Norden - 33 Minuten dauert es, bis der Norder am nächsten Kino ist. Denn dafür muss er nach Aurich. Norden hat kein eigenes Kino mehr. Die Lichtspiele sind erloschen, nach rund 100 Jahren. In den Zwanzigerjahren verdoppelte sich die Zahl der Lichtspielhäuser in der Weimarer Republik. Bis zu zwei Millionen Menschen sahen sich jeden Tag Stummfilme an. Eine erste Blüte des Kinos erlebten Teile von Ostfriesland schon vor dem Ersten Weltkrieg. In Norden brach die Filmära erst danach an und die Hochphase mit drei Kinos in der Stadt waren die späten Fünfzigerjahre und frühen Sechzigerjahre.
Das Norder Kino schlechthin war bis vor kurzem das „Apollo“, dass 1958 eröffnete. 2019 endete mit der Schließung der Kinobetrieb in Norden. Während das „Apollo“ bis in die Neuzeit überdauerte, blieb die Konkurrenz in Norden auf der Strecke, manchmal nach einigen Jahren, manchmal schon nach wenigen Monaten. Das „Metropol“ eröffnete 1948 und schloss 1970 wieder die Tore. Das auf erotische Streifen spezialisierte Lichtspielhaus befand sich am Markt im früheren Gasthof „Zur Börse“ mit 416 Sitzplätzen. 1918 eröffnet der Techniker Johann Heinrich Rosenbohm im heutigen Bürgerhaus ein Lichtspielhaus. Das Kino mit 150 Plätzen bestand wegen bürokratischer Hindernisse nur wenige Monate. Als Startschuss für das Norder Kino gelten aber die „Frisia Filmspiele“, die 1918 eröffneten und ab 1925 „Norder Lichtspiel“ hießen. Das Kino schloss 1963.
Früher als Norden gab es in Leer die Bewegtbilder. In Leer soll bereits 1908 der „Grand-Kinematograph“ in der Altstadt eröffnet haben. Mit einem Kino hatte das allerdings eher wenig zu tun. Ein Laden wurde bestuhlt und mit Technik ausgestattet. Auslöser war, dass es ab diesem Zeitpunkt erste Filmverleihe gab. Zuvor zogen Wanderkinos durch Ostfriesland. Diese verschwanden schlagartig.
Es dauerte nicht lange, bis auch das zweite Kino in Leer eröffnet wurde. Neben großen Produktionen wurden auch sportliche Ereignisse aus der Region und Aufnahmen vom Gallimarkt gezeigt. In Emden waren es Aufnahmen des dortigen Schützenfestes 1909.
In Aurich waren die Zwanzigerjahre die große Zeit des Kinos. Vor 100 Jahren gab es mehrere Lichtspielhäuser, die meisten waren vergleichsweise groß. 1914 hatten die „Auricher Lichtspiele“ am Hoheberger Weg eröffnet mit Platz für rund 450 Menschen. Es schloss 1980. Zu Beginn der Zwanzigerjahre eröffnete ein Kino in Kirchdorf, das zu „Brems Garten“ gehörte. Es soll 300 Plätze gehabt haben. 1927 eröffneten die „Lichtspiele Schwarzer Bär“ am Markt mit Platz für 200 Zuschauer. Es schloss 1979.
