Norddeich - „Das ist zu viel.“ Mehrfach äußerte Sven-Maik Rogall (CDU) am Dienstagabend im Norder Bauausschuss diesen Satz. Es ging um die Pläne für die Fläche des ehemaligen Getränkehandels Lottmann in Norddeich. Hier möchte ein Investor neben 46 Dauerwohnungen auch 40 Ferienwohnungen bauen – zu viel in den Augen von Rogall.

Die Planungen für das Gebiet „Südlich zum Bahnkolk“ stellten Kerstin Peterssen und Christina Paul vom Büro urbano in Norden der Politik ausführlich vor – erneut. Denn nach der ersten Präsentation mussten die Architektinnen nochmal ran: Gewünscht waren mehr Stellplätze für Autos, aber auch mehr Grün. Mittels einer Tiefgarage und zahlreichen Pflanzungen von Bäumen, Flächen für Ziersträucher und Blühwiesen fand man die passende Lösung, die seitens des Bauausschusses auch Zustimmung fand. 109 Stellplätze, 46 Dauerwohnungen, 40 Ferienwohnungen und ein Restaurant, verteilt auf acht Gebäudekomplexe, sind geplant. Die Dauerwohnungen, darunter sowohl Ein-Zimmer-Wohnungen als auch Wohnungen mit bis zu vier Zimmern, sollen sich im vorderen Bereich zur Norddeicher Straße hin befinden, die Ferienwohnungen im hinteren Areal. Die Gebäude sollen als langgestreckte zweigeschossige Häuser mit Satteldach angelegt werden. Im Zentrum des neuen Wohnquartiers sind zwei Spiel- und Gemeinschaftsflächen mit einer Gesamtgröße von knapp 300 Quadratmeter vorgesehen. Die Wärmeversorgung für das neue Quartier soll – Stand jetzt – mittels Erdwärme gesichert werden.

„Dauerwohnraum in Norddeich wird dringend benötigt“, warb Bürgermeister Florian Eiben für das Projekt. Dauerwohnraum ja, weitere Ferienwohnungen nein, meinte Rogall. „Das sind zu viele Ferienwohnungen“, versuchte er nochmal zu verdeutlichen. Helmut Fischer-Joost befürchtete durch die vielen Ferienwohnungen, die im Winter ja eher weniger frequentiert seien, „einen toten Eingang“ in Norddeich. „Da sind dann die Jalousien unten“, meinte er. Damit das zumindest nicht auf Anhieb sichtbar ist, sieht die Planung vor, die Ferienwohnungen im hinteren Areal zu bauen.

Architektin und Stadtplanerin Kerstin Peterssen sprach von einer bedarfsorientierten Planung, die sich auch in den verschiedenen Wohnungsgrößen widerspiegele. Denn interessant sein sollen diese Mietwohnungen beispielsweise für Mitarbeiter aus Gastronomie und Hotellerie, die Wohnraum in Norddeich suchen und zurzeit nicht fündig werden. Das wiederum verschärft den Personalmangel in den Betrieben des Urlaubsdomizils. Johannes Wallow (ZoB) gab hier zu bedenken, dass die Mieten dann auch für diese Zielgruppe bezahlbar sein müssten. Von einem „fairen Kompromiss“ sprach Theo Wimberg (SPD). „Die Planung ist ein erheblicher Fortschritt gegenüber allen anderen Planungen“, meinte er. Es gebe mehr grün. Außerdem sah Wimberg durchaus Bedarf für diese „Ferienwohnungen mit Qualität“. Mit zwei Enthaltungen und einer Gegenstimme brachte der Ausschuss den Entwurfs- und Veröffentlichungsbeschluss auf den Weg.

Marina Folkerts
Marina Folkerts Ostfriesland-Redaktion/Norden