problem ist längst nicht nur die Energiekrise.

Energiekostenexplosion noch nicht durchgeschlagen

Denn neben den steigenden Kosten für Strom und Gas, von denen Grünhoff bislang aber noch verschont geblieben ist, weil er noch laufende Verträge hat, sind auch die Preise für Rohmaterialien enorm gestiegen. Und der Mindestlohn ist gestiegen, wovon auch das Unternehmen betroffen ist, weil zahlreiche Mitarbeiter an der Mindestlohngrenze arbeiten. Die größten Kostenfaktoren, dazu zählen mit etwa fünf Prozent Energie, 45 bis 50 Prozent Lohnkosten und einen großen Teil machen auch die Materialkosten aus, sind allesamt gestiegen. Für Grünhoff bleibt momentan nur eins: Abwarten.

Corona vs. Energiekrise wie David gegen Goliat

Verglichen mit der Coronakrise sei die jetzige Phase wie der Kampf von David gegen Goliat: „Corona war schon schlecht, aber das haben wir locker überlebt“, so Grünhoff. Da gab es staatliche Hilfen, sie konnten phasenweise Kurzarbeit anmelden. Die jetzige Krise müssten sie allein bewältigen. Grünhoff ist sicher, dass er das schaffen wird, denn aufzugeben sei keine Option. Doch er glaubt, dass einige Bäcker auf der Strecke bleiben werden: „Die entscheidende Frage ist: Was hat man für Reserven?“, so der Bäckermeister. Der Unternehmer hofft, dass die momentane Krise eine Phase ist und kein Dauerzustand. Aber es sei für viele von zentraler Bedeutung, ob die Phase ein oder zwei Jahre andauert. Und er glaubt auch, dass noch mehr Kunden verloren gehen werden – auch ohne zusätzliche Preissteigerung. Diesen Verlust aufzufangen bei gleichzeitig steigenden Kosten sei eine Mammutaufgabe, der er sich aber gewachsen sieht. Aber längst nicht jedes Unternehmen werde diese Krise überstehen, da ist sich der Bäckermeister sicher. Die Krise werde zu einer Marktbereinigung führen.

Aike Sebastian Ruhr
Aike Sebastian Ruhr Ostfriesland-Redaktion/Norden
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