NORDENHAM - Uwe Schicke war 27 Jahre alt, als bei ihm die Krankheit festgestellt wurde. Hans-Dieter Wiegers war ebenfalls Mitte 20, als er die Diagnose bekam: Morbus Bechterew. Gemeinsam mit sechs anderen Betroffenen gründeten die beiden Nordenhamer am 19. April 1990 eine Selbsthilfegruppe. Seit zwei Jahrzehnten gibt es die Therapiegruppe Nordenham, die der deutschen Vereinigung Morbus Bechterew angeschlossen ist. Für die Mitglieder ist das ein Grund zum Feiern. Und genau das wollen sie tun: am Sonnabend, 10. April, mit geladenen Gästen in den Weserterrassen.
Inzwischen ist Hans-Dieter Wiegers 56, Uwe Schicke 61 Jahre alt. Die Krankheit ist ihnen nicht anzusehen. Natürlich müssen sie mit Einschränkungen leben. Aber sie haben sich ihren Lebensmut nicht nehmen lassen. „Es klingt komisch, aber Morbus-Bechterew-Patienten gelten im Allgemeinen als sehr offene, aufgeschlossene und lebenslustige Menschen,“ sagt Hans-Dieter Wiegers.
Versteifung der Wirbelsäule
Was ist Morbus Bechterew? Es handelt sich um eine chronisch-entzündliche Erkrankung, die im Alter zwischen 20 und 40 beginnt. Die Entzündung führt zu einer allmählichen Verknöcherung der Weichteile zwischen den Wirbelkörpern und zu einer Zerstörung der betroffenen Gelenke. Die Erkrankung kann zu einer völligen Versteifung und Deformierung der Wirbelsäule führen. Dabei handelt es sich um einen langen und sehr schmerzhaften Prozess. Die Endstufe der Krankheit betrifft glücklicherweise nur wenige Patienten.
Nach den Worten von Hans-Dieter Wiegers leiden 0,2 Prozent der Bevölkerung an Morbus Bechterew. Typisch ist, dass die Schmerzen mitten in der Nacht auftreten. „Viele Betroffene wachen morgens um 3 Uhr mit tief sitzenden Schmerzen im Kreuz auf.“ Typisch ist auch, dass die Schmerzen auftreten, wenn der Körper ruht. Ein Problem sei, dass oftmals sieben bis acht Jahre vergehen, bis die Erkrankung festgestellt wird. Außerdem sei die ärztliche Aufklärung in vielen Fällen dürftig, beklagt Uwe Schicke. „Viele Betroffene fühlen sich mit ihrer Krankheit allein gelassen.“
Aus diesem Grund gibt es die Selbsthilfegruppe. Und hier stehen die drei B im Mittelpunkt: Bewegung, Begegnung und Beratung. „Bewegung“, sagt Hans-Dieter Wiegers, „ist das A und O.“ Drei Bewegungsangebote hat die Therapiegruppe im Programm: Krankengymnastik, Volleyball und Wassergymnastik. Begleitet werden sie von Physiotherapeuten, die sich mit Morbus Bechterew auskennen: Fried Langerenken-Jansen und André Pokern. Der ärztliche Berater ist Jürgen Lund aus Brake.
Krankheitsverlauf mildern
„Bewegung kann den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen“, sagt Hans-Dieter Wiegers. Nach seinen Worten ist die Versteifung in der Regel nicht aufzuhalten, aber der Krankheitsverlauf lässt sich deutlich abmildern. Es gehe darum, dass die Wirbelsäule möglichst aufrecht versteift.
Neben der Bewegung spielt die Geselligkeit eine große Rolle bei der Selbsthilfegruppe: Sommerfeste, Weihnachtsfeiern, Ausflüge. „Wir sind ein lustiger Haufen“, sagt Hans-Dieter Wiegers. Und zu diesem lustigen Haufen gehören inzwischen 30 Männer und Frauen im Alter von 40 bis 70 Jahren. Die Gruppe ist jederzeit offen für weitere Mitglieder. Auch junge Leute sind herzlich willkommen.
