Norden - Bereits 14 Monate ist es her, dass der Pachtvertrag ausgelaufen ist, aber Nordens Kurverwaltung erklärt immer noch nicht, wie es weitergehen soll mit dem traditionsreichen Café am Markt. Ende Januar sollte es eine Entscheidung geben, wer das Café weiterführt, aber von dem Tourismus-Eigenbetrieb der Stadt kommt keine Information, was dabei herausgekommen ist – derweil die bisherige Pächterin Simone Gültzow im Ungewissen bleibt. Sie weiß nicht, wie es weitergehen soll und wie lange sie den aktuellen Zustand noch durchhält.
Pachtvertrag fürs Café am Markt lief nach 16 Jahren aus
Im Dezember 2021 ist der Pachtvertrag ausgelaufen – nach 16 Jahren. Seitdem läuft das Café nur mit Minimalbetrieb weiter. Sie habe seither weder Personal anstellen noch große Vorräte anlegen oder Investitionen tätigen können, weil sie jederzeit damit rechnen müsse, dass sie das Café quasi von heute auf morgen verlassen muss. Was zugleich auch die Frage aufwerfen würde, wo sie denn das Mobiliar unterbringen könnte.
Hintergrund für die Hängepartie ist das Ausschreibungsverfahren für den Pachtbetrieb, das mit dem Ende des Pachtvertrages fällig wurde und am 21. Mai 2022 startete. Es ist eine Vorgabe des Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetzes, demzufolge die Unternehmen in kommunaler Hand zu wirtschaftlichem Handeln verpflichtet sind. Deshalb müssen die Wirtschaftsbetriebe der Stadt Norden als Verpächter in regelmäßigen Abständen schauen, ob es am Markt Interessenten gibt, die bereit sind, ein wirtschaftlicheres Angebot als das bisherige abzugeben. Zudem soll das eine Diskriminierung potentieller Interessenten verhindern. Die Bewerbungsphase endete am 22. Juni, und es habe auch mehrere Bewerbungen geben, ließ im vergangenen Herbst der damalige Kurdirektor Armin Korok auf Nachfrage durchblicken.
Acht Monate nach Ausschreibung: keine Entscheidung
Hängt seit 14 Monaten in der Schwebe: Cafébetreiberin Simone Gültzow. Bild: Archiv
Aber auch acht Monate nach der Ausschreibung ist über die Vergabe des Marktcafés offenbar noch keine Entscheidung gefallen. „Bei mir ist nichts angekommen“, sagt Simone Gültzow, die seit Beginn des Schwebezustands vor allem von Rücklagen lebt, die sie über die Jahre für Investitionen in das Café angesammelt hatte. Zweimal in der Woche an den Markttagen ist es auch noch geöffnet, aber mit dem früher bekannten Betrieb habe das nichts mehr zu tun. Ende Januar, so sei ihr auf Nachfragen erklärt worden, sollte die Entscheidung über die künftige Pacht fallen, aber auch danach habe die Kurverwaltung sich nicht gemeldet, und ihre Nachfragen seien unbeantwortet geblieben.
Ungewissheit ist eine existenzielle Bedrohung
Die Situation ist für Simone Gültzow, die sich Anfang des vergangenen Jahres noch voller Zuversicht geäußert hatte, dass sie das Café weiterbetreiben kann, längst zu einer existenziellen Bedrohung geworden. Denn die Rücklagen seien langsam aufgebraucht, und dann müsse sie wohl sehen, dass sie woanders eine Anstellung findet. „Ich muss sehen, wie ich Geld verdiene.“ Heißt auch: Das Café schließt dann vollständig.
Nachfragen dieser Zeitung bei der Kurverwaltung und bei Kurdirektor Stefan Krieger, wie es denn mit dem Café weitergehen kann, blieben ebenfalls unbeantwortet. Und eine Nachfrage bei der Stadt Norden, zu der der Wirtschaftsbetrieb gehört, ergab als Auskunft aus dem Vorzimmer von Bürgermeister Florian Eiben schlicht die Bitte, man möge sich an die Kurverwaltung wenden. Die sei zuständig.
