Norderney - Gelbliches Leitungswasser sprudelt aus den Norderneyer Hähnen – das kann doch nicht gesund sein, oder? „Ganz im Gegenteil, tatsächlich ist das Wasser hier auf der Insel von besonders hoher Qualität“, sagt Wassermeister Michael Liebermann von den Norderneyer Stadtwerken.
Gelöste organische Stoffe
Die Verfärbung entsteht aufgrund der Gewinnung aus der Süßwasserlinse unter der Insel, die immer wieder durch Regenwasser aufgefüllt wird: „Beim Durchsickern des Regens werden organische Stoffe aus den umliegenden Torf- und Tonschichten gelöst, das sorgt für die gelbliche Färbung“.
Im Vergleich: das Leitungswasser auf Norderney (links) und Mineralwasser aus dem Supermarkt.
Alexandra Meier
Im Vergleich: das Leitungswasser auf Norderney (links) und Mineralwasser aus dem Supermarkt.
Alexandra MeierDiese organischen Stoffe, auch Huminstoffe genannt, sind nicht gesundheitsschädlich, würden aber für einen leichten Eigengeschmack des Wassers sorgen, sagt Liebermann. Zudem sei das Wasser auch verhältnismäßig weich. Seinen speziellen Eigenschaften würden manche Inselbewohner auch den besonderen Geschmack des Ostfriesen-Tees auf der Insel zuschreiben: „Ob der Tee dadurch nun besser schmeckt, ist natürlich subjektiv, aber auf jeden Fall besonders.“
Über Geschmack lässt sich dabei vielleicht streiten, aber die Wasserqualität ist nachweislich sehr gut: „Da wir hier keine direkte Industrie und Landwirtschaft haben, ist das Wasser sogar besser als auf dem Festland, das ergeben die niedrigen Nitratwerte“, erklärt Liebermann weiter.
Vorteile gegenüber Festland
Die Insellage bietet noch einen weiteren Nutzen: „Nach langen Trockenphasen können unsere sandigen Dünenböden Regenwasser besser aufnehmen als zum Beispiel völlig ausgetrocknete Lehmböden, wo das Wasser dann in Flüsse und schließlich ins Meer abläuft“. Dadurch wird die Süßwasserlinse, die laut Angaben der Stadtwerke mit Schwankungen etwa 33 Millionen Kubikmeter Wasser im Gesamtvolumen umfasst, immer wieder aufgefüllt.
Hinsichtlich der Klimaveränderungen beteiligen sich die Stadtwerke zwar auch an Forschungsprojekten, „insgesamt sind wir hier auf der Insel gegenüber dem Festland im Vorteil“. Denn steigende Temperaturen würden auch zu mehr Verdunstungen führen, die wiederum zu stärkeren Niederschlägen führen würden. „Zwar wird es auch längere Trockenphasen geben, aber unsere Böden können die Niederschläge dann gut aufnehmen“, erklärt Liebermann.
