Nordenham - Dass Bordsteinkanten und Treppen auch mit dem Rollator keine unüberwindbaren Hürden sein müssen, wollen Helga Drees und Christel Barre den Menschen näher bringen. Die beiden Frauen gehören dem Kneipp-Verein an und planen, eine Rollator-Gruppe zu gründen. „Wir wollen die Menschen ermutigen, dass der Rollator ein wichtiges Hilfsmittel ist“, sagt Christel Barre, also Nichts, für das man sich schämen müsse. Sie habe oft erlebt, dass die Besitzer ihren Rollator im Keller stehen lassen, weil es ihnen peinlich ist, damit unterwegs zu sein.

Auch Birgit Eden vom Senioren- und Pflegestützpunkt des Landkreises Wesermarsch kennt dieses Problem. Oft schieben Betroffene lieber mit dem Fahrrad durch die Stadt, um sich daran abzustützen, anstelle des Rollators. „Denn mit dem Fahrrad sieht man jung und fit aus“, erzählt sie. Doch nur allzu oft sind auch jüngere Menschen auf die Gehhilfe mit Rädern angewiesen, zum Beispiel nach einer Hüftoperation.

Der Rollator kann ein Stück Lebensqualität zurück geben und die Selbstständigkeit erhalten, wenn die Bewegung eingeschränkt ist. Denn gerade dann ist es wichtig, in Bewegung zu bleiben. Wenn sie nicht gefordert werden, bauen die Muskeln ab. „Je länger der Zeitraum ist, desto weniger beweglich wird man. Und je mehr Einschränkungen man erst mal hat, desto schwerer wird es“, sagt Helga Drees, die selbst einen Rollator nutzt.

Ihr ist es deshalb ein besonderes Anliegen, Betroffenen die Scham, aber vor allem die Angst vor dem Rollator zu nehmen. Denn oft reiche ein schlechtes Erlebnis aus, und der Rollator landet ungenutzt im besagten Keller.

Mit seiner kleinen Sitzfläche ist der Rollator aber ein praktisches Mittel, um trotzdem längere Strecken zu bewältigen, auch wenn man nicht mehr so fit ist, sind sich die Frauen einig. Man muss nur wissen, wie man die Gehhilfe richtig einsetzt.

„Die Rollatoren sind oft nicht richtig eingestellt“, sagt Anke von Soosten, die Rollator-Gruppen in Elsfleth und Brake leitet. „Sie schieben keinen Einkaufswagen und auch keinen Kinderwagen“, betont sie.

Der Rollator soll so eingestellt sein, dass sich der Nutzer darauf abstützen kann, sonst kann es zu Rückenschmerzen kommen. Deshalb können sich die Teilnehmer der Rollator-Gruppe ihren Rollator bei den Treffen auf die für sie richtige Höhe einstellen lassen.

Auch, dass Rollatoren mit sogenannten Bordsteinhilfen, einem kleinen Pedal, das den Rollator vorne hochhebt, ausgestattet werden können, wissen nur Wenige, erzählt Anke von Soosten. So kann man die Gehhilfe den Bordstein oder die Treppe hoch- oder runterrollen, statt den Rollator über das Hindernis zu tragen. Doch all das müsse man auch trainieren, wissen die Expertinnen. Genau das soll die Rollatorgruppe ermöglichen. „Hier können die Teilnehmer mit dem Rollator üben, ohne die Öffentlichkeit“, sagt Helga Drees. Wer Fragen hat, soll dort Antworten und Hilfe bekommen.

Natürlich gibt es auch in Nordenham noch viel zu viele Stellen, die Rollator-Nutzern Schwierigkeiten bereiten und schließlich doch zur Hürde werden. Aber damit sollen sich die Rollator-Nutzer nicht einfach abfinden. Die Gruppe soll die Möglichkeit zum Austausch bieten, Tricks und Kniffe verraten, trotz Hindernis sicher und angstfrei zum Ziel zu gelangen. „Ich suche mir Wege aus, wo ich gut durchkomme, und nehme auch Umwege in Kauf“, sagt Helga Drees. Und nicht zuletzt könne durch die Gruppe auch auf Stellen aufmerksam gemacht werden, die Probleme bereiten.

Die Idee, die Rollator-Gruppe im Kneipp-Verein zu gründen, entstand nach dem Aktionstag der Aktion Mensch in der Nordenhamer Fußgängerzone im Mai. Dort trafen sich Birgit Eden, Anke von Soosten und Helga Drees.

Merle Ullrich
Merle Ullrich Redaktion Brake