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Auswanderer „Ich hab‘ verdammtes Glück gehabt“

Nordenham - „Es ist so schön, wieder nach Hause zu kommen“, sagt Edith Romej. Die 79-Jährige kehrt alle paar Jahre in ihre Heimatstadt Nordenham zurück, die sie vor 64 Jahren als Auswanderin verlassen hat. Zusammen mit ihrem Mann Bruno hat sie in den Vereinigten Staaten ihr Glück gemacht, jetzt genießen beide ihr Rentnerdasein in Florida.

Wie bei fast allen Nordenham-Besuchen ist Hannelore Wittje ihre Gastgeberin. Dieter Wittje, der verstorbene Mann der 71-jährigen Atenserin, war der Vetter von Edith Romej. Auch Bruno Romej fühlt sich hier wohl: „Das ist unser zweites Zuhause.“

Edith Romej ist als Tochter von Willly Harms an der Hansingstraße 10 aufgewachsen; ihr Vater betrieb an der Wilhelm-Böning-Straße eine Druckerei. Als Edith fünf Jahre alt war, starb ihre Mutter. Sie wuchs bei ihren Omas auf, besuchte die Südschule und die Volksschule Abbehausen.

Einladung vom Onkel

Georg Hemme, der Bruder ihrer Mutter, war schon Mitte der 30er Jahre mit 18 nach Amerika ausgewandert und arbeitete als Prediger in Chicago. Bei einem Heimatbesuch 1951 fragte er Edith und ihren Bruder Wilhelm, ob sie nicht zu ihm und seiner Frau nach Chicago kommen wollten. „Alle wollten damals nach Amerika“, erinnert sich Edith Romej.

Doch nicht nur deshalb sagte sie ja: Ihr Vater hatte seit einigen Jahren eine Verlobte, die die beiden Kinder nicht leiden mochte.

Bald bestieg Edith in Bremerhaven ein Schiff, das sie nach New York brachte. In Chicago fand sie in ihrem Onkel und ihrer Tante ein Ersatz-Elternpaar. Doch das Glück währte nicht lang: Acht Monate nach ihrer Ankunft starb die Tante. Zu dieser Zeit besuchte Edith morgens eine Schule, um Englisch zu lernen, nachmittags arbeitete sie in einem Bekleidungsgeschäft. Ihr Bruder Wilhelm hatte bei der Zeitung Chicago Tribune einen Job als Korrektor gefunden.

Auch Edith arbeitete im Pressewesen: Sie war in der Qualitätskontrolle des berühmten Time-Magazins tätig. Bevor sie dort anheuerte, lernte sie Bruno kennen.

Der war 1935 in Millau südlich der Grenze zwischen Polen und Ostpreußen geboren worden, wo sein Vater eine Wassermühle betrieb. Die Geschwister des Vaters waren schon nach Chicago ausgewandert, aber die Wassermühle ließ sich nicht so leicht verkaufen, und deshalb kam die Familie Romej vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs nicht mehr über den großen Teich.

Stattdessen musste Brunos Vater – genau wie der von Edith – Soldat werden. Die Familie floh vor der Roten Armee und wurde fünfmal ausgebombt, ehe sie 1949 im Obergeschoss der Wäscherei Paulsen in Halstenbek bei Pinneberg zur Ruhe kam.

Obwohl Brunos Vater schon 48 Jahre alt war, entschloss er sich zum Auswandern – der Kinder wegen. „Dafür bin ich ihm dankbar“, sagt Bruno heute. Während der Vater bis zur Rente eine schwere Arbeit in einem Stahlwerk verrichtete, hatte Bruno ein gutes Leben: „Ich hab‘ verdammtes Glück gehabt.“

Dabei sah es zunächst so gar nicht danach aus: Kaum war er Amerikaner geworden, wurde er zur Armee eingezogen, die gerade den Korea-Krieg ausfocht. Doch der war bald zu Ende, und weil Bruno kaum Englisch sprach, schickten ihn die Amis zurück nach Deutschland: Er diente in Frankfurt. Im Juli 1955 wurde er aus der Armee entlassen, wenige Tage später lernte er über einen gemeinsamen Freund Edith kennen.

Heiße Herzen im Frost

Silvester 1955/56 besuchten beide den deutschen Tanzabend in Chicago. Es war klirrend kalt, der Schnee lag hoch, und die Busse fuhren nicht. Aber Bruno besaß ein Auto. Es dauerte eine Zeit, bis die schüchterne Edith sich vom draufgängerischen Bruno nach Hause fahren ließ. Am 21. Juli 1956 feierten sie Hochzeit, 1960 wurde ihr Sohn Mark geboren.

Da arbeitete Bruno schon bei den städtischen Verkehrsbetrieben in Chicago. Zunächst war er Busfahrer gewesen. Dank seiner gewinnenden Art – „Ich behandle jeden so, als wäre er ein Freund fürs Leben“ – war er beliebt. Er stieg auf und war zuletzt im Kontrollzentrum für die U- und Hochbahnen tätig. 1990 ging er mit 55 Jahren in Rente.

Im selben Jahr zog das Ehepaar zu Freunden an den Beaver Lake im Bundesstaat Arkansas, wo es wärmer ist und die Lebenshaltungskosten deutlich niedriger liegen als in und um Chicago. Edith war das nicht südlich genug, und deshalb ging es 2004 weiter nach Florida. Dort haben sie in der Kleinstadt Rotonda West im südwestlichen Zipfel des Sonnenschein-Staates ein Haus gekauft.

Nordenham wird dort bald wieder sehr gegenwärtig sein, denn ihre Gastgeberin Hannelore Wittje besucht sie nach ihrer Rückkehr für ein paar Wochen.

Henning Bielefeld
Henning Bielefeld Redaktion Nordenham (Stv. Leitung), Redaktion Stadland
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