Nordenham - Als Michel Claußen am Montag gegen 14 Uhr mit seinem Freund Timo Schindler zum Weserstrand geht, will er eigentlich nur ein bisschen in der Sonne liegen. Doch kaum angekommen, sehen die beiden einen jungen Seehund im Sand liegen. Das Tier ist offensichtlich schwach und erschöpft. Es flüchtet nicht, als sich die beiden junge Männer nähern – im Gegenteil: „Ich habe mich in die Nähe gelegt. Der Seehund ist immer näher zu mit gerobbt“, erzählt Michel Claußen. Der 22-Jährige wickelt ein nasses Handtuch um den jungen Seehund. Damit schützt er ihn vor der heißen Sonne und bewahrt ihn davor, in Panik wieder in die Weser zu flüchten.

Eigentlich sollten Menschen den Kontakt mit Seehunden meiden, empfiehlt eine Broschüre der Seehundstation Nationalpark-Haus in Norddeich. Sie haben spitze Zähne und wehren sich gegen Menschen. Doch der junge Seehund beißt nicht.

In der Zwischenzeit informiert Michel Claußen den Tiersuchdienst Wesermarsch. Von dort aus geht die Nachricht an die Seehundstation weiter. Deren ehrenamtlicher Helfer Bodo von Lienen in Varel macht sich sofort auf den Weg, um den jungen Seehund in die Aufzuchtstation nach Norddeich zu bringen.

„Es ärgert mich, dass andere Badegäste dem Tier nicht geholfen haben“, sagt Michel Claußen, während er auf Hilfe wartet. „Sie haben den Seehund doch gesehen und haben nichts unternommen.“

Auch Heidi Huth-Hinrichs vom Tiersuchdienst Wesermarsch ist zum Strand geeilt. Sie besorgt einen Fahrradanhänger. Dort legt Michel Claußen den jungen Seehund hinein, damit das Tier nicht ausbüxt.

Eine halbe Stunde später trifft Bodo von Lienen ein. Er legt das Tier in eine Transportbox. Rund zehn Kilogramm, so schätzt er, wiegt der Seehund – eindeutig zu wenig. Doch dem Tier scheint auf den ersten Blick nichts zu fehlen. „Den päppeln wir schnell wieder auf“, zeigte sich Bodo von Lienen zuversichtlich. 25 Kilo muss der Seehund schwer werden, dann kann er wieder in die Freiheit entlassen werden.

„Wir sind darauf angewiesen, dass sich Leute wie Michel Claußen um Tiere kümmern“, lobt Bodo von Lienen. Dass die Seehunde die Nähe des Menschen suchen, wenn sie erschöpft sind, ist für ihn nichts Neues.

Menschen, die ein erschöpftes Tier finden, können die Seehundstation unter t  04931/8919 erreichen, sagt Bodo von Lienen. Dann kümmern sich professionelle Helfer um das Tier, bis es wieder in Freiheit leben kann.