• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Wesermarsch Gemeinden Nordenham

Von Stollendinos und       Barbie-Schuhen

14.07.2018

Nordenham Spielerisches Niveau: Bescheiden. Leider haben viele Mannschaften sehr destruktiv gespielt. Zauberfußball gab es selten zu sehen.

Auftritt der DFB-Elf: Eine einzige Enttäuschung. Mit blutleerem Zeitlupenfußball völlig zu Recht rausgeflogen. Erbärmlich war der Versuch, Mesut Özil zum Sündenbock zu machen. Damit wurde Ausländerfeindlichkeit geschürt. Schlimmer geht’s nicht.

Lustigster Moment: Immer wieder witzig, aber auch ganz schön peinlich sind Neymars Jammereinlagen bei harmlosen Fouls gewesen. Seine Spaghetti-Frisur im ersten Spiel war ebenfalls ein echter Brüller.

Bester Spieler: Da stehen bei mir zwei ganz oben auf der Liste: der kroatische Mittelfeldmotor Luca Modric und der französische Trickkünstler Kylian Mbappé.

Tipp für das Finale: Ich drücke den Kroaten die Daumen, weil sie Außenseiter sind, stark gespielt haben und ihr kleines Land mit einem WM-Sieg in Ekstase versetzen würden. Allerdings ist Frankreich auf einigen Positionen besser besetzt. Daher mein Tipp: 1:0 für Les Bleus.

Spielerisches Niveau: Selbst Künstler wie Lionel Messi haben kaum noch eine Chance, wenn sie es mit Gegnern zu tun haben, die in ersten Linie rennen, taktieren und zerstören wollen. Die Ästhetik des Fußball ist flöten gegangen. Ich habe außerdem den Eindruck, dass viele Spieler nach einer langen Saison ausgebrannt sind.

Auftritt der DFB-Elf:Darüber ist alles gesagt worden. Aber ich bin froh, dass Jogi Löw weitermacht und sicher, dass er die richtigen Konsequenzen zieht.

Lustigster Moment:Als der belgische Stürmer Michy Batshuayi nach einer verpassten Torchance den Ball gegen den Pfosten ballerte und ihn selbst ins Gesicht bekam.

Bester Spieler:Luca Modric, obwohl er nicht in Topform ist. Ich finde es bewundernswert, mit welcher Sicherheit er auch unter Druck noch geniale Pässe spielt.

Tipp für das Finale: Ich fürchte, die Kroaten haben nach drei Verlängerungen in der K.o.--Runde zu viele Körner gelassen. Deshalb 2:0 für Frankreich.

Nach vierwöchiger Dauerberieselung aus Russland müsste über die Fußball-Weltmeisterschaft eigentlich alles gesagt, geschrieben und gesendet sein. Ist es aber nicht, finden mein Kollege Jens Milde und ich. Wir sind der Meinung, dass in den Berichten und Analysen ein Aspekt eindeutig zu kurz gekommen ist: die Schuhmode. Die Kernfrage lautet, wie es dazu kommen konnte, dass gestandene Männer sich mit einer Fußbekleidung in Barbie-Pink oder anderen schrillen Bunttönen an die Öffentlichkeit trauen. Jens Milde hat den Verdacht, dass bei einigen Designern die Sicherungen komplett durchgebrannt sind und sie lieber die Finger von halluzinogenen Drogen lassen sollten. So weit würde ich nicht gehen. Aber irgendetwas muss da schief gelaufen sein. Ein Erklärungsversuch.

Als Jens Milde und ich noch im Verein kickten – also vor langer Zeit in den 80er- und 90er-Jahren –, war Schwarz die einzig zulässige Fußballschuhfarbe. Vorzugsweise mit drei weißen Streifen an den Seiten. Wenn es in unseren Mannschaften jemand gewagt hätte, mit roten, gelben oder grünen Tretern aufzulaufen, wäre er gnadenlos ausgelacht worden. Vielleicht hätte er sogar Haue gekriegt. Heute ist der Klassiker in Schwarz-Weiß ein vom Aussterben bedrohter Dino.

Ich habe in Nordenham den Sportgeschäftsinhaber Rainer Wittje besucht, um mit seiner fachkundigen Hilfe dem Mysterium der bunten Fußballwelt auf den Grund zu gehen. Der gebürtige Phiesewarder hat selbst etliche Jahre Fußball gespielt. Unter anderem im ESV Nordenham, im TuS Einswarden und in der Jugend im SV Werder Bremen. Außerdem ist er lange Zeit Trainer gewesen. Rainer Wittje kennt also beide Seiten: die Bedürfnisse der Fußballer und die Interessen der Sportartikelhersteller.

Als fünfjähriger Knirps hat er mit dem Kicken angefangen. An seine ersten Fußballschuhe kann kann er sich noch gut erinnern. Es war das Modell „Uwe“ von Adidas. Die Frage nach der Farbe erübrigt sich.

