Norden/Aurich - „Der Angeklagte räumt grundsätzlich die Taten ein. Es tut ihm sehr leid.“ Mit dieser Erklärung des Verteidigers begann vor dem Landgericht Aurich der Prozess gegen einen 29-jährigen Angeklagten, der im Februar in Norden ein Mädchen mehrfach vergewaltigt und körperlich misshandelt haben soll.

Der Angeklagte ersparte dem Kind damit die Aussage vor Gericht. Das Geständnis erfolgte aber mit Einschränkungen. Denn immer, wenn es um Details der Taten ging, setzte beim Angeklagten die Erinnerung aus, während er unverfängliche Dinge, die sich im ebenfalls im Bereich des Tatzeitraums abspielten, durchaus vor Augen hatte.

Mit Bemerkungen wie „Kann sein“ und „Wenn das Mädchen das sagt, wird es schon stimmen“, umschiffte der Angeklagte, der erst im Dezember vergangenen Jahres von Bremen nach Ostfriesland kam, die Klippen der Befragung durch Richter Bastian Witte.

Der obdachlose Angeklagte, der sich selbst als Alkoholiker bezeichnete, hatte das 13-jährige Mädchen am 22. Februar am Norder Bahnhof getroffen. Dann begab man sich zu einem ehemaligen Hotel an der Norder Straße. Dort soll der Angeklagte das Mädchen gezwungen haben, ein Wodka-Cola-Gemisch zu trinken. Weil sie sich zunächst weigerte, schlug er ihr ins Gesicht. „Dass ich sie zum Trinken gezwungen habe, stimmt nicht“, warf der Angeklagte ein. Den Schlag ins Gesicht gab er aber zu.

Dann soll der 29-Jährige sie brutal auf verschiedene erniedrigende Weisen auf der ehemaligen Kegelbahn vergewaltigt haben. „Ich weiß nur, dass ich die Taten gemacht habe – und zwei Mountainbikes aufgebrochen“, setzte er andere Prioritäten, als über die Sexualtaten zu reden.

Denn nach den ersten Übergriffen hatte man das Hotel verlassen und war wieder zum Bahnhof gegangen. Dort hatte der Angeklagte die Fahrräder geknackt. Dann fiel auf, dass die 13-Jährige ihren Rucksack in der Ruine zurückgelassen hatte. Sie ging deshalb noch einmal zurück. Der Angeklagte folgte ihr. Für das Kind begann der Albtraum der Vergewaltigung erneut. Als Richter Witte ihn darauf hinwies, dass am Tatort Blutspuren gefunden wurden, weil das Mädchen zuvor noch nie Geschlechtsverkehr hatte, meinte der Angeklagte nur lapidar: „Ach deswegen hatte ich Blut an meiner Kleidung.“ Schließlich hatte das Martyrium für das Kind ein Ende. „Warum haben Sie aufgehört?“, wollte der Vorsitzende wissen. „Ich hatte keinen Bock mehr“, lautete die Antwort.

Nach eigenen Angaben hatte der Angeklagte am Tattag vier Flaschen Wodka und Amphetamin konsumiert. Später ergänzte er, dass er auch Kokain und Heroin geraucht habe. „Ich konsumiere alles, was ich kriegen kann“, so seine Aussage.

Warum er das Kind so brutal vergewaltigt hat, konnte er nicht sagen. „Ich weiß nicht, was da in meinem Kopf abgegangen ist. Ich verachte sowas normalerweise“, gab der Angeklagte an. „Das bin ich nicht. Ich kann mir das nicht erklären.“ Erschütterung oder Betroffenheit über sein brutales Handeln strahlte er aber nicht aus.

Seine Gedanken kreisten offenbar mehr um sein eigenes Schicksal als das des Kindes, dessen Alter er kannte. „Er ist mit einer Unterbringung in der Psychiatrie einverstanden“, meinte sein Verteidiger. Aber die Voraussetzung lägen überhaupt laut vorläufigem psychiatrischem Gutachten überhaupt nicht vor. Es käme allenfalls eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt in Betracht.

Als sich gegen Ende des Verhandlungstages das Gericht noch mit Formalien beschäftigte, meldete sich der Angeklagte noch einmal zu Wort: „Eine Frage habe ich noch. Womit kann ich rechnen?“ Die Antwort war allgemeines Gelächter. Der Prozess wird fortgesetzt.