Marienhafe - Sie ist vielen Theaterfreunden in Ostfriesland ein Begriff: Annegret Redinius, seit Jahrzehnten als Laiendarstellerin auf Bühnen rund um Marienhafe auftritt. Jetzt startet sie in Gestalt einer anderen „alten Bekannten“ in ihr Schauspieljahr 2023: als „Frauke Petersen oder Die heilige Johanna der Einbauküche“. Dabei beweist Annegret Redinius einmal mehr, dass in ihr mehr steckt als der Bauernschwank, denn in dieser Rolle wird sie wieder zwei Stunden allein auf der Bühne stehen, lachen und weinen – und dabei einen riesigen plattdeutschen Text wiedergeben, den sie sich in diesen Wochen einpaukt. So viel Mühe nimmt auf sich, wer die Bühne seit Kindheitstagen liebt.
„Theaterspielen mochte ich schon in der Schule“
Die Leidenschaft reicht bei der 70-Jährigen tatsächlich bis die Jugend zurück: „Theaterspielen mochte ich schon in der Schule.“ Am liebsten hätte sie die Passion sogar beruflich verfolgt, aber: „Da waren die Kinder klein, das ging nicht.“ Gelernt hat die gebürtige Auricherin stattdessen Einzelhandelskauffrau und begann mit der ernsthafteren Schauspielerei erst 1994 bei der Niederdeutschen Bühne in Aurich. Zusammen mit ihrem Mann Erich Redinius spielte sie dann über viele Jahre bei den Störtebeker-Spieltagen in Marienhafe vor bis zu 1000 Zuschauern pro Aufführung. Beide zusammen gründeten in Marienhafe die Theaterwerkstatt Rosenstraat 13 und kauften vor zwölf Jahren von der Gemeinde eine Holzhütte, die sie zu einem eigenen, kleinen Theater aufbauten – die Bühne auch für „Frauke Petersen“ und deren Geschichte von Frauen-Alltag und -Aufbruch.
„Auf der Bühne bin ich eine andere“
Der zweistündige Monolog stammt von Willy Russel, wurde von der Ohnesorg-Darstellerin Herma Koehn ins Plattdeutsche übertragen und ist ein Stück nach dem Herzen von Annegret Redinius. In der Tragikomödie kann sie ihre Schauspiellust richtig ausleben. „Auf der Bühne bin ich eine andere. Dann bin ich nicht mehr ich, ich bin Frauke Petersen.“ Die Frau, die erst der Wand in ihrer Einbauküche das Leid der missachteten Hausfrau klagt und dann beim Griechenland-Urlaub einem Stein, bis das Leben eine Wendung nimmt.
Termine für die Aufführungen sind: 18. und 25. März sowie 1. April jeweils um 20 Uhr, 19. und 26. März sowie 2. April jeweils 18 Uhr. Karten kann man telefonisch bestellen unter 04934-499975 oder per WhatsApp unter 0152-24412263
In zwei Stunden Solo-Auftritt unter der Regie von Erich Redinius entlädt sich in der Darstellerin, was sie in den Wochen zuvor auswendig gelernt hat: 40 Din A4-Seiten Rollentext, denen sie auf einer minimalistischer Bühne, aber mit viel Gestik und Mimik, Leben verleiht. Nichts davon ist improvisiert, erzählt die Darstellerin, die auch mit ihren 70 Jahren noch stundenweise in der Altenpflege arbeitet.
„Ich lerne den Text von A bis Z auswendig.“
Sie hangele sich auch nicht von Stichwort zu Stichwort: „Ich lerne den Text von A bis Z auswendig.“ Ihre Technik klingt nach viel Fleißarbeit, denn eine Seite liest sie so oft, bis sie den Text auswendig kann und nimmt sich am nächsten Tag die nächste Seite vor. Dabei fängt sie aber wieder mit der ersten Seite an. Über viele Stunden sammelt Annegret Redinius so den gesamten Text im Kopf. Vor dem Auftritt ist sie kaum ansprechbar, möchte ihre Ruhe: „Dann bin ich im Tunnel.“
„Sie kann wirklich auf Knopfdruck weinen“
Das Talent, sich Text einzuverleiben, hatte Annegret Redinius bereits in der Kindheit. Wenn sie für die Schule Gedichte lernen sollte, brauchte sie die Verse nur zwei- oder dreimal lesen und hatte sie intus. „Auswendiglernen war nie mein Problem.“ Und Emotionen darstellen auch nicht. „Sie kann wirklich auf Knopfdruck weinen“, erzählt Doris Körffer, die seit elf Jahren als Souffleuse hinter einem Wandschirm einspringt, wenn sich mal ein Hänger einschleicht. Das hat es schon gegeben, sagt sie, „aber nicht oft“. Wird Frauke Petersen traurig, dann rollen bei Annegret Redinius die Tränen.
Gut, dass der Text richtig sitzt. Aber das zunehmende Alter spürt die Darstellerin bei aller Lebhaftigkeit und Theater-Leidenschaft auch: „Das Lernen ging früher schon leichter.“
Termine für die Aufführungen sind: 18. und 25. März sowie 1. April jeweils um 20 Uhr, 19. und 26. März sowie 2. April jeweils 18 Uhr. Karten kann man telefonisch bestellen unter 04934-499975 oder per WhatsApp unter 0152-24412263
