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SEEMANNSMISSION Bordbetreuer schlagen eine Brücke

ULRICH SCHLÜTER

NORDENHAM - Ihr schnittiger Kiel zerteilt normalerweise die Kämme der Wogen und zieht eine schäumende Spur durch die See. Die „Rheinfels“ ist dann von einem sanften Vibrieren erfasst, der Schiffsdiesel schiebt den Frachter rhythmisch durchs Wasser. Jetzt schweigt die Maschine, die 1500 KW leistet.

Zinkkonzentrat geladen

Fest vertäut liegt die „Rheinfels“ am Pier der Weser-Metall. Von Ruhe kann dennoch keine Rede sein. Die Schaufel eines Kranauslegers greift immer wieder in den Bauch des 88,70 Meter langen Schiffes, um 3500 Tonnen Zinkkonzentrat zu löschen. Der Wind pfeift kalt über das Deck, und die Crew, in wetterfeste und warme Overalls gepackt, klart den unter der Flagge Antiguas fahrenden Dampfer bereits auf. In einer Stunde wollen sie schon weseraufwärts nach Bremen dampfen.

Zuvor bekommt die Besatzung noch Besuch. Behände klettern Brigitte und Peter Spalenka über die Reling, steigen aufs Deck. Die beiden Bordbetreuer der Seemannsmission Unterweser haben Tüten mit allerlei Geschenken für die Besatzung dabei: Mützen, Socken oder Schals, Duschgel und ein Weihnachtsmann aus Schokolade. Sie hatten sich vorher beim Makler informiert, wann die „Rheinfels“ eintrifft und wie stark die Crew ist.

Ein Matrose führt die ehrenamtlichen Helfer unter Deck. In der Kabine des 1. Offiziers verweilen sie einen Moment, bis der Master des Schiffes erscheint. Ein sympathischer Russe begrüßt die Gäste, die unverhofft erschienen sind. Trotz der knapp bemessenen Zeit ist Viktor Korolov gelassen, lässt seine Crew vom Smutje bis zum Maschinisten antreten, um die Geschenke der Seemannsmission zu empfangen. Die Männer bedanken sich herzlich bei Brigitte und Peter Spalenka, wünschen ihnen vielsprachig ein frohes Weihnachtsfest. Denn das Schiff, 1991 vom Stapel gelaufen, ist multikulturell besetzt: Zwei Russen, drei Ukrainer, zwei Rumänen und ein Pole werden das Fest auf dem Dampfer verbringen müssen.

Für persönliche Gespräche bleibt keine Zeit. So schnell, wie sie gekommen sind, verabschieden sich die Bordbetreuer wieder. Die „Rheinfels,“ in der Nacht aus dem spanischen Alives eingetroffen, will so schnell wie möglich über Bremen zurück nach Bilbao schippern.

Frachter „Jumbo“ wartet

Noch einen Termin haben Brigitte und Peter Spalenka, die seit Februar 2009 für die Seemannsmission an Bord gehen. Bei Kronos Titan liegt der Frachter „Jumbo“, Bahamas, am Kai. 3400 Tonnen Ilmenite werden dort gelöscht. Die beiden „Missionare“ steigen in ihren Wagen, um weiteren acht Seeleute den Tag mit Geschenken zu versüßen. In Blexen das gleiche Bild: Die Crew begrüßt die beiden herzlich. Doch für den obligatorischen Bordbesuch ist seitens der Besatzung diesmal keine Zeit. Und so werden die acht Tüten über die Reling hinweg an Bord gereicht.

Brigitte und Peter Spalenka haben es geschafft, die Geschenke sind verteilt. Jetzt geht es nach Hause, um sich bei einer Tasse Tee aufzuwärmen. Eine Woche lang sind sie für die Seemannsmission Unterweser nun aktiv gewesen. Im Gegensatz zu vielen Seeleuten, die sie beschenkten, werden die beiden Rentner an den Weihnachtstagen festen Boden unter den Füßen haben.

150 Jahre mission

Täglich machen

in den deutschen Häfen Schiffe aus fernen Ländern fest. Ihre Besatzungen sind meist international: Philippinos, Chinesen, Russen, Brasilianer. Sie alle bekommen im Hafen Besuch von der Seemannsmission, die seit mehr als 150 Jahren besteht.

Der Bremer Reeder

Friedrich Martin Vietor gründete 1854 aus christlicher Nächstenliebe die Mission in Bremen, um Matrosen und Schiffsjungen eine Zuflucht in der Fremde zu geben. Sie war damals die erste in Deutschland. Heute gibt es in fast allen deutschen Hafenstädten – von Rostock bis Emden – solche Einrichtungen.

Die Seemannsmission

gründete 1958 ein Heim in Brake, das 2002 geschlossen werden musste. Die ehemalige Deutsche Seemannsmission Brake ist im April 2005 aufgegangen in die neue Deutsche Seemannsmission Unterweser. Der Arbeitsbereich umfasst die Häfen Brake, Elsfleth und Nordenham. Bei dem „Seamen’s Club” in Brake handelt es sich um eine ökumenische Einrichtung der katholischen und evangelischen Kirchen.

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