Norden - 20.000 Kilometer pro Jahr fährt der Norder Sven Seele mit seiner Familie im Schnitt – und setzt dafür seit mehr als einem Jahr vollständig auf Elektromobilität: „Ich bin nie entspannter unterwegs gewesen, als mit einem E-Auto.“ Für ihn steht schon jetzt fest: Ein Zurück zum Verbrenner wird es für ihn und seine Familie nicht geben. Nicht einmal für mehr als 1000 Kilometer lange Urlaubsfahrten will er zurück zum Verbrenner.
In 30 Minuten auf 80 Prozent geladen
Seiner Erfahrung zufolge sei es nämlich „überhaupt kein Problem“, alle 300 bis 400 Kilometer an Autobahnraststätten das Auto zu laden, über eine deutlich geringere Reichweite als beim Verbrenner zu verfügen oder nicht mehr als im Schnitt 120 Kilometer pro Stunde fahren zu können. Er fährt einen VW ID 5 und dieser lädt binnen 30 Minuten auf 80 Prozent Kapazität auf. Damit schafft er dann meist eine Strecke von rund 300 Kilometern, ehe er wieder an die Strom-Zapfsäule muss. Für ihn ist das aber kein Nachteil des elektrischen Fahrens, sondern gar ein Vorteil. Früher sei er auch mit nur einer Pause 1000 Kilometer und mehr gefahren, aber das sei „alles andere als entspannt“ gewesen. Doch das elektrische Fahren kostet Zeit: Knapp zwei Stunden bleibt er im Schnitt an Ladesäulen stehen, wenn er beispielsweise 1200 Kilometer nach Österreich fährt. Einzig und allein für die Fahrt in den Urlaub mit einem Wohnwagen sei ein E-Auto nicht geeignet, so Seele: „Das machen wir aber eh nicht, deshalb können wir auch voll elektrisch fahren.“
18,1 Kilowattstunden verbrauchte Seele mit seinem VW ID 5 im Schnitt auf 100 Kilometern in den letzten knapp 20.000 Kilometern.
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Mit seiner Familie und dem E-Auto fährt der Norder Sven Seele auch mehr als Tausend Kilometer weit in den Urlaub.
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Seit mehr als einem Jahr setzt der Norder auf einen VW ID 5.
privatMit dem E-Auto in den Urlaub
Einen Unterschied in puncto Urlaubsreisen, den er aufgrund seiner Affinität für Technik nicht als problematisch erachtet, gibt es allerdings zwischen E-Auto und Verbrenner durchaus: „Ich plane die Fahrten anders als vorher. Zwar könnte ich mich auch auf das Auto verlassen, welches Ladestopps einplant, doch dann lande ich womöglich an der teureren Säule. Deshalb mache ich das selbst.“ Von E-Auto-Kritikern werden oft aber nicht nur die Ladezeiten moniert, zum anderen aber auch der mangelnde Ausbau der Lade-Infrastruktur. Seele hat damit bislang aber noch keine Probleme gehabt: „Mehr als fünf Minuten musste ich nie auf eine freie Ladesäule warten. Und dass die Säulen kaputt sind, das kommt vor. Aber dann sind da ausreichend andere vorhanden, jedenfalls war es bisher so.“
Günstiger als ein Verbrenner?
Apropos Laden – wie steht es denn um die Kosten pro Kilometer im Vergleich zum Verbrenner? Im Fall von Seele verbraucht der ID5 im Schnitt etwa 20 Kilowattstunden pro 100 Kilometer. Zu Hause lädt Seele über die eigens installierte Photovoltaik-Anlage, erhält dann allerdings nicht die Einspeisevergütung, die bei 2,10 Euro für 20 Kilowattstunden (7 Cent pro kwh zuzüglich eines kleinen Teils aus dem Stromnetz) liegt. Das heißt, effektiv kosten ihn dann 100 Kilometer zwei Euro. An der Ladesäule hingegen beträgt der Preis für eine Kilowattstunde ab 35 Cent je nach Ladetarif. Dann liegt der Preis für 100 Kilometer bei ungefähr sieben Euro. Zum Vergleich: Ein VW Tiguan, der mit dem ID 5 in etwa vergleichbar wäre, liegt mit einem 2-Liter-Diesel-Motor bei einem Verbrauch von etwa sechs Litern. Ein Liter Diesel kostet zurzeit um 1,50 Euro – damit wären es neun Euro pro 100 Kilometer. Allerdings unterscheiden sich die Fahrzeuge im Anschaffungspreis erheblich. Der ID5 kostet ab 50.000 Euro, der Tiguan ab 32.000 Euro. Und auch wenn Seele daheim nicht laden könnte, würde er trotzdem E-Auto fahren: „Die Vorteile überwiegen ganz klar, das sehr günstige Laden daheim ist nur das i-Tüpfelchen.“
