Dornum - Binnen weniger Sekunden war das Thema durch: Der Gemeinderat Dornum hat am Donnerstagabend das Erbe des Buchenhofs in Westeraccum offiziell angenommen. Keine Stellungnahmen der Ratsfraktionen, keine Ausführungen der Verwaltung – damit hatten wohl auch die zahlreich erschienenen Bürger, die im Dorfgemeinschaftshaus Dornumergrode nur beengt Platz finden konnten, nicht gerechnet. Viele schüttelten den Kopf, in einigen Gesichtern zeichnete sich Fassungslosigkeit ab. Mit elf Ja-Stimmen, einer Nein-Stimme und einer Enthaltung ist der Buchenhof, der dem 2021 verstorbenen Konrad Onnen gehörte, damit nun auch offiziell in Besitz der Gemeinde.
Es bleiben weiterhin viele Fragezeichen – das wurde auch in den beiden Einwohnerfragestunden deutlich. Fest steht zwar, dass der Hof laut Testament nur zu privaten Wohnzwecken genutzt werden darf, wie das umgesetzt werden soll, weiß aber offenbar noch niemand. „Gibt es schon Erkenntnisse über die Kosten für eine Instandsetzung und über die Höhe der laufenden Kosten?“, wollte eine Anwohnerin wissen. Denn mit der Summe, die über die Pacht erwirtschaftet werden könnte, sei der Erhalt ja wahrscheinlich nicht zu bezahlen – die Gemeinde müsste also etwas zuzahlen. „Und das, wo es in Dornum an anderen Stellen dringenderen Bedarf gibt. Da frage ich mich, ob man sich so eine Dauerbaustelle ans Bein binden muss?“ Laut Bürgermeister Uwe Trännapp gebe es noch keinen Plan, wie es mit dem Anwesen weitergehe. „Richtig ist, dass wir mit den Pachteinnahmen allein den Hof nicht ertüchtigen können. Es wird mehr Geld benötigt“, bestätigte er.
Die wirtschaftliche Situation der Gemeinde, die – das machte auch der Haushaltsplan für 2024 schwarz auf weiß deutlich – extrem angespannt ist, beschäftigte auch andere Einwohner. „Noch bei der ,Summerschool’ hieß es, dass Gebäude sei eine Ruine, das Ganze sei wirtschaftlich nicht darstellbar. Was hat Sie dazu bewogen, den Hof zu übernehmen?“, wollte ein anderer Dornumer wissen. Doch auch hier konnte man seitens der Verwaltung wohl noch keine richtige Antwort geben: „Ich kann noch nicht sagen, ob es eine Nummer zu groß für uns ist. Wir werden uns nun Gedanken machen, wie wir mit diesem Erbe umgehen“, so Trännapp.
Ein anderer Einwohner warf Politik und Verwaltung „Werteverfall“ vor, denn bislang sei nichts am Buchenhof gemacht worden, sodass der historische Gulfhof weiter verfalle. „Wie kann man das mit seinem Gewissen vereinbaren? Wenn kein Geld da ist, wieso nimmt man dann dieses Erbe an?“, wollte er wissen. Es gehe zunächst darum, testamentsgerecht dieses Erbe anzunehmen, dann sehe man weiter, so Angela Harm-Rehrmann (SPD).
