Langeoog - Wie geht es weiter auf Langeoog? Rat und Verwaltung haben in einer öffentlichen Sitzung am Mittwoch die nächsten Schritte für die Entscheidung über die Zukunft vereinbart. Zuvor hatte Ron Piekarski (Union für Langeoog) einen weiter entwickelten Vorschlag der Mehrheitsgruppe im Rat für das Kurviertel vorgestellt. Mit großer Mehrheit wurde ein Beschlussvorschlag verabschiedet, eine der bereits vorgestellten Varianten zu streichen, die neue Variante einer rechtlichen Prüfung zu unterziehen und anschließend eine wirtschaftliche Prüfung ausgewählter Vorschläge als Entscheidungsgrundlage vorzunehmen.
Zudem solle es ein Bürgervotum geben. Einig waren sich alle Beteiligten darin, dass man nun wegen der dramatischen finanziellen Situation keine Zeit mehr verlieren dürfe.
Die überarbeitete Variante der Gruppe von Ratsmitgliedern, die der Verwaltung Ende Januar zur Verfügung gestellt worden war, sieht vor, dass das Rathaus ins Kurviertel zieht. Es könnte ins Erdgeschoss des heutigen Kur- und Wellness-Centers (KWC) und ins Foyer des Hauses der Insel (HdI) einziehen. Vorteile wären die Barrierefreiheit, eine ganzjährige Belebung und ausreichend Platz. Besprechungsräume im HdI könnten auch für Tagungen genutzt werden. Der große Saal würde verkleinert und ein neues Foyer im rückwärtigen Teil des Saales mit neuem Eingang erhalten. Der bisherige Eingang würde nur noch für die publikumsintensiven Rathausbereiche und das Museum dienen. Saal und Restaurant wären über eine umlaufende Terrasse zugänglich. Das Museumsrettungsboot würde ins Haus integriert. Ron Piekarski stellte keine Zahlen vor, eine erste Grobkalkulation zeige aber, dass die Variante ohne Fördermittel und Eigenvermarktung rentabel sei. Zur Finanzierung sollen Ferienwohnungen im Obergeschoss und auf dem Dach des KWC und auf dem Dach des HdI dienen. Belastbare Zahlen würden nach der rechtlichen und wirtschaftlichen Beurteilung den Bürger zur Verfügung gestellt.
Als einziges Ratsmitglied kündigte Jochen Voß (FDP) an, gegen den Vorschlag zu stimmen: Es sei die bisher schlechteste Variante und ein Umzug sei viel zu teuer. Es läge ein neuer Vorschlag vor, der deutlich besser sei.
Es bleibt eine Belastung von 370 000 Euro
Bürgermeisterin Heike Horn und Kämmerin Cornelia Baller machten anschließend den Handlungsdruck für den Eigenbetrieb Tourismus-Service Langeoog (TSL) deutlich. Da der Etat des TSL in Höhe von sieben Millionen Euro nicht vollständig durch Gäste- und Tourismusbeiträge gedeckt werden dürfe und ein Eigenanteil von sechs Prozent durch den Gemeindehaushalt übernommen werden müsse, verbleibe eine Belastung von 370 000 Euro. Maximal sei aber eine Übernahme von 200 000 Euro tragbar. Daraus ergebe sich eine notwendige Einsparung von zwei Millionen Euro pro Jahr. Dies ergebe sich aus der Kalkulationsgrundlage des Landes für die Gäste- und Tourismusbeiträge. Es müssten also Leistungen und Liegenschaften deutlich reduziert und die verbleibende Infrastruktur zukunftsfähig aufgestellt werden.
Bürgermeisterin Heike Horn sagte, dass ein Verkauf nicht zwingend sei, wenn es andere Lösungen zur Reduzierung des finanziellen Defizits gebe. Denn verkaufen wolle keiner – aber es sei fraglich, dass das enge Zeitfenster andere Alternativen zulasse.
Jan Martin Janssen stimmte zu, man müsse jetzt dringend handeln. Aber es gelte, die Bedürfnisse der Bürger zu berücksichtigen, die beim letzten Interessenbekundungsverfahren großen Druck ausgeübt hätten und sich nicht auf einen einzelnen Investor verlassen wollten. Auch im Oktober sei dies deutlich geworden. Daher habe man sich verpflichtet gefühlt, eine weitere Variante zu entwickeln, mit der man die Liegenschaften ohne eigenes Geld sanieren könne.
Wichtig sei ein Bürgervotum
Den Umzug des Rathauses schlage man vor, da das heutige Rathaus sanierungsbedürftig, zu klein und nicht barrierefrei sei. Gleichzeitig werde es das Kurviertel ganzjährig beleben und Synergien mit dem Tagungsangebot erreichen. Um alle Varianten wirtschaftlich vergleichen und eine gute Entscheidung treffen zu können, müsse nun eine rechtliche und wirtschaftliche Begutachtung erfolgen. Janssen lobte die konstruktive Zusammenarbeit mit der Verwaltung. Unnötige Fronten würden Zeit kosten und keine gute Lösung herbeiführen. Wichtig sei auch, ein Bürgervotum zu ermöglichen.
Heike Horn und Cornelia Baller stellten dann alle Varianten mit Schätzungen darüber vor, welche Effekte für den Abbau des auf 20 Millionen Euro geschätzten Investitionsstaus zu erwarten wären. Die jüngste Variante der Ratsgruppe hatte hierbei noch nicht berücksichtigt werden können.
Neben der zuvor vorgestellten Variante wurden mehrere Zahlen zum Verkauf des Hauses der Insel und des Kur- und Wellnesscenters präsentiert: Verkauf des HdI und des KWC mit Bau eines Bürgerhauses; Verkauf des KWC als Hotel und Bau von Wohnungen auf dem HdI, das im Besitz der Gemeinde bleibt; Verkauf des KWC für Ferienwohnungen und Bau von Wohnungen auf dem HdI, das im Besitz der Gemeinde bleibt; Verkauf von KWC, HdI und Anbau ans Erlebnisbad und eine Wiederaufnahme des IBV 2018. Nach Berechnung der Kämmerin erreichen die letzten drei Varianten die wirtschaftlich besten Ergebnisse mit 61 bis 64 Prozent Behebung des Investitionsstaus.
Horn resümierte, dass die Entscheidung schwierig bleibe, denn es müsse auf jeden Fall eine Kröte geschluckt werden. Neben den Verkaufserlösen müssten zudem nachhaltige kalkulierbare Einnahmen generiert werden. Ein Hotel bedeute mit Gewerbesteuereinnahmen für die Gemeinde einen positiven Effekt.
