Norderney - Es ist dunkel, schmuddelig und sieht aus, als hätte es schon einige Jahre auf dem Meeresgrund gelegen: Auf der ostfriesischen Insel Norderney ist ein „Geisterschiff“ gestrandet. Während sich für Schaulustige ein beeindruckendes Spektakel am Weststrand abspielt, dürfte die Situation für den älteren Herren im Inneren des wohl selbstgebauten Gefährts weniger erfreulich sein. Denn er steckt dort seit Montag fest.
„Wir haben unsere Hilfe angeboten, der Skipper hat diese aber nicht angenommen. Da dort momentan keine gefährliche Brandung oder andere Risiken für den Mann bestehen, hat sich unsere Besatzung wieder zurückgezogen“, erklärt Ralf Baur, Sprecher der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Auch die Polizei hält sich zurück, da aktuell keine Gefahr für die Allgemeinheit besteht. Das könnte sich allerdings ändern, sollte beispielsweise ein starker Sturm aufziehen. Was soll also mit Schiff passieren?
Das Schiff muss weg
Wie es konkret weitergeht, ist noch unklar: „Es will natürlich niemand, dass das Schiff am Strand bleibt, je eher es wegkommt, desto besser, aber vorher muss erst einmal geklärt werden, wer überhaupt zuständig ist“, sagt Jürgen Vißer, Leiter des Ordnungsamtes der Stadt Norderney. Und das ist gar nicht so einfach: „Natürlich ist erstmal der Eigentümer in der Verantwortung, es wirkt aber aktuell nicht so, also wäre dieser dazu in der Lage“, sagt Vißer weiter. Zwischenzeitlich habe es so ausgesehen, als hätte der Skipper selbst ein niederländisches Bergungsunternehmen organisiert, aber daraus ist dann doch nichts geworden.
„Bisher gestaltet sich die Kommunikation mit dem Schiffseigentümer schwierig“, berichtet Vißer weiter. Trotzdem versuche die Stadt, bestmöglich mit dem als eigenwillig beschriebenen Skipper zu kooperieren.
Die Bergung wird voraussichtlich mit viel Aufwand und Kosten verbunden sein. „Oft bleibt das dann am Ende an der Kommune hängen, wenn Eigentümer oder andere Behörden nicht greifen“.
Viele Absprachen nötig
Den genauen Fall wird die Stadt aber nun erst einmal überprüfen, da viele Faktoren berücksichtigt werden müssen. „Wir sammeln nun Informationen und ziehen auch Techniker zurate“. Denn am besten sei eine Bergung über das Wasser, aber für einen derartigen Transport muss erst der technische Zustand des Schiffs überprüft werden. Auch die Frage wohin es dann gebracht werden soll, muss vorher geklärt werden.
Neben Polizei und Seenotrettern beobachtet auch der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) die Strandung sehr genau, heißt es aus der Pressestelle. Dabei stehe aber vor allem die Frage im Fokus, ob Treibstoff auslaufe und somit eine Gefahr für die Umwelt entstehen könnte.
Kein zweites Wrack
Dass das Schiff schon in Kürze wieder von der Norderneyer Küste verschwindet, schätzt Vißer als eher unrealistisch ein. „Zum Glück ist erst einmal kein Sturm angekündigt, der die Situation weiter verschärfen würde.“ Es werden aber schnellstmöglich alle notwendigen Informationen für die Bergung eingeholt. Denn neben dem Wrack am Ostende, dass seit 1967 dort liegt, soll es auf der Insel keine zweite Schiffsruine geben.
