HARLESIEL/WANGEROOGE - Während des Sommers verkehren die Flugzeuge der 'Inselflieger' im Minutentakt zwischen dem Flugplatz Harle und der Insel Wangerooge. Die Piloten fliegen auch, wenn mancher Kapitän größerer Airlines angesichts der Böen am Boden bleibt. Zum Firmenjubiläum hat FLN-Geschäftsführer Olaf Weddermann ein dickes Lob für seine Mitarbeiter übrig. *

Herr Weddermann, die Inselflieger hätten sich kein besseres Jahr für ihr Firmenjubiläum aussuchen können: 2018 haben Airlines weltweit 4,5 Milliarden Passagiere befördert - so viele waren es nie zuvor. Inwieweit hat dieses Hoch auch bei Ihnen für Rekorde gesorgt?

Auch die 'Inselflieger' können auf ein Rekordjahr zurückblicken. Mit mehr als 130000 Fluggästen war 2018 das stärkste Jahr unserer langen Firmengeschichte. Dies war sicherlich dem sehr guten Sommer zu verdanken.

Ein weiteres kleines Jubiläum ist die Fusion der FLN mit der LFH-Gruppe vor fünf Jahren. Wie bedeutend ist die Linienflugverbindung nach Wangerooge, die hinzukam?

Die Verbindung nach Wangerooge ist, wie die nach Juist, für uns von zentraler Bedeutung. Die Inselversorgung an 365 Tagen im Jahr über den Luftweg steht bei uns an erster Stelle. Die Anteile unser Fluggäste verteilt sich fast hälftig auf die beiden Inseln. Mit der Fusion konnten wir viele unserer Prozesse vereinheitlichen, da wir seither unter einem AOC (Air Operator Certificate) operieren.

Allerdings demonstrieren auf der Insel Schüler im Rahmen der 'Fridays for Future' für eine Politik, die dem Klimawandel entgegenwirkt. Die Notwendigkeit von Inlands- und Kurzstreckenflügen ist ein zurzeit heiß diskutiertes Thema. Wie nehmen Sie den Diskurs wahr?

Aktuell eigentlich noch gar nicht, da die Menschen merken, dass wir ein kleiner aber bedeutender Baustein in der Versorgung der tideabhängigen Inseln Juist und Wangerooge sind. Unsere Flugzeiten liegen zwischen vier und fünf Minuten und ich glaube nicht, dass wir auf eine Stufe mit der 'großen' Fliegerei gestellt werden können. Nichtsdestotrotz arbeiten wir schon seit einigen Jahren an den vielen kleinen Stellschrauben, um unsere Ökobilanz zu optimieren. Ein Beispiel hierfür dazu ist die große Photovoltaikanlage auf unserem Hangardach in Harle.

Während der Nationalen Luftfahrtkonferenz in Leipzig war bereits die Rede davon, dass Kurzstrecken mit maximal 20 Passagieren in absehbarer Zeit mit Öko-Strom betriebenen Maschinen bestritten werden können. Kleinere Elektroflugzeuge sind bereits zugelassen. Gibt es in Ihrem Unternehmen bereits Ambitionen, ihre Flotte dahingehend umzustellen?

Wir haben uns dieses zentralen Zukunftsthemas schon vor längerer Zeit angenommen und sind hierzu in intensiven Gesprächen. Ich hoffe, wir können in Kürze unsere Pläne der Öffentlichkeit vorstellen.

Bei Geburtstagen wird der Jubilar gerne mit dem Spruch bedacht, die erbrachte Lebensleistung zu verdoppeln. Welche Herausforderungen kommen auf die Inselflieger bei diesem Vorhaben zu?

Wie bereits angesprochen ist das Thema 'Flugzeug der Zukunft' eine Herausforderung. Aber auch Piloten und Pilotinnen für unsere Inselfliegerei begeistern zu können, wird von zentraler Bedeutung sein. Der Gesetzgeber hat mit der Einführung der 60-Jahre-Regelung im Cockpit nicht dazu beigetragen, dass junge Berufspiloten Ihre Zukunft bei den Inselfliegern suchen.

Was stimmt Sie optimistisch, dass die Geschichte des Unternehmens mindestens noch die nächsten 50 Jahre weitergeschrieben wird?

Wenn es uns gelingt, auch in den nächsten 50 Jahren so tolle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden, werden wir auch alle noch kommenden Herausforderungen meistern können. Dann wird es uns noch lange geben.

* Dieses Interview haben wir per E-Mail geführt

AG Reederei Norden-Frisia entdeckt den Luftraum

1969gründete die AG Reederei Norden-Frisia als Haupverkehrsträger zu den ostfriesischen Nordseeinseln Norderney und Juist FLN FRISIA-Luftverkehr GmbH Norddeich.

2014fusionierte das Unternehmen mit der LFH-Gruppe am Standort Harle und bedient seitdem die mit elf Kilometern Luftlinie kürzeste Linienflugverbindung Deutschlands zur Insel Wangerooge.

68Mitarbeiter (davon 16 Piloten) beschäftigt die Firma. Die Flotte besteht aus 15 Flugzeugen vom Typ Cessna und Britten-Norman Islander.

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www.inselflieger.de