Norden - Sie wurden schon in den 1980er Jahren in das feste Produktsortiment aufgenommen und damals waren sie noch zu dritt: Es waren drei Arten und sie hießen Norderney, Baltrum und Juist. Doch zu weltweitem Ruhm kamen sie wohl erst durch die Ostfriesen-Krimis: Die Marzipan-Seehunde aus dem Café ten Cate in Norden. Etwa 95 Gramm wiegen die handverzierten Leckereien, die seit einigen Jahren nicht mehr nur im Ladenlokal nachgefragt, sondern sogar europa- und weltweit verschickt werden. Doch wie kam es zum großen Durchbruch? Und warum heißen die Marzipan-Tierchen mittlerweile nur noch „Ubbo-Heide-Seehunde“?
Der Bestseller-Autor Klaus-Peter Wolf saß früher selbst im Café ten Cate und schrieb die ersten Ostfriesenkrimis. Bis der Konditormeister Jörg Tapper ihm einen Leuchtturm aus Marzipan zur Premierenparty schenkte und Wolf in den Gesichtern der begeisterten Gäste sah: „Das Marzipan ist nicht von dieser Welt“, wie er sagt. Er beschloss, dem Marzipan einen Platz in seinen Büchern einzuräumen. Doch einen 1,5 Kilogramm schweren Leuchtturm wollte er nicht platzieren – und kam dann auf die Idee, die Seehunde einzubringen, die aus dem gleichen Marzipan hergestellt werden: „Ich hab natürlich selbst auch gekostet, um auf Nummer sicher zu gehen – und es stimmt“, sagte Wolf und lachte. Er begann, über Marzipan zu forschen und fand heraus, dass es früher in Apotheken als Arznei verkauft wurde. Es soll unter anderem das Herz-Kreislauf-System stärken und beruhigend wirken. Und er erinnerte sich daran, dass er als Kind davon hörte, dass Zucker intelligent mache. Doch welche Romanfigur sollte zum Marzipanliebhaber werden? „Diese Weisheiten konnte nur jemand in sich tragen und weitergeben, der auch, ähnlich wie ich aufgewachsen ist“, so Wolf. Da fiel die Wahl auf den Kripochef Ubbo Heide – und so wurde er zum Marzipan-Liebhaber.
Ubbo Heide und das Marzipan
Nun, das hat einen einfachen Grund – und das sind die Ostfriesenkrimis von Klaus-Peter Wolf und die Romanfigur Ubbo Heide. Heide hat nämlich eine Passion – und die besteht aus einer Kombination von mallorquinischen sowie kalifornischen Mandeln und Zucker: Das Marzipan von Café ten Cate. Seit dem großen Erfolg der Romane ist auch die Nachfrage im Café ten Cate deutlich angestiegen: Es ist laut Geschäftsführer und Konditor-Meister Jörg Tapper etwa 50 Mal so viel wie früher. Das liegt zum Teil aber auch daran, dass die Seehunde früher ein Sommerprodukt waren, die Saison in den 1980er Jahren etwa sechs Monate dauerte. „Heute ist quasi immer Saison, jeder Gast möchte etwas aus seinem Urlaub mitbringen und da sind kleine Präsente natürlich die richtige Wahl“, so Tapper. Doch einen nicht unwesentlichen Teil haben auch die Bücher zum großen Erfolg beigetragen, weiß der Konditor – und erinnert sich noch gut an das erste Mal, als ein Kunde nach dem „Ubbo Heide-Seehund“ fragte: „Es war der 6. Teil der Romanreihe und da war jemand im Laden und fragte nach dem Ubbo Heide-Seehund. Damals wusste die Verkäuferin nicht, was damit gemeint war. Das hat sich geändert – heutzutage ist nicht mal mehr ein Schild an den Seehunden. Jeder weiß, worum es sich handelt“, so Tapper.
Weltweite Nachfrage
Der Erfolg ist so groß, dass die Seehunde europa- und sogar weltweit verschickt werden. Tapper erinnert sich noch an einen Auftrag aus München: „Dort war ein Fan der Krimis, ein IT-Unternehmer. Er wollte Geschäftspartnern zu Weihnachten eine Freude machen und beauftragte uns. Die Pakete gingen nach Australien, Kanada und Brasilien.“ Das war auch für die Tappers eine Besonderheit. Und regelmäßig gehen Kartons aus dem Café in Richtung Österreich, Holland und Schweiz.
Von der Hand in die Form
Mit der steigenden Nachfrage wurde die Seehund-Produktion auch zunehmend professionalisiert. Mittlerweile steht eine eigens konzipierte Form zur Verfügung, in die die Marzipan-Rohmasse eingelegt werden kann. Ein gelernter Konditor braucht dann weniger als fünf Minuten, um einen Meeresbewohner aus Marzipan zu fertigen – und produziert wird mittlerweile an fünf Tagen in der Woche.
Von der Rohmasse zum Marzipan-Seehund in sechs Bildern
1. Schritt: Die Marzipan-Rohmasse wird in die Seehund-Form eingelegt.
Aike Sebastian Ruhr
2. Schritt: Die Form wird zusammengepresst und das überschüssige Marzipan wird abgeschnitten. Die Überreste werden verwertet – und häufiger auch direkt gegessen.
Aike Sebastian Ruhr
3. Schritt: Per Hand werden die „Flossen“ eingebracht.
Aike Sebastian Ruhr
4. Schritt: Auch die Augenhöhlen werden händisch eingearbeitet.
Aike Sebastian Ruhr
5. Schritt: Ein bisschen Lebensmittelfarbe wird aufgetragen.
Aike Sebastian Ruhr
6. und finaler Schritt: Die Augen werden mit Schokolade modelliert, genau wie Nase und Barthaare.
Aike Sebastian Ruhr
