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NWZonline.de Region Wesermarsch Gemeinden Nordenham

Heimatforscher mit brauner Vergangenheit

05.01.2018

Nordenham Als Heimatforscher sind sie zu Ehren gekommen. Die Verdienste von Eduard Krüger und Erich Lampe erschienen den Verantwortlichen der Stadt Nordenham sogar so groß, dass sie irgendwann eine Straße und einen Weg nach ihnen benannten. Was bei dieser posthumen Auszeichnung offenbar keine Rolle gespielt hatte, war die braune Vergangenheit der beiden Lehrer aus Abbehausen und Nordenham. Doch jetzt müssen sich Rat und Verwaltung mit dem Thema befassen, weil ein anerkannter Historiker unschöne Details über das Wirken von Eduard Krüger und Erich Lampe während der Nazi-Zeit ans Licht gebracht hat.

Zahlreiche Belege

Für den Oldenburger Geschichtswissenschaftler Dr. Joachim Tautz steht außer Zweifel, dass sie mit Begeisterung und Leidenschaft nationalsozialistisches Gedankengut verbreitet hatten. Auch mit rassistischen und antisemitischen Parolen gingen Eduard Krüger und Erich Lampe gerne an die Öffentlichkeit. Dafür gibt es zahlreiche Belege im Archiv des Rüstringer Heimatbundes. In dem 1892 gegründeten Verein hatten sich Eduard Krüger und Erich Lampe viele Jahre in verschiedenen Funktionen engagiert und sich dabei den Ruf verdienstvoller Heimatkundler und -dichter erworben.

Auf das dunkle Kapitel in der Lebensgeschichte der zwei Männer ist der Historiker Joachim Tautz gestoßen, als er für den Rüstringer Heimatbund eine Dokumentation über dessen Auftreten in der Hitler-Diktatur erstellte. In seiner Forschungsarbeit, die Ende 2017 als Buch erschienen ist, hat der Wissenschaftler den beiden Lehrern und Vaterlandsfreunden ein gesondertes Kapitel gewidmet. Aufgefallen waren sie ihm zunächst, weil sie während der NS-Zeit „sicherlich die produktivsten Verfasser von heimatkundlichen Artikeln waren“. Diese Veröffentlichungen gingen zum Teil weit über die damals gängige „Blut und Boden“-Rhetorik hinaus.

Eduard Krüger, der 1892 in Jever geboren wurde und 1968 in Nordenham gestorben war, hatte zahlreiche nationalistische Aufsätze verfasst und sich vor 1933 vor allem im Kriegervereinswesen engagiert. Als die Nazis die Macht übernahmen, empfand er das als eine „völkische Wiedergeburt“. In der Butjadinger Zeitung schrieb Eduard Krüger im März 1934: „Geblieben ist der Kampf. (...) Schon winkt der Sieg aus den Fahnen des neuen Reiches.“ Adolf Hitler feierte er als „Retter des Vaterlandes“.

Schon bald ereiferte sich Eduard Krüger auch für die rassistische Weltanschauung der NSDAP und schwärmte von der „Stammesgeschichte des eigenen Volkes“, die er als „unser wertvollstes völkisches Erbgut“ einstufte. Auch der Rüstringer Heimatbund sollte laut Eduard Krüger zum „Wohle einer art- und blutsgebundenen Gesundung und Erstarkung von Heimat und Vaterland“ beitragen.

Bürgermeister zieht Strassen-Umbenennung in Erwägung

Über eine Umbenennung der Eduard-Krüger-Straße und des Erich-Lampe-Weges muss die Stadt Nordenham nach Auffassung von Bürgermeister Carsten Seyfarth jetzt „ernsthaft nachdenken“. Noch habe er sich keine abschließende Meinung bilden können, aber für ihn stehe außer Zweifel, dass die antisemitischen Äußerungen der Heimatforscher „nicht akzeptabel“ seien. „Die beiden waren mehr als Mitläufer“, sagt Carsten Seyfarth. Auf der anderen Seite sei zu berücksichtigen, dass nach heutigem Kenntnisstand weder Eduard Krüger noch Erich Lampe als Kriegsverbrecher in Erscheinung getreten seien.

