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NWZonline.de Region Wesermarsch Gemeinden Nordenham

Eingewanderte Tiere In Nordenham: Und nachts grüßt der Waschbär

27.04.2017

Nordenham Nein, nein, sie haben sich nicht ausdrücklich die Wesermarsch ausgesucht als ihr neues Reisedomizil. Aber eben auch. Angst vor einer Invasion brauchen Bewohner trotzdem nicht zu haben. Die Rede ist von sogenannten Neozoen: Tierarten, die ursprünglich aus anderen Gebieten der Erde stammen und es sich nun in Deutschland gemütlich machen.

Waschbären und Nutrias, eine Biberrattenart, stehen sogar auf der Unionsliste der sogenannten invasiven Arten – das bedeutet, dass sie unter Beobachtung stehen und ausdrücklich bejagt werden dürfen und sollen. „Aktuell wurden einzelne Exemplare der Waschbären in der Wesermarsch gesichtet. Wir gehen aber davon aus, dass sich die Population erhöhen wird“, sagt Jörg Hullmann, Leiter des Hegerings Nordenham.

  Bejagen darf man den erwachsenen Waschbären allerdings nur in den genehmigten Jagdzeiten zwischen dem 16. Juli und dem 31. März, Jungtiere sind ganzjährig zur Jagd freigegeben.

Aber wie andere Raubsauger auch, reagiert der Waschbär unmittelbar, sobald er bejagt wird. Selbst Jungtiere beteiligen sich an der Fortpflanzung, wenn die Population zurückgeht. Das würden sie unter normalen Umständen nicht tun.

Die Folge kann sein, dass vor allem in städtischen Gebieten die Anzahl der Tiere sogar ansteigt, statt zu sinken, weiß Franz-Otto Müller, Vorsitzender des Kreisverbandes Wesermarsch des Naturschutzbundes.

Enorm anpassungsfähig

Wie ist der ursprünglich in Nordamerika heimische Waschbär überhaupt nach Deutschland gekommen? In den 20er-Jahren wurde er besonders in Hessen wegen seines hübschen Pelzes gezüchtet. „Aus diesen Farmen sind hin und wieder einzelne Tiere ausgebrochen und haben sich vermehrt“, sagt Franz-Otto Müller. So breitete sich der Waschbär zusehens in Deutschland aus.

Die Probleme, die Neozoen mit sich bringen können, reichen von der Verdrängung heimischer Tierarten und Pflanzen über geplünderte Obst- und Gemüsegärten bis hin zu Schäden an Häusern. Denn die nachtaktiven Waschbären sind sogenannte Kulturfolger. Das heißt: Sie ziehen in bewohnte Gebiete und passen sich sehr schnell an ihre neue Umgebung an, weiß Jörg Hullmann. Ganze Dämmungen können die Allesfresser aus den Wänden ziehen und somit große Schäden anrichten – vor allem wenn die Tiere nicht sofort bemerkt werden.

In der Wesermarsch machen aber die Nutrias derzeit mehr Probleme. Die Nager, die vor allem an Gewässern leben, können bis zu 20 Kilogramm schwer werden.

„Sie wühlen Gänge und Röhren in die Erde. Bei der Größe dieser Tiere sind die Durchmesser der gegrabenen Tunnel enorm“, macht Jörg Hullmann auf die Gefahren aufmerksam. Ganze Böschungen seien teilweise untergraben.

Rasante Vermehrung

Doch damit nicht genug: „Dreimal jährlich bekommen Nutrias Junge. Außerdem werden sie bereits mit einem halben Jahr geschlechtsreif. Die Vermehrung kann man kaum kontrollieren“, berichtet Jörg Hullmann. Im vergangenen Jahr wurden 13 Nutrias im Bereich des Hegerings Nordenham erlegt. In den kommenden Jahren werden es vermutlich mehr sein.

In ganz Deutschland wurden im Jagdjahr 2015/2016 über 130.000 Waschbären geschossen oder gefangen. Jedes Jahr werden es ungefähr 10.000 bis 20.000 Exemplare mehr, weiß Franz-Otto Müller vom NABU. Dass der Waschbär sich auch in der Wesermarsch besorgniserregend ausbreiten könnte, glaubt er indes nicht. „Die Gegebenheiten sind trotz der schnellen Anpassungsfähigkeit dieser Tiere nicht ideal – nasse und weitläufige Wiesen und wenig Gehölz. Das sind nicht die Lieblingsplätze von Waschbären“.

Imke Harms Reporterin / Redaktion Wildeshausen
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