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NWZonline.de Region Wesermarsch Gemeinden Nordenham

Hakenkreuz-Frevel am helllichten Tag

27.10.2012

Nordenham Keiner hat etwas gesehen. Es geschah am helllichten Tag, mitten in der Stadt. Aber niemand nahm Notiz davon, als die Täter das Hakenkreuz in den Lack ritzten. Sie hatten sogar die Zeit, ein weiteres Zeichen, das wie ein unförmiger Vogel oder Blitz aussieht, in die Kofferraumklappe zu kratzen. Daneben zogen sie einen 50 Zentimeter langen Ratscher über das Autoheck.

Carina Böse und ihr Freund Flemming Hardt brachten ihren verunstalteten Opel Astra umgehend in die Lackierwerkstatt. Aber vorher zeigten die jungen Leute die Sache bei der Polizei an, die bei derartigen Vorfällen aus der rechten Szene höchst sensibel ist. Das hat in Nordenham einen besonderen Grund: In der Unterweserstadt gibt es seit einigen Monaten eine auffällige Häufung an Straftaten, die dem Neonazi-Milieu zuzuordnen sind.

Zeugen gesucht

Carina Böse und Flemming Hardt sind am vergangenen Dienstag mit ihrem Auto nach Nordenham gefahren. Um 14.30 Uhr stellten sie den Wagen in der Peterstraße ab. Als sie zwei Stunden später zurückkehrten, entdeckten sie die dicken Kratzer und das Hakenkreuz. Die beiden 23-Jährigen fragten gegenüber in dem Imbiss und in einer Kneipe nach, ob jemand etwas beobachtet hat. Kopfschütteln.

So wie es aussieht, bleibt das Paar auf dem Schaden sitzen. Für den acht Jahren alten Astra haben sie keinen Vollkaskoschutz abgeschlossen. Die Lackierung, die einige hundert Euro kostet, müssen sie aus eigener Tasche bezahlen. „Das ist für uns eine Menge Geld“, sagt Carina Böse. Sie arbeitet als Kinderkrankenschwester; ihr Freund befindet sich noch in der Ausbildung.

Carina Böse ärgert sich nicht nur über den Schaden, sondern auch mindestens genauso sehr darüber, dass „so etwas überhaupt passieren kann“. Noch hat sie die Hoffnung nicht aufgegeben, dass sich doch noch Zeugen finden, die sich bei der Polizei melden.

Die Ordnungshüter nehmen solche Vorkommnisse mit rechtsextremen Motiven nicht auf die leichte Schulter. „Da schauen wir sehr genau hin“, sagt Anke Rieken, „wir müssen den Anfängen wehren.“ Nach Angaben der Sprecherin der Polizeiinspektion Cuxhaven/Wesermarsch sind derartige Taten nicht nur Sachbeschädigungen, sondern auch sogenannte Propagandadelikte.

Sobald extremistische Parolen und Symbole im Spiel sind, schaltet sich auch der Staatsschutz in die Ermittlungen ein. „Die Einschreitschwelle ist da äußerst gering“, betont Anke Rieken.

Laut Polizeistatistik wurden im Jahr 2010 in Nordenham 24 Straftaten mit „rechtsmotiviertem Hintergrund“ gemeldet. Anke Rieken kann die genauen Zahlen für 2011 nicht nennen, weiß aber, das sie deutlich gestiegen sind. Das vermehrte Aufkommen an Propagandadelikten ist in erster Linie einer Gruppe von Heranwachsenden zuzuschreiben, die seit 2011 in Nordenham ihr Neonazi-Gehabe ausleben. Vor allem mit Wandschmierereien, dem Grölen rechtsradikaler Parolen und dem Verbreiten von NPD-Aufklebern sind sie aufgefallen. Auch das Zerkratzen von Autos passt zu ihrem Profil.

Nicht aus Nordenham

Die acht Jung-Nazis stammen nicht aus Nordenham, sondern aus Brake, Oldenburg und Umgebung. Dass sie sich in Nordenham so wohl fühlen, liegt nach Einschätzung der Polizei vor allem daran, dass ihnen hier ein Treffpunkt zur Verfügung gestanden hat.

„Wir haben die Gruppe unter strenger Beobachtung“, sagt Anke Rieken. Die Mitglieder sind mittlerweile alle der Polizei bekannt. Sie gehören nach Informationen der NWZ  auch zum Umfeld der rechtsextremen Randalierer, die im März das Elternhaus eines mutmaßlichen Sexualstraftäters in Nordenham stürmen wollten.

Norbert Hartfil Redaktionsleitung Nordenham / Redaktion Nordenham
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