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Deichpflege auf Norderney Kaninchen werden für den Küstenschutz zur Gefahr – Experten sprechen von Daueraufgabe

Zwei Wildkaninchen sitzen in den Dünen auf Norderney. Im sandigen Untergrund der Dünenlandschaften graben die Tiere besonders gern.

Zwei Wildkaninchen sitzen in den Dünen auf Norderney. Im sandigen Untergrund der Dünenlandschaften graben die Tiere besonders gern.

Imago/ Frederik Broker

Norderney - Für die einen sind sie niedlich anzusehen, für die anderen sind sie eine Plage: Auf Norderney gibt es massenhaft Kaninchen. Laut Bernhard Onnen, Hegeringsleiter auf Norderney, könnten es zwischen 5000 und 8000 Wildkaninchen auf der Insel geben. Eine genaue Anzahl sei allerdings schwer zu schätzen: abhängig von den Paarungszeiten und Krankheitsausbrüchen würde die Population stark schwanken. Die Chance, den 20 bis 45 Zentimeter großen graubraunen Tieren auf der Insel zu begegnen, ist allerdings hoch. Dabei hinterlassen die Tiere Spuren, die Folgen für den Küstenschutz haben – aber auch zur Artenvielfalt beitragen.

Schäden an Grasnarbe

„Kaninchen graben gern in sandigem Untergrund und errichten dort ihre Baue. Dadurch schädigen sie dem Deichkörper“, erklärt ein Sprecher des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Das kann zum Problem werden: Denn Deiche schützen die Inselküste bei Sturmfluten und müssen daher intakt sein.

Besonders wichtig sei hier eine „stabile und geschlossene Grasnarbe mit guter Bewurzelung“, sagt der NLWKN-Sprecher weiter. Durch das Graben ihrer Kaninchenhöhlen und Tunnelsysteme beschädigen die Tiere allerdings die Pflanzendecke – und die Bauten werden zur Angriffsfläche bei einer Sturmflut.

Um die von den Kaninchen verursachten Schwachstellen im Deich zu sichten und auszubessern, sind deswegen regelmäßig Mitarbeiter vom NLWKN auf Norderney unterwegs. „Je tiefer und verzweigter der Bau fortgeschritten ist, desto aufwändiger ist hier die Beseitigung“, heißt es vom NLWKN.

Auch ein Kaninchenschutzzaun wurde in bestimmten Bereichen wie am Südstrandpolder, einem von einem Deich umringten Naturraum, errichtet. In Abstimmung mit Naturschutzverbänden wurden in die Zaunanlage fünf Schleusen eingebaut, damit andere Tiere wie Wasservögel und ihre Küken problemlos die Seiten wechseln können.

Trotz dieser Maßnahmen bleibe die Schadensbekämpfung durch die Wildkaninchen auf Norderney aber „weiterhin eine Daueraufgabe“, heißt es vom NLWKN.

Wichtig für die Insel

Zusätzlich wird der Kaninchen-Bestand auch durch Bejagung reguliert. Dabei betont Klaus Harms vom Hegering Norderney allerdings, dass nur so wenig wie möglich in die Natur eingegriffen werde: „Die Wildkaninchen sind mittlerweile Teil des natürlichen Kreislaufs, die Tiere dürfen auf keinen Fall ausgerottet werden.“

Seit etwa 1620 sollen die Kaninchen auf Norderney sein, ursprünglich wurden sie – dem Heimatverein zufolge – zur Jagd für den Landesherren dort ausgesetzt. Heute dienen sie aber zum Beispiel Greifvögeln als Beutetiere. Außerdem leisten die Tiere einen Beitrag zur Artenvielfalt auf der Insel: „Bestimmte Arten von Höhlenbrütern, wie Hohltauben und Steinschmätzer, haben sich auf der Insel angesiedelt und fühlen sich hier sehr wohl“, sagt Harms. Das liege daran, dass die Vögel die Kaninchenbaue nutzen, um dort ihre Eier abzulegen und zu bebrüten.

Mehr miteinander

„Es ist natürlich ärgerlich, wenn die Kaninchen an den falschen Stellen graben und fressen wie zum Beispiel auf dem Friedhof oder auf dem Golfplatz“, sagt Harms. Er verweist hierbei aber auch auf die Verantwortung der Eigentümer, ihre Grundstücke zu schützen. „Die Kaninchen gehören zur Insel, wir sollten deswegen auch mehr mit ihnen leben“, sagt Harms.

Alexandra Meier
Alexandra Meier Digitalteam Wesermarsch
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