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Grabung in Großheide Fundort entpuppt sich für Archäologen als Knüller

Ann-Kathrin Stapf
Steine und ein Kugeltopf in einem Brunnen verraten den Experten das Alter der Siedlung.

Steine und ein Kugeltopf in einem Brunnen verraten den Experten das Alter der Siedlung.

Ann-Kathrin Stapf

Großheide - Dr. Sonja König brennt es unter den Nägeln. Sie ist Archäologin bei der Ostfriesischen Landschaft und betreut derzeit eine Grabung in Großheide. Viel versprochen hatten sich weder die Archäologen noch die Gemeinde, die mit Baugerät unterstützt. Begonnen hatten die Grabungen Anfang Juni. Lange blieb es ruhig, doch vor ein paar Tagen änderte sich alles. König ist sich sicher: „Das hier ist ein Knüller.“

Mehrere Funde

Was die Grube zum Knüller macht, sind mehrere Funde der letzten Tage, die so nicht zu erwarten waren. Nachdem die sogenannte Pflugschicht abgetragen war, also die Erde, die im Zuge von Landwirtschaft immer wieder bewegt und vermengt wurde, zeigte sich schon so einiges. Beispielsweise Gräben und zwei Brunnen.

Was aber keiner ahnte und auch eine metaphysikalische Messung nicht zu Tage brachte: Noch ein Stück tiefer in der Erde befinden sich archäologische Schätze.

Schätze sind es aus zweierlei Gründen: Zum einen sind die Funde gut erhalten, zum anderen ist praktisch auf den ersten Blick durch sie möglich, die Zeit zu nennen, in der sich Menschen dort angesiedelt haben.

Nun steht neben einem über zwei Meter breiten Brunnen ein Kugeltopf, der wirkt, als sei er eben dort abgestellt worden, denn er ist völlig unbeschädigt. Tatsächlich ist das Töpfchen aber mutmaßlich im 13. oder 14. Jahrhundert dorthin gekommen. Ähnlich verhält es sich mit einem Haufen Backsteinen, die wohl in den Brunnen gefallen sind oder dorthin geschmissen wurden. Die Steine sind ein gutes Indiz für ihre Zeit, den je älter, desto schlechter gebrannt.

Ein Stück weiter ist ein zweiter, deutlich kleinerer Brunnen. Dieser ist auch noch sehr aktiv, wie sich bei der Grabung zeigte. Dort fanden die Archäologen einen Zinnlöffel. Ein Fund, der König entzückt, zeigt er doch viel über seinen Besitzer und, dass entweder lange, oder wieder eine Siedlung an dieser Stelle war, nämlich rund 200 Jahre später.

War es ein Kaufmann?

Zusammengefasst glaubt König, dass sich am Grabungsort ein Kaufmann niedergelassen hatte. Jemand, der landwirtschaftliche Güter vertrieb und dadurch so reich wurde, dass er sich Zinnlöffel, Lagerstätten und ein Steinhaus leisten konnte. Sakrale Bauten seien gut dokumentiert, daher sei das unwahrscheinlich. Steinhäuser wohlhabender Kaufleute, die ihre Waren in den Süden transportierten, gab es jedoch rund 500 auf der ostfriesischen Halbinsel.

Für die Lagerstätten eines Kaufmanns sind Pfahlstrukturen ein Hinweis. Das Haus suchen die Experten noch. Ebenso wie einen Wasserweg für den Transport der Güter per Boot.

Die Gemeinde Großheide plante an der Grabungsstelle ein neues Baugebiet. Weil es Hinweise gab, dass sich an der Stelle etwas befindet, wurde die Landschaft informiert.

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