FRIEDRICH-AUGUST-HüTTE - Jost Richter redet Klartext: „Die Jugendhilfe ist akut gefährdet.“ Weil die Einrichtung, in der jugendliche Straftäter betreut werden, finanziell aus dem letzten Loch pfeift, schlägt der Rechtsanwalt und Trägervereinsvorsitzende die Alarmglocke. Schuld an der Misere sind vor allem die gekürzten Zuschüsse des Landes Niedersachsen. Aber auch die Hartz-IV-Gesetze haben dazu beigetragen, dass die in Nordenham und Brake ansässige Jugendhilfe unter Geldnot leidet.

Jost Richter legt Zahlen vor, die keine Zweifel am Ernst der Lage aufkommen lassen. 1998 hatten sich die Zuwendungen des Landes Niedersachsen auf 55 000 Euro belaufen, 2007 waren es nur noch 36 000 Euro. Diese Lücke bei den Personalkostenzuschüssen stellt den Verein vor ein großes Problem. „Wo sollen wir noch sparen“, fragt der hilflose Vereinsvorsitzende und weiß, dass es keine Antwort gibt.

Einen regelrechten Einbruch vermeldet der Verein auch bei den Einnahmen des Möbeldienstes. 2004 hatte die Jugendhilfe noch rund 24 000 Euro mit dem Verkauf aufbereiteter Gebrauchtmöbel verdient. Im vergangenen Jahr verringerte sich dieser Einnahmeposten auf bescheidene 1500 Euro. Jost Richter führt diese Entwicklung auf die neuen Sozialhilfesetze zurück. Weil Bedürftige von den Behörden keine gesonderten Berechtigungsscheine für Möbel mehr ausgestellt bekommen und stattdessen ihre Anschaffungen vom Gesamtetat abknapsen müssen, ist die Kundenzahl rapide nach unten gegangen.

Zu allem Übel kommt noch hinzu, dass die Jugendhilfe immer weniger Spenden und Bußgelder erhält. Der Vereinsvorstand bittet Staatsanwälte und Richter händerrigend darum, bei der Verhängung von Bußgeldern die Jugendhilfe als Empfänger anzugeben. Aber der Erfolg dieses Aufrufs hält sich in Grenzen. Jost Richter ärgert sich mächtig darüber, dass viele Staatsanwälte die Bußgelder auswärtigen Organisationen zukommen lassen, anstatt die sozialen Einrichtungen vor Ort zu unterstützen.

Lobend erwähnt Jost Richter allerdings den Landkreis Wesermarsch, der seit vielen Jahren ohne Einschränkungen seine Zuschüsse zahlt. Mit den Zuwendungen des Landes und des Landkreises werden die Personalkosten beglichen. In Nordenham leitet Christian Arnold die Jugendhilfe-Einrichtung, in Brake ist dafür sein Kollege Helmut Fischer zuständig. Früher waren noch weitere feste Mitarbeiter für die Jugendhilfe tätig, aber aufgrund der knappen Kassen musste der Stellenplan zusammengestrichen werden.

Das drohende Aus der Jugendhilfe ist laut Jost Richter nur zu vermeiden, wenn es mehr Zuschüsse und Bußgelder gibt. Denn die Rücklagen sind mittlerweile soweit aufgezehrt, dass der Verein „sehenden Auges in ein Minus läuft“.

Vor einer Auflösung der Jugendhilfe warnt Amtsgerichtsdirektorin Dr. Claudia Nolte-Schwarting nachdrücklich. Die Einrichtung sei unverzichtbar, um „zügig und unkompliziert auf jugendliche Verfehlungen reagieren zu können“ (siehe Info-Kasten links).