Norden - Wirtschaftsminister Robert Habecks (Grüne) Auftritt bei „Maischberger“ in der ARD schlägt weiter hohe Wellen – und auch der Norder Bäckermeister Lars Grünhoff findet deutliche Worte: „Robert Habeck ist eine Fehlbesetzung“, lautet sein Urteil.
„Versteckte Kamera“?
Doch was war passiert? Am Dienstagabend hatte Habeck in der Sendung auf die Nachfrage, ob mit einer Welle an Insolvenzen am Ende dieses Winters zu rechnen sei, geäußert: „Nein, das tue ich nicht. Ich kann mir vorstellen, dass bestimmte Branchen einfach erst einmal aufhören zu produzieren.“ Nachfolgend sagte Habeck, dass dies beispielsweise für Blumen- und Bioläden sowie Bäckereien gelte. Denn dies seien Läden, die darauf „angewiesen“ seien, dass die Menschen Geld ausgeben. Diese Unternehmen hätten dann Probleme, weil die Kunden zurückhaltender einkaufen würden. Und fügte hinzu: „Dann sind die nicht insolvent automatisch, aber sie hören vielleicht auf zu verkaufen“, so Habeck. Im weiteren Verlauf sprach er davon, dass diese Betriebe dann vielleicht nach einer Zeit wieder ihr Geschäft aufnehmen würden.
Für diese Äußerungen erfährt der Wirtschaftsminister momentan massive Kritik – auch aus den Reihen der Ampelparteien selbst. Doch nicht nur Politiker kritisieren, sondern auch die beispielhaft genannten Unternehmer, so auch Lars Grünhoff, Bäckermeister aus Norden. Zu dem Auftritt bei Maischberger sagte er: „Ich habe erst gedacht, das sei verstecke Kamera.“
„Keine Ahnung“
Doch kurz danach sei ihm klar geworden, dass das nicht der Fall war: „Den kann man nicht für voll nehmen, der hat doch gar keine Ahnung“, kritisierte Grünhoff. Die Bäckereibetriebe stünden mit dem Rücken zur Wand und sie alle seien momentan „extrem beunruhigt.“ Und zur Beruhigung habe der Fernsehauftritt nicht beigetragen – im Gegenteil: „Das ist der falsche Mann auf dem Posten.“ Er und seine Berufskollegen müssten Monat für Monat Rechnungen bezahlen. Grünhoff hat erst vor drei Jahren komplett neu gebaut. Ein millionenschweres Projekt, das in Norddeich umgesetzt wurde. Das finanzielle Polster ist dünn, aber auch bei denen mit dickem Polster werde die Luft immer dünner. Und obwohl Grünhoff noch bis Dezember von einer Preisbindung mit seinem Versorger profitiert, hat er schon heute große Sorgen: „Was passiert dann?“ Eine Frage, auf die Grünhoff keine Antwort hat. Sie können theoretisch nur die Preise erhöhen, um den gestiegenen Kosten zu begegnen. Doch noch weiter zu erhöhen sei eigentlich keine Option, denn schon jetzt wanderten viele Kunden ab: „Die kaufen dann im Discounter statt bei uns“, so Grünhoff.
Handwerkern fehlt Lobby
Verständnis für das Vorgehen der Regierung hat der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Aurich, Wolfgang Janhsen, indes nicht mehr. Zu dem Auftritt und Äußerungen des Wirtschaftsministers sagte er, mit Verweis auf das Feedback aus Handwerker-Reihen: „Das passt ins Gesamtbild.“ Handwerker des kleinen und mittleren Mittelstandes fehle es an Wahrnehmung in der Bundespolitik. Gelder würden momentan, wenn überhaupt, nach dem Gießkannenprinzip verteilt, zum Beispiel in puncto Milliardenhilfe für den Gas-Riesen Uniper, so Janhsen. Und kleinere Unternehmen blieben unbeachtet.
