Juist - Mein Insel-Abenteuer ist nun vorbei. Ich habe vier Wochen auf Juist verbracht und kann noch gar nicht realisieren, dass diese aufregende Zeit schon vorbei ist. Ich habe Menschen getroffen, die mich bewegt, beeindruckt und fasziniert haben. Ich habe Erfahrungen gemacht, die mich an meine Grenzen gebracht haben – aber gleichzeitig auch sehr viel über mich gelernt.
Christin Hufer ist 28 Jahre alt und Volontärin bei der Nordwest-Zeitung. Bevor ihr Volontariat nächstes Jahr im Frühjahr endet, erlebt sie ein spanendes Projekt: Sie ist für vier Wochen auf der Ostfriesischen Insel Juist im Einsatz, um von dort aus spannende Insel-News zu berichten.
Geboren ist Christin Hufer in Cuxhaven und hat dort bis nach ihrem Abitur gelebt. In Oldenburg hat sie anschließend Geschichte und evangelische Theologie studiert. Mittlerweile wohnt sie in der Nähe von Bremen.
In ihrer Freizeit geht sie gerne zum Sport, interessiert sich für Kunstgeschichte und verbringt viel Zeit in der Natur.
Unnötige Ängste
Versetze ich mich zurück in meine Gedanken von vor einem Monat, erinnere ich mich daran, dass ich aufgeregt war und Respekt vor dieser Aufgabe hatte. Ich hatte etwas Angst, dass mir die Arbeit nicht gelingen könnte, ich keine spannenden Geschichten aufs Papier bringen würde. Jetzt weiß ich, dass sich diese Sorgen in keiner Weise bestätigt haben. Ich hatte ebenfalls Bedenken, dass ich mich – als geselliger Mensch – einsam fühlen würde, wenn Freunde und Familie nicht schnell zu erreichen sind. Und vor allem hatte ich Sorge, dass es in mir ein Unbehagen auslöst, wenn ich weiß, dass ich per Fähre nur einmal am Tag von der Insel wegkommen könnte. All diese Ängste waren direkt zu Anfang verflogen – und das hat mich am meisten überrascht.
Alles, was mich vor Juist beunruhigt hat, war am Ende das, was mir am meisten gefallen hat. Die Ruhe auf der Insel hat auch in mir Ruhe ausgestrahlt. Ich musste nicht mehr durchgehend erreichbar sein und habe es überhaupt nicht vermisst, immer etwas vorzuhaben. Ich bin vom Alltagsstress heruntergekommen, und mein Leben wurde entschleunigt.
Kollegen fehlen
Doch auch wenn ich die Ruhe genossen habe, kann ich nicht leugnen, dass mir meine Kollegen gefehlt haben. An meinem Küchentisch in der Ferienwohnung habe ich mir einen kleinen Arbeitsplatz eingerichtet. Dort hörte ich keine klingelnden Telefone, keine Gespräche der Kollegen aus dem Hintergrund und auch keine Fragen danach, was man denn in der Mittagspause essen könnte. Für das Projekt war das praktisch, denn ich habe selten so konzentriert gearbeitet. Aber es sind doch eben die kleinen Dinge, die den Alltag schöner machen. Die kleinen Späße und der Plausch an der Kaffeemaschine.
Größtes Projekt
Vier Wochen sind rückblickend keine lange Zeit. Trotzdem war das Insel-Abenteuer bisher mein größtes Projekt. Dabei ist mir eines besonders klar geworden: Ich sollte in Zukunft gelassener an große Aufgaben herangehen. Die Sorgen, die ich im Vorfeld hatte, haben mich nur unnötig verunsichert. Jetzt, wo ich die letzte Folge meiner Kolumne schreibe, merke ich deutlich, dass ich über mich hinausgewachsen und ein Stück selbstsicherer geworden bin. Allein dafür hat sich das Projekt für mich gelohnt.
Ganz nebenbei habe ich eine wunderschöne Insel kennengelernt. Ich werde mich noch lange an meine Spaziergänge am Strand erinnern. Die salzige Brise, die um meine Nase weht, und die Sonnenuntergänge, die mich nach einem anstrengenden Tag entspannt haben. Dass ich also wiederkommen werde, steht für mich außer Frage. Dann werde ich aber nicht mehr mit einem mulmigen Gefühl auf die Fähre steigen.
