Norden - Die städtische Wohnungslosenhilfe in Norden hat im Zeitraum vom 1. Oktober 2022 bis zum 30. September 2023 insgesamt 112 Menschen in Norden vor der Obdachlosigkeit bewahrt. Das berichtete Diplom-Pädagogin Kristina-Marie Fuß, die sich federführend um diesen Bereich kümmert. Zu den 112 Menschen gehören auch die Norder, denen aufgrund der Hausbrände im Warfenweg die Wohnungslosigkeit drohte. Zwei Menschen konnten außerdem laut Fuß aus den städtischen Obdachlosenwohnungen zurück auf den Wohnungsmarkt vermittelt werden. „Darauf bin ich besonders stolz“, berichtete sie. Die städtischen Unterkünfte sind zurzeit nicht komplett ausgelastet, sodass man für Betroffene immer noch Übergangslösungen anbieten kann.
Über 400 Beratungsgespräche hat die Diplom-Pädagogin binnen eines Jahres geführt, teilweise ging es dabei auch darum, die Personen an die zuständigen Stellen weiterzuvermitteln. Besonders viele Ressourcen habe aber die Betreuung und Weitervermittlung derjenigen gekostet, denen durch Brände in Wohnblöcken die Obdachlosigkeit drohte. Dabei handelte es sich vor allem um Großfamilien, für die man zunächst geeigneten Wohnraum finden musste. Der Großteil ist untergebracht, für die die Weiteren ist dauerhafter Wohnraum in Aussicht. Nach dem jüngsten Brand im Warfenweg 16 Ende August konnten ebenfalls bereits 30 Personen in neue Wohnungen begleitet werden.
Index-Mieten steigen weiter an
Bei vielen guten Nachrichten gibt es aber auch eine Entwicklung, die Kristina-Marie Fuß „Bauchschmerzen“ bereitet: die Index-Mietverträge, die in vielen großen Wohnblöcken in der Stadt durchaus gang und gäbe sind. „Viele Betroffene haben sich bei mir gemeldet, denn es ist tatsächlich aufgrund der Inflation nicht auf Mieterhöhungen verzichtet worden“, so Fuß. Bei den Index-Mietverträgen hängen die Mieten vom Verbraucherpreis-Index für Deutschland gab. „Wenn der Trend so weitergeht, dann wären die Mieten im nächsten Jahr um insgesamt 20 Prozent gestiegen – binnen drei Jahren. Das ist schon eine Hausnummer. Dazu kommen noch die Nebenkostenabrechnungen und die erhöhten Abschlagszahlungen“, erklärte die Diplom-Pädagogin. Diese hohen Mieten würden dann definitiv aus den angemessenen Grenzen des Landkreises für die Kosten der Unterkunft fallen. „Diese wurden dieses Jahr seitens des Kreises nicht erhöht, worauf ich wirklich schwer gehofft hatte. Ich hoffe, dass es nächstes Jahr so ist, ansonsten wird eine hohe Personenzahl bis Mitte nächsten Jahres aufgefordert werden, sich eine neue günstigere Wohnung zu suchen. Und die gibt es ja schlicht nicht“, betonte Fuß.
