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NWZ-Reporterin lebt einen Monat auf Norderney Warum ich auf der Insel doch kein besserer Mensch geworden bin

Während meines vierwöchigen Insel-Aufenthalts war der stürmische Wind mein täglicher Begleiter.
Kolumne

Während meines vierwöchigen Insel-Aufenthalts war der stürmische Wind mein täglicher Begleiter.

Alexandra Meier

Norderney - Morgens joggen, abends in die Sauna, die Zeit abseits meines gewohnten Alltags bewusst gestalten. So habe ich mir das gedacht, als ich die Laufschuhe und den Bademantel vor vier Wochen in meinen Koffer gepackt habe. Da hatten die beiden nun während meines Insel-Aufenthalts bestimmt eine schöne Zeit zusammen. Spoiler-Warnung: Ein „völlig neuer Mensch“, der jede Minute sinnvoll auf der Insel nutzt, bin ich also nicht geworden. Aber ich denke, das ist auch in Ordnung so.

Selbstoptimierung gescheitert

Denn das Zurechtfinden in der fremden Umgebung, die Umsetzung spannender Insel-Themen ohne den direkten Anschluss an meine Redaktion und vor allem das Kennenlernen vieler neuer Menschen war nicht nur aufregend, sondern auch herausfordernd. Dazu noch die viele frische Luft um die Nase. Am Ende eines langen Arbeitstages war ich also auch auf der Insel erschöpft – vielleicht sogar noch mehr als zu Hause.

Statt jeden Abend dem Sonnenuntergang entgegenzublicken, starrte ich dann doch öfter auf den Fernsehbildschirm als erwartet. Auch das „jeden Abend frisch kochen“ habe ich in meiner Einzimmerwohnung nur bedingt umgesetzt.

Bis zur Perfektion selbst optimiert habe ich mich also nicht. Dazugelernt habe ich trotzdem einiges. So nehme ich mir für mein nächstes Projekt vor, mit realistischeren Erwartungen zu starten. Denn nur weil ich auf einmal in einer anderen Umgebung bin, bleibe ich schließlich noch derselbe Mensch.

Doch nicht so unabhängig

Außerdem ist mir bewusst geworden, wie wichtig mir meine sozialen Kontakte sind. Ich habe mich immer als unabhängigen Menschen eingeschätzt und war auch allein bereits auf deutlich längeren Reisen. Und doch erwischte ich mich während meines Insel-Aufenthaltes dabei, Momente nicht so richtig genießen zu können. Da konnte der Sonnenuntergang so schön wie das Meer berauschend sein – speziell zum Ende meiner Insel-Zeit wünschte ich mir mehr und mehr vertraute Menschen an meiner Seite, um diese besonderen Momente zu teilen. Denn davon gab es beeindruckend viele.

 

Zudem habe ich auch die Liebe zu meiner Wahlheimat Oldenburg wiederentdeckt: So habe ich zuletzt die Schönheit der Stadt vor lauter Autos nicht mehr gesehen. Mit der einzigartigen Insel-Natur kann die Huntestadt natürlich nicht mithalten. Dafür gibt es hier für mich den leckersten Kaffee, meinen liebsten Party- und Kulturkeller und vor allem die Menschen, die ich in den letzten Wochen doch mehr vermisst habe, als erwartet. Und meine Katze Hildegard.

Dankbar im Alltag sein

Auch die Möglichkeit, meinen Aufenthaltsort jederzeit verlassen zu können – ohne auf die Überfahrt mit einer Fähre und entsprechende Wetterbedingungen angewiesen zu sein – habe ich bei meiner Rückkehr als Erleichterung empfunden.

Manchmal muss man wohl einfach eine Weile weg sein, um den eigenen Alltag wieder schätzen zu lernen. Dafür, aber vor allem für die vielen Stunden auf den grün bewachsenen Dünenwegen, am endlos wirkenden Strand entlang oder im Café mit Panorama-Sicht auf das tosende Meer, bin ich sehr dankbar.

Alexandra Meier
Alexandra Meier Digitalteam Wesermarsch
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