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Nach NWZ-Bericht Großefehntjer Biogas-Skandal kommt nun auch ins Fernsehen

Landwirt Jens Soeken betreibt eine Biogasanlage in Großefehn. Weil diese allerdings vom Netz genommen wurde, bleibt ihm derzeit nichts anderes übrig, als Hunderte Kubikmeter Gas pro Stunde zu verbrennen.

Landwirt Jens Soeken betreibt eine Biogasanlage in Großefehn. Weil diese allerdings vom Netz genommen wurde, bleibt ihm derzeit nichts anderes übrig, als Hunderte Kubikmeter Gas pro Stunde zu verbrennen.

Aike Sebastian Ruhr

Timmel - Nach einem Bericht unserer Redaktion kommt die Timmeler Biogasanlage von Jens Soeken nun auch ins Fernsehen, unter anderem ins ZDF: „Es ist der Wahnsinn, der Bericht ist megamäßig gut angekommen“, resümierte Soeken im Gespräch. Er ist der NWZ „extrem dankbar“, dass sie den Stein ins Rollen gebracht habe und ihm „mal jemand wirklich zugehört“ habe. Und er ist sicher: „Ohne den Zeitungsartikel wären die Fernsehsender nicht auf mich aufmerksam geworden.“ Nun bekomme das Thema eine noch größere Relevanz – und hoffentlich werde sich an der massenhaften Gas– und Energieverschwendung etwas ändern.

Landwirt Jens Soeken betreibt eine Biogasanlage in Großefehn. Weil diese allerdings vom Netz genommen wurde, bleibt ihm derzeit nichts anderes übrig, als Hunderte Kubikmeter Gas pro Stunde zu verbrennen.

BIOGASANLAGE IN GROSSEFEHN Landwirt fackelt unfreiwillig Hunderte Kubikmeter Gas pro Stunde ab

Aike Sebastian Ruhr
Großefehn

Landwirt fackelt Biogas unfreiwillig ab – trotz Energiekrise

Doch worum geht es eigentlich genau? Einfach gesagt: Soeken und etliche andere Biogasanlagenbetreiber werden regelmäßig dazu verdonnert, teils über Wochen Hunderte Kubikmeter Biogas pro Stunde einfach abzufackeln, statt es für die Produktion von Strom zu nutzen. Dazu kommt es immer dann, wenn im Norden Deutschlands zu viel Wind weht. Denn durch das Überangebot an Strom aus Windenergie sinken dann bundesweit die Preise, weshalb im Süden die Kraftwerksbetreiber ihre Anlagen runterfahren, um finanziellen Schaden abzuwenden. Im Süden der Republik herrscht dann ein Strommangel, der durch das Überangebot im Norden begründet ist. Und aufgrund fehlender Leitungen mit ausreichend Kapazität werden dann im Norden die Anlagen zwangsweise abgeschaltet, um den Engpass im Süden abzuwenden. Die Betreiber der Anlagen im Norden werden allerdings für die zwangsweisen Ausfälle entschädigt.

Der Sonnenaufgang leuchtet durch den Morgennebel mit einer Windenergieanlage.

DAS „STROM-PARADOXON“ So viel erneuerbare Energie wird jährlich verschwendet

Aike Sebastian Ruhr
Deutschland

Doch obwohl es theoretisch möglich wäre, Biogasanlagen weiter am Netz zu behalten, werden diese gemeinsam mit den Windparks abgeschaltet – und genau das ist laut Soeken ein „völliger Irrsinn.“ Denn während Windkraftanlagen einfach abgeschaltet werden können, muss Soeken seine Biogasanlage weiterbetreiben. Sollte er diese nämlich runterfahren, würde es Wochen bis Monate dauern, ehe sie wieder auf ursprünglicher Kapazität läuft. Und den Produktionsausfall würde er nicht entschädigt bekommen: „Auf den Kosten würde ich dann sitzenbleiben.“ So wie Soeken geht es auch etlichen anderen Betreibern von Biogasanlagen, vor allem im Norden der Republik. Denn dort wird am häufigsten in die Stromproduktion eingegriffen, wie eine Auswertung der Bundesnetzagentur zeigt.

Biogas brennt ab, während der Bedarf an Erdgas steigt

Und im Fall der Biogasanlage von Jens Soeken bedeutet eine Abregelung nicht nur, dass die Umwelt durch das Abbrennen von Biogas belastet wird, sondern der Bedarf an Erdgas steigt ebenfalls an. Denn die Abwärme der Motoren, die die Stromgeneratoren im Regelfall antreiben, wird genutzt, um mehrere größere Bauten in der Gemeinde Großefehn zu beheizen. Laufen die Motoren nicht, weil das Stromnetz überlastet ist, fehlt es dann auch an Wärmeenergie.

Aike Sebastian Ruhr
Aike Sebastian Ruhr Ostfriesland-Redaktion/Norden
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