In einer Vitrine bewahrt er einen Schatz auf. Dort befindet sich ein Paar Puma-Schuhe mit Schraubstollen im Originalkarton. Die Treter sind ziemlich genau 41 Jahre alt und tragen den Namen „Allofs-Cup“. Die Erinnerungsstücke aus Leder stammen aus seiner Zeit als B-Jugendspieler beim SV Werder, der damals mit Puma einen Ausrüstervertrag abgeschlossen hatte. Benutzt hat er die Schuhe nie, weil Rainer Wittje schon immer etwas gegen Schraubstollen hatte und Nockensohlen eindeutig bevorzugt. Auch hier erübrigt sich die Frage nach der Farbe.

Fast vom Platz gejagt

„Ich habe nie etwas anderes als Schwarz-Weiß getragen“, sagt der 55-Jährige, „und werde es auch nie tun.“ Einmal allerdings musste er in der Not auf weiße Fußballschuhe zurückgreifen, als er in der 3. Mannschaft des FC Nordenham aushalf und kurzfristig keine anderen Treter für den Kunstrasenplatz auftreiben konnte. Das ist ihm immer noch peinlich: „Meine Mitspieler hätten mich fast vom Platz gejagt.“

In den Regalen seines Sportgeschäfts dominieren jedoch die bunten Modelle: Von Gold über Rosa, Blau und Giftgrün bis hin zu Zitronengelb ist alles dabei. Teilweise auch gemustert. Rainer Wittje ist davon überzeugt, dass eine Verkaufsstrategie hinter dem Modetrend steckt. Die großen Hersteller bringen etwa alle drei Monate ein neues Modell auf den Markt und lassen es medienwirksam von Fußballidolen vorführen, die sie als Werbeträger unter Vertrag genommen haben. Lionel Messi für Adidas, Cristiano Ronaldo alias CR7 für Nike und Marco Reus für Puma. Das kommt besonders bei Kindern und Jugendlichen an: „Wenn es einen neuen Nike-Schuh gibt, auf dem CR7 steht, drehen die Kids durch“, sagt Rainer Wittje. Und weil Farbspielereien viel mehr Gestaltungsmöglichkeiten für Modellkreationen hergeben als schlichte Schwarz-Weiß-Varianten, ist das ein prima Antreiber für die Verkaufszahlen.

Mit 349,95 Euro dabei

Das geschickt angestachelte Verlangen der Kundschaft nach immer wieder neuen Modellen hat seinen Preis.
  Das aktuelle Spitzenmodell von Adidas trägt die Bezeichnung „Predator Telstar 18 G“ und kostet laut Herstellerangaben 349,95 Euro. In limitierter Auflage ist der Predator in einem Farbenmix aus Orange, Gold, Weiß und Schwarz zu haben.  Den Premiumschuh von Nike namens „Mercurial Superfly“ gibt es etwas günstiger für 300 Euro. Der Kunde hat diverse Farben zur Auswahl und kann die Treter mit den Initialen seines Namens und einer Landesflagge nach Wunsch verzieren lassen.  Ebenfalls für 300 Euro bietet Puma sein teuerstes Modell an. Es heißt „Future 18.1 Netfit“ und zieht mit einer gemusterten Farb-Kombi aus Weiß und verschiedenen Grüntönen die Blicke auf sich.

Rainer Wittje macht kein Geheimnis daraus, dass er die Preisentwicklung für „extrem“ hält. Ein guter Schuh sei auch deutlich günstiger zu bekommen. Zum Beispiel sein Favorit „Copa Mundial“ von Adidas – natürlich in Schwarz-Weiß – zum Listenpreis von 149 Euro.

„Ich wundere mich selber manchmal darüber, dass die Kunden so viel Geld ausgeben wollen“, sagt Rainer Wittje. Dann überlegt er, was sein alter Herr wohl gesagt hätte, wenn er als Kind ein Paar Fußballschuhe für umgerechnet 500 bis 600 Mark gewollt hätte. Die Antwort weiß Rainer Wittje: „Mein Vater hätte mich für verrückt erklärt.“

Eine Bilanz zur Weltmeisterschaft in Russland ziehen die fußballverrückten NWZ-Redakteure Norbert Hartfil (53) und Jens Milde (54). Norbert Hartfil hat früher im TSV Abbehausen und im TV Esenshamm gekickt – überwiegend als Torwart, aber auch im Mittelfeld. Jens Milde ist als Linksaußen und Mittelfeldspieler für den AT Rodenkirchen aufgelaufen. Beide sind Anhänger des SV Werder Bremen.

Norbert Hartfil
Redaktionsleitung Nordenham
Redaktion Nordenham
Tel:
04731 9988 2201

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.