Langeoog - Bewusst auf Langeoog gewesen ist noch keiner von den beiden. „Gerüchten zufolge mal als Kind, aber daran erinnere ich mich nicht mehr“, erzählt Rebecca Schönheit. Ihre Familie war dann auch die Initialzündung für den Neustart auf der Ostfriesischen Insel: „Mein Vater, der in der Freien evangelischen Gemeinde sehr verwurzelt ist, zeigte mir die Stellenanzeige. Zuerst halb im Scherz, aber dann beschlossen wir: Wir machen das.“
Dabei waren Rebecca Schönheit (33 Jahre) und Marc Deffland (39) in ihrem vorherigen Leben in Berlin sehr gut angekommen: Sie arbeitete als Justiziarin an der Charité, er — Diplom-Kaufmann und derzeit im Bereich Medizinwissenschaft promovierend — im Management. Dennoch wuchs in beiden die Sehnsucht nach einem ruhigeren Wohnort; nach mehr Natur. Häufige Ausflüge ins idyllische Brandenburg reichten dann irgendwann nicht mehr; die Möglichkeit eines Neustarts auf Langeoog schien zunehmend verführerisch, und die beiden bewarben sich.
Der Hotelbereich ist dabei zumindest für Marc Deffland kein Neuland, denn er wuchs in Wildeshausen (bei Oldenburg) in einem Hotelbetrieb auf und arbeitete von Kindesbeinen an tatkräftig mit. Angesichts dieses Hintergrunds freute er sich besonders darüber, hier einen gut aufgestellten Betrieb mit einem eingespielten und harmonischen Team übernehmen zu können. Allerdings wird, das ist beiden wichtig, nicht einer der beiden Eheleute das Hotel leiten, sondern beide gemeinsam zu gleichen Anteilen: Sie teilen sich die Stelle. Alle Angestellten werden unter der neuen Leitung übernommen; zusätzlich wurden zwei Personen aus der Bethanien-Pflege für den Hotelbereich eingestellt.
Das Hotel soll weiter ein „christliches Haus“ bleiben
Arbeit gibt es für das Direktorenpaar und das Team genug — denn das Haus, das seit einem Jahrhundert über viele zufriedene Stammgäste verfügt und eine Langeooger Institution ist, darf auch künftig nicht zum Stillstand verleiten. „Respekt an meinen Vorgänger, Herrn Haller“, betont Marc Deffland., „Er hat für das Haus wirklich viel erreicht.“ Damit sind unter anderem die zahlreichen Dehoga- und Bio-Zertifizierungen und Auszeichnungen gemeint. Unter Hallers Leitung seien auch die Begriffe wie Nachhaltigkeit, bio-fair, regional und slow food im Hotel Bethanien zur Selbstverständlichkeit geworden.
Dennoch möchten Rebecca Schönheit und Marc Deffland ihre eigene Handschrift im Haus hinterlassen und das Haus weiterentwickeln. So möchten sie etwa mehr Aufmerksamkeit auf das Schwedenhaus lenken, das Tagungsräume für Seminare und Workshops bietet.
Um einen niedrigschwelligen Zugang zum Haus zu eröffnen und den Hotelcharakter zu betonen, werde der Name Hotel Bethanien in der Außendarstellung stärker präsent sein. Ein christliches Haus bleibt das Hotel weiterhin, denn der gelebte Glaube und christliche Werte sind dem Ehepaar wichtig. Marc Deffland ist römisch-katholisch und möchte sich künftig auch in der Langeooger Gemeinde St. Nikolaus engagieren; Rebecca Schönheit gehört der EKD an; sie hat in ihrem privaten Glaubensleben aber auch zahlreiche Bezüge zu freien evangelischen Gemeinden. Diese Ökumene soll auch ins Haus getragen werden: Das Hotel Bethanien heißt Menschen aller Konfessionen (und natürlich auch Menschen ohne christliches Bekenntnis) willkommen.
An einem breiten Veranstaltungsangebot festhalten
Auch Gottesdienste wird es im Hotel Bethanien weiterhin geben; die pastorale Tätigkeit wird von Kurpastoren übernommen. Eine Andacht selbst zu gestalten, können sich aber auch Rebecca Schönheit und Marc Deffland gut vorstellen. Im Kulturbereich wollen sie an einem breiten Veranstaltungsangebot festhalten.
Die beiden freuen sich sehr auf ihre neuen Aufgaben. Auch von den Insulanern zeigt sich das Direktorenpaar begeistert: „Wir wurden überall sehr freundlich aufgenommen und lernen immer mehr Namen und Biografien zu den Gesichtern kennen, denen wir im Alltag häufig begegnen“, berichtet Rebecca Schönheit. Die Natur empfinden beide als paradiesisch: Das Paar freut sich auf viele lange Strandspaziergänge. „Die Freunde in Berlin vermisst man natürlich schon“, gestehen die Eheleute, „aber dann ist es doppelt praktisch, ein Hotel zu haben: Besuch wird nicht lang auf sich warten lassen.“
