NORDENHAM - Alkoholabhängigen fällt es oft schwer, sich und anderen gegenüber einzugestehen, dass sie süchtig sind. Der Gang zur Selbsthilfegruppe ist für viele ein wichtiger Schritt.
Von Manon Garms
„Ich habe Glück gehabt, dass ich für mich einen Weg aus der Sucht gefunden habe“, sagt Wolfgang Zapp, einer der Mitbegründer der „Freien Selbsthilfegruppe Einswarden“. Er war selbst jahrelang alkoholabhängig und lernte die Arbeit in einer Selbsthilfegruppe während seiner Therapie kennen. „Ich habe 1980 eine Therapie begonnen und war sowohl innerhalb als auch außerhalb der Klinik in jeweils einer Gruppe“, erzählt der 62-Jährige.
Fünf Jahre später gründete Wolfgang Zapp gemeinsam mit drei Mitstreitern die „Freie Selbsthilfegruppe Einswarden“. Seit dem 3. September 1985 treffen sich die Mitglieder einmal pro Woche. Die Gruppenleitung wechselt im wöchentlichen Rhythmus. „Es ist wichtig, dass jeder einmal diese Aufgabe übernimmt, denn das fördert das Verantwortungsbewusstsein und das Selbstwertgefühl“, erklärt Wolfgang Zapp.
Eine weitere Notwendigkeit besteht darin, die Familien einschließlich der Kinder in die Gruppenarbeit einzubeziehen. Dabei sammelte Wolfgang Zapp schon viele positive Erfahrungen. „Wir haben heute noch Kontakte zu einigen Kindern von Abhängigen, die vor Jahren mit in die Gruppe gekommen sind“, freut sich der 62-Jährige. Leider ist es jedoch häufig so, dass suchtmittelabhängige Männer eher die Unterstützung der Frauen finden als es umgekehrt der Fall ist.
Um die Arbeit mit den Angehörigen zu gestalten, organisiert die Gruppe gemeinsam mit dem „Nordenhamer Förderkreis Freizeit ohne Suchtmittel“ Aktivitäten für die ganze Familie. Dazu gehören unter anderem jährliche Familienseminare, Tagesausflüge und ein alkoholfreier Ball. „Es nehmen immer zwischen 120 und 140 Personen an unserem Ball teil und sie haben kein Problem damit, dass es dort keinen Alkohol gibt“, sagt Wolfgang Zapp.
Seine Selbsthilfegruppe stellt sich auch in Schulen vor. „Man muss spätestens in den fünften Klassen anfangen und auch die Eltern einbeziehen“, weiß Wolfgang Zapp. Er glaubt nicht, dass es sinnvoll ist, bei Kindern und Jugendlichen mit dem erhobenen Zeigefinger zu arbeiten. „Die Vernunftschiene funktioniert bei jungen Menschen nicht so gut, denn sie dürfen sich nicht bevormundet fühlen“, erklärt er. Besser sei es, Anreize, zum Beispiel in Form von Belohnungen, zu schaffen. Die Gruppe beteiligt sich auch an den Nordenhamer Präventionstagen, indem sie ein Mitglied zur Podiumsdiskussion und zum Stand der Fachstelle Sucht der Diakonie schickt.
Jeder, der sich seine Alkoholabhängigkeit eingesteht und zum ersten Mal eine Selbsthilfegruppe besucht, empfindet ein gewisses Schamgefühl. Viele suchen sich deshalb eine Gruppe, die nicht in ihrem Wohnort liegt. Wichtig ist jedoch nicht der Ort, sondern die Erwartung, mit der ein Süchtiger zu einem Treffen kommt. „Wenn sich jemand hinsetzt und sagt, dass wir ihm das Trinken abgewöhnen sollen, funktioniert es natürlich nicht, denn am wichtigsten ist die eigene Mitarbeit“, erklärt Wolfgang Zapp. Der ausschlaggebende Anreiz, sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen, kommt meist aus dem beruflichen Umfeld, wenn etwa der Verlust des Arbeitsplatzes aufgrund der Abhängigkeit droht. Gelegentlich veranlassen aber auch die Ehepartner die Süchtigen dazu, sich ihrer Krankheit zu stellen und Hilfe anzunehmen.
Wer weitere Informationen zur Arbeit der Einswarder Selbsthilfegruppe sucht, der kann sich unter 5852 mit Wolfgang Zapp in Verbindung setzen.
