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Ferienwohnungen auf dem Dach Kurviertel Langeoog soll auf Statik überprüft werden

Julia Dittmann
Julia Dittmann Klaus Kremer

Langeoog - Die Frage, wie es mit dem Kurviertel weitergeht, beschäftigt die Langeooger schon lange. Konkret geht es dabei um das Kur- und Wellnesscenter (KWC) und das Haus der Insel (HDI). Der Rat hat jetzt die technische Beurteilung des Kurviertels beauftragt. Dabei soll festgestellt werden, ob es statisch möglich ist, Ferienwohnungen auf den Dächern von HDI und KWC zu errichten. Das ist Teil einiger der Varianten, zwischen denen sich der Rat letztlich entscheiden muss (siehe Infotext).

Das Problem für die Insel ist der Entschuldungsvertrag mit dem Land Niedersachsen. Rat und Verwaltung sind finanziell und zeitlich eingeschränkt. „Wir bekommen nicht einmal mehr Fördergelder“, sagt Bürgermeisterin Heike Horn. Denn dafür sei immer Eigenkapital notwendig, das die Insel nicht habe. Es gebe auch keine Darlehen mehr für den Tourismusbetrieb, bis es ein Konzept für die Liegenschaften gibt.

Ratsgruppe um Jan Martin Janssen will HDI erhalten

„Das Haus der Insel ist nie richtig saniert worden. Die Insel braucht aber ein kulturelles Zentrum“, erklärt Jan Martin Janssen (Union für Langeoog). Wichtig sei, dass das HDI im Besitz der Insel bleibe, bekräftigt Parteikollege Ron Piekarski. Was einmal weg sei, bleibe auch weg. Auch in dieser Ratssitzung betonte Jan Martin Janssen: „Das viele Geld, das mit der Entwicklung des Kurviertels zu verdienen ist, darf nicht an einen Großinvestor gehen.“ Die Gruppe um Janssen und Piekarski strebt die Variante an, bei der das Haus der Insel im Besitz der Gemeinde bleibt, Ferienwohnungen auf den Dächern von KWC und HDI gebaut und diese veräußert werden. „Mit dem Geld, das der Bau von Wohnungen generiert, können wir das Haus der Insel sanieren“, erklärt Jan Martin Janssen. Die beiden Politiker wollen das Kurviertel wieder mit Leben füllen. Der Tourismus-Service Langeoog (TSL) müsse sich rechnen und zukunftsfähig werden. In jedem Fall müsse die Bevölkerung der Insel in die Entscheidung eingebunden werden. „Wir wollen alle das bestmögliche Ergebnis für Langeoog erzielen“, fasst Jan Martin Janssen zusammen.

Diese Variante wurde durch die Verwaltung, die Kommunalaufsicht, das Ministerium und eine Kanzlei in Hannover geprüft. Alle Gutachten kamen zu dem Schluss, dass es für die Gemeinde nicht zulässig ist, Ferienwohnungen zu bauen und zu verkaufen mit der Absicht Gewinne zu erzielen. Dem widerspricht ein Rechtsanwalt, mit dem die Ratsgruppe in Gesprächen ist. Zudem habe jetzt eine weitere Anwältin, mit der die Gemeinde bereits beim Bau der Feuerwehr zusammengearbeitet habe, diesen Standpunkt bestätigt. Die Handlungsmöglichkeiten seien größer, als bisher dargestellt. Die Idee: den Bau und Verkauf von Ferienwohnungen als öffentliche Aufgabe zu verstehen. Diese Aufgabe sei die Entwicklung des Kurviertels, die Schaffung eines Veranstaltungshauses und die nachhaltige Sicherung der finanziellen Grundlage des Eigenbetriebs.

Kommunalaufsicht sieht Idee für unzulässig an

„Das darf die Kommune leider nicht“, widersprach Heike Horn. Man würde jeden Weg mitgehen, der für Langeoog gut sei, aber das Ministerium habe sich klar geäußert. Es sei jetzt Zeit zu handeln. Kämmerin Cornelia Baller verlas in der Ratssitzung zudem ein Schreiben der Kommunalaufsicht zur Genehmigung der Haushaltssatzung 2021. Es sei zu begrüßen, dass über Alternativen nachgedacht werden, um die finanzielle Situation nachhaltig zu verbessern. Die Umsetzung in der bekannt gegebenen Art und Weise werde aber als rechtlich nicht zulässig angesehen. Es werde nicht benötigtes Vermögen geschaffen und es läge eine unzulässige Gewinnerzielungsabsicht vor. Man sei verwundert, dass eine Idee, die von zwei Behörden als unzulässig bewertet werde, weiter verfolgt werde, hieß es in dem Schreiben.

Piekarski und Janssen, die beide erneut für die  Union für Langeoog antreten, gehen nicht davon aus, dass eine Entscheidung vor der Wahl am 12. September fallen wird.

Das sind die Varianten für das Kurviertel

Für die Zukunft von KWC und HDI wurden mehrere Varianten vorgeschlagen. Die Prozentangaben zum Investitionsstau beruhen auf Angaben der Gemeinde.

 Variante A: Das KWC wird zum Rathaus umgebaut, das bisherige Rathaus wird verkauft. Auf den Dächern von KWC und HDI entstehen Wohnungen. 30 Prozente des Investitionsstaus würden behoben.

Variante B: Sowohl das HDI als auch das KWC werden verkauft, die Gemeinde baut ein Bürgerhaus. 40 Prozent des Investitionsstaus würden behoben.

Variante C1: Das KWC wird als Hotel verkauft, das HDI bleibt im Besitz der Gemeinde, auf dem Dach entstehen Wohnungen. 48 Prozent des Investitionsstaus würden behoben.

Variante C2: Das KWC wird als Bau für Ferienwohnungen verkauft, das HDI bleibt im Besitz der Gemeinde und auf dem Dach entstehen Wohnungen. 63 Prozent des Investitionsstaus würden behoben.

Variante E: Diese Möglichkeit folgt dem Interessenbekundungsverfahren von 2018. 61 Prozent des Investitionsstaus würden behoben.

Julia Dittmann
Julia Dittmann Redaktion Wittmund
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