Großheide/Köln/Bonn - Seit fast einer Woche ist der 14-jährige Liam aus der ostfriesischen Gemeinde Großheide spurlos verschwunden. Der Junge war am Freitag, 3. Mai, in Richtung Köln aufgebrochen, um Freunde zu besuchen, und wollte eigentlich am Sonntag, 5. Mai, zurückkommen. Doch bis heute ist er nicht zurückgekehrt, und seine Mutter, Eve Araque Jimenez, ist krank vor Sorge. Ist ihm etwas zugestoßen oder ist er einfach nur weggelaufen?, fragt sie sich.

Das ist über Liam bekannt

Liam ist 14 Jahre alt, schlank, etwa 1,6 Meter groß und trug zum Zeitpunkt des Verschwindens eine schwarze Stoffhose, weiße Turnschuhe, einen ockerfarbenen Kapuzenpullover. Er führte einen Rucksack, pinken Pullover und ein Kuscheltier (Hase) mit sich, wie die nordrhein-westfälische Polizei in einer Vermisstenmeldung schreibt.

Der Junge wird in Vermisstenmeldungen auch Emma genannt, doch das ist laut der Mutter nicht zutreffend. Liam ist ein Transgender-Junge, biologisch (noch) ein Mädchen, doch fühlt sich als Junge. Seinen ursprünglichen Namen möchte er nicht mehr hören und dies ist für ihn ein „Dead Name“ (toter Name).

Liams letzter bekannter Aufenthaltsort ist eine Jugendschutzstelle in Bonn. Dorthin wurde er von der Polizei am Dienstag, 7. Mai, gebracht, nachdem die Beamten ihn in Brühl aufgegriffen hatten. Der Jugendliche, der als Mädchen zur Welt kam, sich aber als Junge fühlt, hatte am Sonntag seine Mutter angerufen und mitgeteilt, dass er den gebuchten Zug verpasst habe. Daraufhin habe die Mutter mit ihm vereinbart, dass er bis spätestens Dienstag zurückkommen müsse. Und bis Montagabend hatte sie noch regelmäßig Kontakt zu ihrem Sohn, am Dienstagmorgen dann nicht mehr: „Ich versuchte über alle Kanäle, ihn zu erreichen, ohne Erfolg. Da habe ich die Polizei eingeschaltet“, berichtet sie. Über eine Handy-App konnte sie Liam orten, die Beamten fanden ihn bei einem Freund in Brühl und brachten ihn nach Bonn. Dort sollte er eigentlich bleiben, bis ihn am darauffolgenden Tag sein 27 Jahre alter Bruder abholen wollte. Doch daraus wurde nichts, denn Liam verließ noch am Dienstag die Einrichtung und verschwand spurlos.

Seither ist jeglicher Kontakt abgebrochen, die Handy-Ortung funktioniert auch nicht mehr: „Es ist aus. Keine Chance, nicht einmal die Polizei kann ihn so orten. Das ist ungewöhnlich“, sagt die Mutter und ist den Tränen nahe. Sie hofft, dass der Schüler der IGS Aurich einfach nur weggelaufen ist – und sie ihn schon bald wieder in die Arme schließen kann.

Doch sie hat große Angst, es könnte auch etwas anderes passiert sein. Denn in der Mitteilung der Polizei zu dem Vermisstenfall heißt es unter anderem, dass eine Eigengefährdung in Liams Fall nicht ausgeschlossen werden kann. Das bestätigt auch die Mutter: „Er hat depressive Phasen, wurde in der Schule häufig heftig gemobbt. Auch war er schon wegen suizidaler Gedanken in Behandlung in einer jugendpsychiatrischen Einrichtung. Wir haben das Jugendamt mit dazugeholt, um ihm die beste Hilfe zu ermöglichen.“

Aike Sebastian Ruhr
Aike Sebastian Ruhr Ostfriesland-Redaktion/Norden