Norden - Schönes Wetter, Schafe auf dem Deich – während für Gäste in Norddeich dieser Tage die Feriensaison pittoresk beginnt, steht der Deichacht Norden die arbeitsreichste Zeit des Jahres bevor – direkt nach der Frühjahrsdeichschau im Mai. Zwischen Dornum und der Krummhörn müssen dann nicht nur Deiche und das Vorland gepflegt werden, es gibt auch mehrere Bauprojekte an der Küste. Eins davon bereitet den Küstenschutzprofis besondere Kopfschmerzen: Der lang geplante Neubau der eigenen Büros an der Küstenschutzhalle. An anderer Stelle geht es immerhin weiter, denn für die dringend benötigte neue Asphaltierung im Außendeichbereich östlich von Norddeich liegen Millionensummen bereit.
So soll das neue Bürogebäude der Deichacht Norden an der Küstenschutzhalle aussehen – die Räume an der Doornkaatlohne würden dann aufgegeben werden. Allerdings wartet die Deichacht seit über einem Jahr aufs Norder Bauamt. Grafik– Urbano/Deichacht Norden
Deichacht wartet seit einem Jahr aufs Bauamt
„Wir warten jetzt seit genau einem Jahr aufs Bauamt“, sagen Oberdeichrichter Carl Noosten und Rendant Johann Oldewurtel mit erkennbarem Unmut – denn die fertigen Pläne für ihren rund 150 Quadratmeter großen Büroneubau an der Ostermarscher Straße müssen demnach nur abgenickt werden. In dem Zuge soll die Küstenschutzhalle auch um zehn Meter verlängert werden. Wäre das Okay, wie erhofft, im vergangenen Jahr gekommen, würden jetzt bereits Fundamente gegossen – stattdessen wird sich das Projekt wahrscheinlich auf 2024 verschieben. Im Bauamt hat man derweil Verständnis für den Frust der Deichacht: „Ich kann den Ärger verstehen, aber wir sehen die Deichacht durchaus als privilegiert an“, betont Bauamtsdirektorin Ute Westrup auf Nachfrage. Grund für das lange Warten sei der große Stapel an „Altlasten“ im Bauamt – von den 43 Bauplänen, die seit einem Jahr mit Hochdruck abgearbeitet werden, sind laut Westrup neun Stück „in erster Priorität“. Darunter auch das Vorhaben der Deichacht, deren Antrag einfach noch nicht an der Reihe war.
Neue Asphaltdecke für 2,4 Millionen Euro
Wo ganz sicher noch in diesem Jahr schweres Gerät anrückt, ist der Bereich östlich vom Norddeicher Hafen: Hier muss der vorhandene Weg im Außendeichbereich bis zur Ostermarsch dringend neu asphaltiert werden, wie Noosten erklärt. „Der Asphalt bröckelt nicht nur, er ist auch zu leicht und nicht mehr sicher im Fall einer Sturmflut.“ Die dort verbauten „Höckersteine“, die als Wellenbrecher dienen, werden dabei laut Noosten ersatzlos entfernt – denn sie bereiten mehr Pflegeaufwand als der Nutzen es rechtfertigt. Dafür gibt’s 2,4 Millionen Euro Fördergeld, der Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz hat demnach bereits mit der Ausschreibung begonnen.
In dieser Woche sind in Norddeich die Schafe auf den Deich gekommen – wie immer vom Deichschäfer Stefan Rose. Bild: Deichacht Norden
Rohstoff Klei: Baugebiet bringt ordentlich Kubikmeter
Beendet wurde derweil die Kleigewinnung in Neßmersiel: Die Ausgleichsmaßnahme von Tennet, bei der obere Salzwiesen in wertvollere untere Salzwiesen verwandelt wurden, ist abgeschlossen – weshalb dort jetzt rund 40.000 Kubikmeter des wertvollen Baumaterials für die Deichacht Norden lagern. „Bis das bei den geplanten Deicherhöhungen eingesetzt wird, dauert es aber“, so Oldewurtel, denn die Planfeststellungsverfahren dafür laufen noch. Haben ist aus Sicht der Deichacht aber besser als brauchen, wenn es um Klei geht, denn der Rohstoff ist teuer und schwer verfügbar. Aus dem Grund freuen sich Noosten und Oldewurtel auch auf den Beginn der Bauarbeiten im Norder Baugebiet Südlich Wigboldstraße: „Dort werden wir voraussichtlich nochmal 30.000 Kubikmeter Klei gewinnen können“, erklärt der Oberdeichrichter – das hätten Proben ergeben. Denn nicht jeder Klei ist deichtauglich, er muss bestimmte Qualitäten haben, die auch in Ostfriesland nicht überall zu finden sind.
Ärgerthema Hund: Infektionsgefahr am Deich
Ein Dauer-Ärgerthema für die Deichacht bleiben auch in diesem Jahr Hunde, die wie üblich gern außerhalb der erlaubten Bereiche am Deich mitgeführt werden – mit und ohne Leine. „Ich kann verstehen, dass es beispielsweise westlich von Norddeich etwas verwirrend ist für Gäste“, räumt Oldewurtel ein, weil sich dort Verbots- und Erlaubnisbereiche abwechseln. Aber: Große, neue Schilder stehen mittlerweile aber überall. Weil Bußgelddrohungen wenig bringen, denken die Küstenschützer jetzt aber über eine neue Idee nach: „Hunde können sich durch Schafkot mit Parasiten infizieren, umgekehrt genauso. Ein entsprechender Warnhinweis bringt vielleicht Hundehalter dazu, etwas mehr mitzudenken“, hofft Carl Noosten.
