Hage - Die Eingangshalle ist so licht und freundlich gestaltet, dass sie den tieferen Sinn des Hauses nicht vermuten lässt. Und das ist Absicht. „Es soll eine angenehme Atmosphäre geschaffen werden“, erklärt Miriam Glave, die Vorsitzende des Fördervereins für das Hospiz am Meer am Montag, als die Einrichtung in Hage ihren Betrieb aufgenommen hat. Erstmals kamen alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in dem neuen Haus zusammen. Eine Woche noch wollen sie die Einrichtung vorbereiten, dann können die ersten Gäste einziehen, womit der Förderverein fast sieben Jahre nach seiner Gründung am Ziel ist: ein Hospiz für den Landkreis Aurich zu schaffen. Der Bedarf ist da, verrät die Zahl der Anfragen, noch bevor es eröffnet war.
Kümmern sich im Pflegeteam um die Gäste des Hauses: (v.l.) Petra Okken, Adriana Franckiewycz, Anja Börgmann, Marion Hemken-Kleen und Ute Hoffmann in einem der Gästezimmer. Bild: Axel Pries
„Es ist ein Haus zum Sterben“
Ein Hospiz ist kein Pflegeheim und auch nicht mit der Palliativstation eines Krankenhauses zu verwechseln, erläutert Miriam Glave: „Es ist ein Haus zum Sterben.“ Was das konkret bedeutet, sei genau festgelegt. Aufgenommen werden können Menschen, die mit schweren, tödlichen Erkrankungen dem Ende nahe sind. Das sind meist Tumore, aber zum Beispiel auch ALS-Erkrankungen im Endstadium, bei denen die verbliebene Lebenserwartung nicht mehr als sechs Monate beträgt. „In ein Hospiz zieht ein Mensch ein“, erklärt Christina Bitiq, die Leiterin des Hospiz am Meer.
Das Hospiz am Meer verfügt dafür über neun Gästezimmer und eines für Angehörige. Den Sterbenden, die im Hospiz „Gäste“ genannt werden, die letzten Wochen oder Monate so angenehm zu machen und ihnen ein wüedevolles Ende zu ermöglichen, ist die Aufgabe von insgesamt 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, unter ihnen 17 Pflegekräfte. Es gibt ein behagliches Kaminzimmer mit angeschlossener Küchenecke und einen kleinen Aufenthaltsraum, der auch für die Aufbahrung Verstorbener gedacht ist. Nicht alle Bewohner, die einziehen, sind bettlägerig, erläutert die Leiterin.
Ein Ort zum Wohlfühlen: Geschäftsführer Martin Stötzel führt eine dreh- und neigbare Badewanne zum Entspannen in unterschiedlichen Raumfarben vor. Bild: Axel Pries
Bereits elf Anfragen gab es
Die große Bedeutung der neuen Einrichtung wird erkennbar in der Zahl der Anfragen, seit das Projekt bekannt geworden ist: Elf Privatpersonen hätten sich bereits erkundigt, obwohl das Haus noch nicht bei Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern angemeldet ist. Dieser Bedarf sei aber seit Jahren bekannt und auch der Grund, warum sich ein Förderverein gründete, der es schaffte, durch Spenden die 2,4 Millionen Euro aufzubringen, die der Bau benötigte. Zu den Unterstützern zählen die Deutsche Hospiz- und Palliativstiftung sowie der Landkreis Aurich und viele Privatspender. Die Initiatoren des Vereins bekamen auch prominente Unterstützung: Mit Krimiautor Klaus-Peter Wolf fanden sie einen Schirmherren, der das Vorhaben zu einem Fanprojekt machte – mit großem Erfolg. Im Oktober 2021 war feierliche Grundsteinlegung im Beisein des Schriftstellers.
Zuständig für die Hauswirtschaft: (v.l.) Raphaela Muckenthaler und Gabi Rinschede in der Küche des Kaminzimmers. Bild: Axel Pries
Alle halfen damit, eine „große Versorgungslücke“ zu schließen, wie die Leiterin erklärt. Bislang gab es im Landkreis Aurich nur einen ambulanten Hospizdienst, und das nächste Hospiz war in Leer angesiedelt. „Das ist für viele Angehörige aber zu weit“ , meint Christina Bitiq und fasst zusammen. „Das Haus ist entstanden, weil sich viele Ehrenamtliche dafür eingesetzt haben.“ Bereits am 9. Januar werden in Hage die ersten Gäste erwartet.
Hat in Hage den Betrieb aufgenommen: das Hospiz am Meer. Bild: Axel Pries
