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NWZonline.de Region Wesermarsch Gemeinden Nordenham

Geburtstag: „Ich bin immer Mensch geblieben“

19.07.2012

BLEXEN Zum 75. und zum 80. Geburtstag hat er noch Empfänge gegeben. Heute, zum 85., lässt es Günter Ede ruhiger angehen. Der ehemalige Bürgermeister feiert den Ehrentag mit seiner Familie.

Auch mit 85 ist Günter Ede noch in der Öffentlichkeit präsent: Für den Kirchbauverein Blexen kann er als Vorsitzender viele Türen öffnen. Und obwohl die Beine nicht mehr so wollen wie früher, macht er weiter seine Spaziergänge und weist den Vorstand des Bürgervereins Blexen auf den einen oder anderen Missstand hin. Günter Ede ist immer noch ein einflussreicher Mann.

Das war nicht zu erwarten gewesen, als er am 19. Juli 1927 als Sohn des Dachdeckermeisters August Ede und dessen Frau Sophie in einer Mietwohnung an der Langen Straße 29 zur Welt kam. Er war das zweite von sieben Kindern. Seine Mutter starb 1941 mit 38 Jahren an Krebs, sein älterer Bruder Reinhold fiel im Krieg.

Früh in Verantwortung

Günter Ede hatte seine Verwaltungslehre bei der Stadt Nordenham noch nicht ganz beendet, als er sich 1944 „freiwillig“ zum Kriegsdienst melden musste. 1945 kehrte er aus der Gefangenschaft zurück, zwei Monate später starb sein Vater mit 49 im Nordenhamer Bahnhof an einem Herzinfarkt. Der 18-Jährige war plötzlich Familienoberhaupt. Zusammen mit der Haushälterin, die nach dem Tod der Mutter gekommen war, versorgte er seine fünf Geschwister Margot, Elfriede, Adolf, Gertrud und Ernst-August.

Günter Ede fand Arbeit im amerikanischen Depot. Als es schloss, wechselte er 1949 nach Bremerhaven, wo er zehn Jahre lang Gräben für Kabel aushob. Im selben Jahr heiratete er seine Frau Lisa, sein Sohn Günther wurde geboren. Bald folgten Ulrich und Marita. Gertrud und Ernst-August gehörten weiter mit zur Familie. 1951 wurde der damalige GNSG-Geschäftsführer Heinrich Müller vorübergehend Vormund von Edes Geschwistern. 1956 folgte er ihm in die SPD.

Schon 1952 hatte Günter Ede für seine Familie ein Siedlungshaus In der Hellen gekauft, deshalb trat er der Siedlergemeinschaft Blexen bei. 1960 übernahm er deren Vorsitz, den er bis 1982 beibehielt. 1961 zog er in den Stadtrat ein, 1968 in den Kreistag. Am 12. Dezember 1980 wählte der Rat Günter Ede als Nachfolger von Margitta Terborg zum Bürgermeister.

Es folgten zehn prägende Jahre für die Stadt mit der Erneuerung der Innenstadt, dem Bau der Fußgängerzone und der Tiefgaragen, der Einrichtung der Jahnhalle und dem Beginn des Seenparks. Oft machte sich Günter Ede für Sozialschwache stark.

1981 verlor die SPD die absolute Mehrheit. Günter Ede wurde dennoch wiedergewählt, nicht aber seine Stellvertreter. Jetzt führte er die Stadt zusammen mit Egon Mehrings (CDU) und Fritz Jacob (FDP) – das wohl beliebteste Bürgermeister-Trio aller Zeiten. Auch Günter Ede selbst sieht diese 5 Jahre als seine beste Zeit an. Zum 75-jährigen Stadtjubiläum 1983 traten die drei Bürgermeister in dem Stück „Hochtied in de Pickbalje“ auf – die Geburtsstunde der Niederdeutschen Bühne de Plattdüütschen.

Besser als die FDP

Bei der Stadtratswahl 1986 erhielt Ede 6500 Stimmen – mehr als die ganze FDP. Die 1200-Jahr-Feier seines Heimatdorfes 1989 war ein weiterer Höhepunkt für ihn. Im April 1990 reichte er den Stab an Ulrich Münzberg weiter.

1991 starb seine Frau, bald zog Günter Ede in die Einliegerwohnung im neuen Haus seines Sohnes Günther an der Dorumer Straße. Dort wohnt er heute noch und blickt zufrieden auf sein Leben zurück. Dabei ist ihm eines besonders wichtig: „Ich bin immer Mensch geblieben.“

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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