Norderney - „Selbst nachts haben Menschen an das Schiff geklopft und mit Taschenlampen hineingeleuchtet, das war wirklich furchtbar“, berichtet Chell Michels, als Organisator einer Spendenaktion für den auf Norderney gestrandeten Seemann. Nachdem auch ein Verkauf des außergewöhnlichen Schiffs zur Debatte gestanden hatte, soll die „Wibo“ jetzt erstmal als Leihgabe an das Automobil- und Spielzeugmuseum in Norden gehen. Der alleinreisende Skipper sei über diese Entwicklung zunächst erleichtert, ganz aufgeben will er sein Schiff aber nicht, erzählte er Michels.
Spenden gesammelt
„Nachdem klar war, dass der gestrandete Seemann Hilfe braucht, erhielt ich einen Anruf und wurde gefragt, ob ich da nicht irgendwas machen könnte“, sagt Michels. Denn der 53-jährige Norderneyer hat in der Vergangenheit schon öfter seine Reichweite als Moderator von „Norderneyer Wetter TV“ genutzt und verschiedene Projekte unterstützt. Die Anruferin war Alexandra Leven, die dem Skipper auch später eine Unterkunft bereitgestellt hat.
Umringt von seinen Helfern: Mehrere Norderneyer haben den auf der Insel gestrandeten Seemann (Mitte) unterstützt.
Chell Michels
Der Norderneyer Chell Michels hat die Spendenaktion für den gestrandeten Seemann auf Norderney organisiert.
Alexandra Meier
Bis es in ein Museum nach Norden transportiert wird, steht das Schiff auf dem Gelände der Firma Onnen am Hafen.
Alexandra MeierDurch die Spenden-Aktion wurden über 6000 Euro gesammelt, mit der unter anderem die Bergung vom Strand bezahlt wurde, bei der Kosten von etwa 3000 Euro entstanden sind. „Von dem restlichen Geld werden Reparaturen und die Überfahrt nach Norden bezahlt“, erklärt Michels. Auch Sachspenden wie Kleidung sind eingegangen.
Schiff nicht seetüchtig
Seit der Bergung am 10. November durch das Fuhrunternehmen Onnen, steht die Wibo auf deren Firmengelände, wo einige Reparaturen vorgenommen wurden – seetüchtig ist es das Schiff allerdings nicht. „Der Außenborder ist zwar repariert, aber die Ruder-Anlage ist noch defekt. Ich glaube nicht, dass das Schiff nochmal selbst über das Meer segeln wird“, sagt Michels.
Nun soll es für die Wibo auf einem Tieflader mit der Fähre nach Norden gehen. Der genaue Termin für den Transport ist wetterabhängig: „Aktuell ist es auf dem Gelände zu schlammig, aber sobald es möglich ist, soll die Wibo die Insel verlassen“, erklärt Michels.
Der Seemann wird dann zunächst ohne sein Schiff in seine Heimat nach Freiburg zurückkehren. Die „Wibo“ kann dann für die nächsten Monate im Automobil- und Spielzeugmuseum in Norden besichtigt werden.
Seemann bedankt sich
„Ich denke der Skipper ist erstmal erleichtert, dass der Trubel vorbei ist und hat sich auch dankbar für die Hilfe gezeigt“, sagt Michels.
Am 6. November ist der alleinreisender Skipper auf Norderney angekommen und wurde zur unfreiwilligen Attraktion. Obwohl der Mann die erste Zeit noch in seinem Boot am Strand gewohnt hat, haben Schaulustige das Schiff betreten, um Fotos zu machen. „Das hat ihn sehr gestresst und überfordert. Kein Wunder, dass er am Anfang auch keinen Kontakt wollte“, erklärt Michels. Später hat sich der Seemann dann doch an die Stadt gewandt und Hilfe erbeten.
Den Traum mit seiner Wibo wieder auf See zu fahren, habe der eigensinnige Seemann aber noch immer nicht ganz aufgeben, spricht Michels seine Vermutung aus.
