Norden - Was macht eine Reederei eigentlich, wenn keine Urlaubssaison ist? Wir haben uns mit Fred Meyer von Norden-Frisia auf eine Tasse Tee getroffen und dabei nicht nur über die Schiffe des Unternehmens gesprochen, sondern auch über Schlick und Stammgäste.
Reederei auch im Offshore-Bereich tätig
Was viele gar nicht wissen: Frisia ist auch im Offshore-Bereich aktiv und unterhält drei sogenannte Crew-Vessels, die zu den Windparks Alpha Ventus und Riffgat in die Nordsee fahren – noch. „Wie lange das noch ein Geschäftsbereich für uns ist, hängt von der EWE als Betreiber ab“, erklärt Meyer. Dabei war die Reederei 2009 einer der Pioniere im Bereich Offshore-Personalservice, erinnert der Unternehmenssprecher sich. „Zu Spitzenzeiten hatten wir fünf Schiffe im Einsatz, aber der Markt hat sich seitdem sehr verändert.“
Problem: Versandung der Fahrrinne
Veränderungen, mit denen die Reederei sich auseinandersetzen muss, gibt es jeden Tag auch direkt vor dem Norddeicher Hafen. Meyer: „Die Fahrrinne nach Norderney ist ein großes Thema für uns, weil sich immer wieder Sedimente ablagern – im Nationalpark Wattenmeer darf aber eigentlich nicht gebaggert werden.“ Aktuell gebe es zwar eine Sondervereinbarung, um den Schiffsweg nach Norderney und Juist freizuhalten, „über die wir sehr froh sind“, wie Meyer betont – aber eine Garantie sei das nicht. „Es gibt keine offiziellen Verpflichtungen, vor der Küste eine bestimmte Wassertiefe vorzuhalten.“ Für die Flotte von Norden-Frisia sei das zwar kein akutes Problem, aber eins, das die Reederei im Blick behalten muss – nicht zuletzt aufgrund der Kosten. „Fahrrinnen auszubaggern, beziehungsweise zu spülen, wird schnell eine sechsstellige Summe“, verrät der Unternehmenssprecher.
Ein Fährschiff der Reederei Norden-Frisia im Wattenmeer zwischen Norddeich und Norderney. Bild: dpa
Auch Corona hat Spuren im Watt hinterlassen
Hinzu kommt, dass das Watt in seiner Höhe langsam aber sicher wächst, so Meyer – eine mögliche Erleichterung des Fährverkehrs durch steigende Meeresspiegel werde allein deshalb negiert. Und: „Die Fließgeschwindigkeit in den vorhandenen Prielen und Rinnen nimmt ab, was wir natürlich merken.“ Ein nicht zu unterschätzender Faktor war hier im letzten Jahr auch die Pandemie, erklärt er weiter, denn durch den reduzierten Schiffsverkehr gab es auch weniger „natürliche“ tägliche Spülung der Fahrrinnen, die dadurch stärker versandeten. „Es hängt eben alles mit allem zusammen“, resümiert Meyer.
Lieber Wassertaxi statt Inselflieger
Das gilt auch für den Flugplatzbereich – hier verzeichnet Frisia seit geraumer Zeit eine sinkende Nachfrage und überlegt weiterhin, ob und wie lange der Betrieb der Inselflieger nach Juist noch rentabel ist. „Das hat mehrere Gründe, vor allem aber den Wassertaxibereich.“ Die Konkurrenz durch Töwerland Express ziehe eine Menge potenzielle Kunden ab, die Wassertaxis auch wegen der besseren Erreichbarkeit schätzen. „Der Flugplatz ist von Norddeich aus einfach nicht ideal erreichbar“, gibt Meyer zu. Immerhin wird der FLN-Standort künftig durch den Umzug eines Rettungshelikopters aus Emden bereichert.
Familien über Generationen als Stammgäste
Den Bereich Wassertaxis will Frisia bekannterweise künftig selbst auch stärker bedienen, um dem geänderten Verhalten der Inselgäste Rechnung zu tragen. Diese bestehen nämlich zu einem Großteil aus Stammgästen, wie Fred Meyer weiß, die man gern als Kunden behalten will: „Stammgäste machen mindestens 60 Prozent unserer Kunden aus, das wird quasi von Generation zu Generation vererbt.“ Wer in Kindestagen oft auf der Insel war, kommt demnach gern spätestens dann zurück, wenn eigene Kinder im Haus sind. „Und der Nordsee-Tourismus strahlt immer weiter gen Süden, weit über Nordrhein-Westfalen hinaus.“ Urlaub auf Norderney oder Juist ist demnach dieser Tage bis in die Schweiz hinein populär.
