Hage - Zyankali – um diesen Giftstoff, der sowohl über die Haut als auch Atemwege und oral eingenommen bei Menschen ab einer Konzentration von 0,2 Gramm tödlich wirkt, soll es sich bei dem Gefahrgut-Unfall am Montag in Hage gehandelt haben. Das teilte der ehemalige Apotheker Tilemann Schäffer im Gespräch mit unserer Redaktion mit. Ein entsprechendes Labor-Ergebnis wird allerdings noch erwartet.
Der Unfall ereignete sich schon am Freitag, wie Schäffer zugibt. Er habe den Giftschrank ausräumen wollen, und als er diesen geöffnet habe, sei eine Flasche aus den oberen Regalfächern heruntergefallen. Schnell verließ er den Raum, wartete das Wochenende ab und rief erst am Montag die Feuerwehr zu Hilfe: „Ich wollte die nicht aus dem Wochenende holen“, erklärt Schäffer.
Tilemann Schäffer hält ein Gefäß mit einem Pulver in der Hand, so ähnlich wie das, was ihm am Freitag heruntergefallen ist. Da handelte es sich allerdings wohl um Cyankali.
Spende für Museumsdorf
Dass er überhaupt an den Giftschrank gegangen ist, hat Seltenheitswert – und einen bestimmten Grund. Er habe die Gefäße dem Museumsdorf in Münkeboe spenden wollen. Dort soll eine alte Apotheke nachgebildet werden und die Hager Apotheke ist mehr als 400 Jahre alt.
Zum Teil sind die Gefäße, in denen die giftigen Stoffe lagern, Hunderte Jahre alt: „Das sind echte Schätze“, so Schäffer. Früher habe sein Vater damit noch gearbeitet: „Das wurde dann in Milligramm-Mengen als Medizin genutzt“, so der frühere Apotheker. Auch hier gilt laut Schäffer der berühmte Satz des Paracelsus: Die Dosis macht das Gift.
Gift entsorgen
Aber damit „keine Begehrlichkeiten“ geweckt werden, wollte Schäffer den Inhalt der Gefäße ohnehin entsorgen. Kleinstmengen können zum Teil bei der Mülldeponie abgegeben werden, zum Teil muss eine Fachfirma beauftragt werden: „Aber wenn man sorgsam damit umgeht, passiert da nichts“, sagt Schäffer. Dass ihm allerdings das Missgeschick unterlaufen ist, ärgert ihn maßlos: „Ich konnte das aber auch nicht sehen und damit rechnen.“ Denn das Gefäß habe an der Tür gelehnt, und als er diese öffnete, sei das Glas voller Zyankali schon heruntergefallen. Etwa zehn bis 20 Gramm, so hieß es von dem Apotheker, hätten sich auf dem Boden verteilt. Die Feuerwehr ging von „deutlich mehr“ aus. Hier wurden etwa 50 Gramm geschätzt.
Chemische Reaktion
Nachdem die Feuerwehr sich vor Ort einen Überblick verschafft hatte, kontaktierte sie einen Fachberater. Dieser wies die Einsatzkräfte an, das Zyankali mit Wasserstoffperoxid zu besprühen, um es auf diesem Wege zu neutralisieren. Im Anschluss wurde der Boden sorgfältig gereinigt. Die Einsatzstelle konnte nach zehn Stunden wieder aufgelöst werden.
