Großefehn - Sparsam mit Strom und Gas umgehen, das ist eigentlich die Devise in Zeiten des Energiemangels. Doch in Timmel wird seit Tagen Biogas verbrannt – und das im großen Stil. 220 Kubikmeter Biogas pro Stunde gehen sprichwörtlich durch den Schornstein, allerdings unfreiwillig. Denn die Biogasanlage von Jens Soeken ist seit mittlerweile mehr als 50 Stunden vom Netz genommen. Der Grund: Das Netz ist überlastet, es gibt zu viel Strom. Und das führt dazu, dass die Motoren, die normalerweise mit Biogas angetrieben werden und bis zu vier Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr (das reicht für ungefähr 800 Vier-Personen-Haushalte) erzeugen können, stillstehen. Deshalb wird das Gas nun verbrannt, anstatt es für die Stromproduktion zu nutzen.
Biogasanlage nicht einfach abschaltbar
Denn Soeken kann die Biogasanlage nicht einfach so abschalten, denn die Bakterien in den Tanks, in denen der Gärungsprozess abläuft und ein methanhaltiges Gasgemisch entsteht, reagieren äußerst empfindlich auf Veränderungen. Zudem würde es laut Soeken Wochen bis Monate dauern, bis die Anlage wieder läuft, sollte er diese abschalten – und auf den Ausfallkosten würde er sitzenbleiben. Deshalb ist Soeken gezwungen, die Anlage weiter zu betreiben und das Gas zu verbrennen. Denn es wird unweigerlich Gas erzeugt, auch wenn er die Anlage auf Minimalbetrieb fährt. Und speichern kann er es auch nicht: „Pro Tag gehen hier jetzt 25 Tonnen Futter durch den Schornstein“, so Soeken.
Motoren laufen nicht – Abwärme fehlt
Und damit nicht genug: Weil die Motoren nicht laufen, kann er die dabei entstehende Abwärme nicht für die Wärmeversorgung von rund 15 größeren Bauten in der Gegend nutzen. Diese beziehen ihre Wärmeenergie nun nicht mehr über die Biogasanlage, sondern beispielsweise durch Erdgas. Die Umwelt wird durch die Abschaltung in doppelter Hinsicht belastet. Zum einen durch das Verbrennen des Biogases, das nicht mehr genutzt wird. Zum anderen durch den Mehrbedarf an alternativer Wärmeenergie, weil die Motoren nicht laufen und so keine Wärmeenergie entsteht. In einigen Fällen sind Biogasanlagenbetreiber dann sogar verpflichtet, Erdgas dazuzukaufen und zu verbrennen, um die Lieferverträge zu erfüllen.
Betreiber werden entschädigt
Soeken selbst hält die Abregelungen für „völligen Irrsinn.“ Und dabei geht es ihm nicht um das Geld, denn die entfallenen Einnahmen durch die Abregelungen werden ihm in voller Höhe erstattet. Trotzdem sagt er: „Die jetzige Regelung ist brutaler Schwachsinn. Ich würde mir wünschen, dass die Abschaltungen viel flexibler gehandhabt würden.“ Seiner Ansicht nach müsse viel genauer geprüft werden, welche Folgen eine Abschaltung hat. Würde beispielsweise ein Windrad vom Netz gehen, wäre dies mit keinen negativen Auswirkungen verbunden. Zwar würde kein Strom mehr produziert, aber es müsste auch kein Gas verbrannt werden. Und ein nachgelagertes Wärmenetz gibt es auch nicht, weshalb dadurch auch der Bedarf an Erdgas nicht steigen würde. Doch dies findet bislang keine Berücksichtigung, wie auch der Biogasverband gegenüber der Frankfurter Rundschau kritisierte.
