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Gift-Unfall in Hage Missgeschick mit Zyankali hat für Apotheker teure Folgen

Im Mai 2022 löste ein zerbrochenes, mit Zyankali gefülltes Gefäß einen Großeinsatz an Spezialeinsatzkräften aus. Das Gift wäre theoretisch potent genug gewesen, um etliche Menschen zu töten.

Im Mai 2022 löste ein zerbrochenes, mit Zyankali gefülltes Gefäß einen Großeinsatz an Spezialeinsatzkräften aus. Das Gift wäre theoretisch potent genug gewesen, um etliche Menschen zu töten.

Archiv/Aike Sebastian Ruhr

Hage - Rund 27.000 Euro hat den ehemaligen Hager Apotheker Tilemann Schäffer ein Missgeschick gekostet: Am 16. Mai 2022 öffnete er den alten Giftschrank der ehemaligen Apotheke – und ein Glas mit dem hochgiftigen Wirkstoff Zyankali (für Menschen beträgt die letale Dosis 0,2 Gramm) fiel zu Boden und zerbrach. Schäffer kontaktierte sofort die Feuerwehr, die mit großem Aufgebot vor Ort waren: 40 Einsatzkräfte, rund 10 Stunden lang. Verletzt wurde glücklicherweise niemand, doch für Schäffer hat der Vorfall ein teures Nachspiel: Er musste nämlich bereits knapp 27.000 Euro für den Einsatz zahlen, die Gemeinde Hage hatte das Geld eingefordert – und bei Nichtzahlung mit der Zwangsvollstreckung gedroht.

40 Kräfte über zehn Stunden im Einsatz

Die hohe Summe begründet sich vor allem aus der hohen Anzahl an anwesenden Feuerwehrleuten und den Einsatzmitteln. Es waren knapp 40 Kräfte, darunter Spezialeinsatzkräfte, über zehn Stunden vor Ort, zudem auch sieben Einsatzfahrzeuge. Da den Arbeitgebern der Einsatzkräfte durch den Einsatz finanzielle Einbußen entstanden sind, gilt es, diese wieder auszugleichen. Das ist ein übliches Prozedere und regulär greift die Gemeinde ein – doch im vorliegenden Fall hat sich die Gemeinde das Geld zurückgeholt. Denn die Gemeinde ist davon überzeugt, dass Schäffer für den Vorfall auch die Konsequenzen zu tragen hat. Im Gespräch sagte Bürgermeister Erwin Sell: „Wäre es meine Apotheke gewesen, wäre dieser Giftstoff nicht mehr da gewesen, schon gar nicht mehrere Jahre nach Schließung. Oder es wäre in einem Schrank gewesen, in dem so ein Vorfall ausgeschlossen gewesen wäre.“

Nachfolge ungeklärt – Giftschrank blieb vor Ort

Schäffer sieht das allerdings anders: „Wieso hätte ich den Giftschrank denn schon ausräumen sollen, wenn ein anderer Apotheker die Apotheke womöglich weitergeführt hätte?“, fragt er. Außerdem sieht er den Unfall nicht als sein Verschulden an: „Das wäre auch dem König von China passiert. Das Glas ist sofort herausgefallen, als ich den Schrank öffnete. Da hätte niemand reagieren können – zumal das auch alles andere als clever gewesen wäre, denn Zyankali ist hautgängig. Ich hätte mich dann sogar vergiften können, wäre davon etwas auf meiner Hand gelandet“, so Schäffer.

Versicherung zahlt nicht

Rückhalt von der Versicherung bekommt er indes auch nicht, da keine sich zuständig fühlt – und da der Betrieb auch schon zweieinhalb Jahre lang nicht mehr aktiv geführt wurde, sei eben eine entsprechende Versicherung auch gar nicht mehr aktiv gewesen. Schäffer will die Entscheidung der Gemeinde aber nicht akzeptieren und hat sich anwaltliche Hilfe aus Oldenburg geholt. Nun zieht er vor das Verwaltungsgericht, wo über den Vorfall entschieden werden soll. Der ehemalige Apotheker hofft, dass er Recht bekommt und die Gemeinde das Geld zurückzahlen muss. Ob das klappt, ist fraglich und wird sich Ende April zeigen.

Aike Sebastian Ruhr
Aike Sebastian Ruhr Ostfriesland-Redaktion/Norden
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