Der Bürgermeister will das Thema im Stadtrat zur Sprache bringen. Unter Einbeziehung eines Historikers soll geprüft und abgewogen werden, ob die Straße in Abbehausen und der ehemalige Bahndamm neue Namen bekommen. Carsten Seyfarth verweist darauf, dass es in anderen Städten ähnliche Fälle gegeben habe.

Für den Bahndamm wäre eine Umbenennung weniger problematisch, weil es dort keine Anlieger gibt. Die Bewohner der Eduard-Krüger-Straße hingegen würden eine neue Adresse bekommen und müssten ihre Ausweise umändern lassen. Die dabei anfallenden Kosten würde die Stadt Nordenham übernehmen.

Völkische Denkweise

Obwohl er laut Joachim Tautz die „völkische Denkweise vollkommen aufgenommen hatte“, ist Eduard Krüger eine Mitgliedschaft in der NSDAP nicht nachzuweisen. Daher galt er nach Ende des 2. Weltkrieges als nicht belastet. 1946 wurde Eduard Krüger, der 1921 als Hilfsschullehrer nach Nordenham gekommen war, zum Rektor der Schule an der Hafenstraße ernannt. 1957 trat er den Ruhestand an und fand die Zeit, sich als Reiseleiter und als 1. Vorsitzender (1962 bis 1966) für den Rüstringer Heimatbund zu engagieren. Zur Würdigung dieses Einsatzes ernannte der Verein ihn zum Ehrenmitglied. Die Stadt Nordenham hielt es ebenfalls für angemessen, den 1968 gestorbenen Heimatforscher zu ehren und benannte in einer Siedlung in Abbehausen eine Straße nach ihm.

Erich Lampe, der von 1902 bis 1940 gelebt hatte, war Vorstandsmitglied im Rüstringer Heimatbund und ebenfalls ein glühender Verfechter des völkisch-nationalen Denkens. Die Begriffe Friesen, Heimat, Nation und Nationalsozialismus standen für den Abbehauser Lehrer in einer logischen Verbindung. Neben der Tätigkeit als Lehrer, Dichter und Forscher trat Erich Lampe als Vorsitzender des Turn- und Sportvereins Abbehausen, den er von als 1924 bis 1937 leitete, in Erscheinung.

Sein Wirken bezeichnete der damalige Heimatbund-Vorsitzende Hans Meiners 1967 bei der 75-Jahr-Feier des Vereins als „segensreich für die Heimat“. Die Stadt benannte später den alten Bahndamm zwischen Nordenham und Moorsee nach Erich Lampe.

In Aufsätzen hatte sich Erich Lampe über die „Judenfrage“ ausgelassen und zur Reichspogromnacht im November 1938 einen heimatkundlichen Artikel in der Oldenburgischen Staatszeitung geschrieben. Dabei ging es unter anderem um die „Unsauberkeit im jüdischen Erwerbsleben“.

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Lobgesang auf Hitler

Noch deutlicher waren laut Joachim Tautz die antisemitischen Töne in den Veröffentlichungen von Eduard Krüger. Der hetzte unter anderem in der Beilage „Binnendieks und Butendieks“ gegen das Judentum. Da hieß es: „Auch unsere Heimat kann ein Lied singen von den Schäden und Plagen, die der überall und nirgends beheimatete jüdische Fremdling unserer harmlosen und allzu vertrauensseligen Bevölkerung zufügte, als dass sie sich ihrer kaum erwehren konnte.“ Unverhohlen beschimpfte Eduard Krüger den „ewigen Juden“ als Ausbeuter und Tyrannen, der „immer ein Nutznießer unserer völkischen Nöte“ gewesen sei. Erst unter der „Faust eines wahrhaft großen Mannes“ sei diese Lebenslüge zusammengebrochen. Mit dem „großen Mann“ meinte Eduard Krüger den Kriegstreiber und Massenmörder Adolf Hitler.

Norbert Hartfil Redaktionsleitung Nordenham / Redaktion Nordenham
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