Nordseeküste - Nach möglichen Paraffin-Anlandungen auf einigen Ostfriesischen Inseln ermittelt die Wasserschutzpolizei die Ursache für die Verschmutzung. Das genaue Ausmaß sei noch unklar. „Die Funde erstrecken sich über mehrere Kilometer, wir rechnen mit weiteren Anlandungen und werden wohl einige Tage für die Reinigung brauchen“, so ein Sprecher der Wasserschutzpolizei in Wilhelmshaven.
Auch der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) ist inzwischen eingeschaltet. Die Anlandungen werden teilweise durch die Gemeinden und teilweise von Mitarbeitern der auf den Inseln gelegenen NLWKN-Betriebshöfe vorgenommen.
Auch am Festland
Inzwischen liegen auch Hinweise auf Anlandungen am Festland vor (Bereich Butjadingen). Der NLWKN hat Proben des Materials genommen, die nun analysiert werden. „Naheliegend ist, dass es sich um Paraffinrückstände handelt. Gewissheit bringen wird aber erst die Beprobung. Sollte die genommene Probe bestätigen, dass es sich um reines Paraffinwachs handelt, geht es um einen Stoff, der in dieser Form nicht als wassergefährdend eingestuft ist“, so ein Sprecher des NLWKN. Zu unterscheiden sei bei derartigen Funden grundsätzlich einerseits zwischen einer Verklappung und andererseits Rückständen aus Tankwaschungen von Seeschiffen. „Letztere sind unerwünscht, aber nicht gänzlich verboten“, so der Sprecher. Die wachsartigen Anlandungen auf den Inseln werden, wie auf den Bildern ersichtlich ist, in sehr verschiedenen kugelförmigen Größen vorgefunden.
Funde nicht selten
Der NLWKN beobachtet die Situation weiter aufmerksam – Mengen, die unterhalb der Mittleren Tidehochwasser-Linie anlanden, werden vom NLWKN geborgen. Oberhalb sind die Landkreise für eine Bekämpfung beziehungsweise Beseitigung zuständig. An den Küsten Niedersachsens wie auch der übrigen Küstenländer sind laut NLWKN in den vergangenen Jahren wiederholt Anlandungen von Paraffin und Pflanzenfett sowie damit zusammenhängende Verunreinigungen festgestellt worden.
Generell handelt es sich bei diesen Stoffen um als Massengüter in Tankern transportierte Produkte, die sich kaum in Wasser lösen und nach dem Ausspülen auf dem Wasser schwimmen („Floater“). Durch Tankwaschungen außerhalb der Zwölf--Seemeilen-Zone gelangen diese Stoffe ins Meer.
Die Teilnehmer der Umweltministerkonferenz im Jahr 2014 waren sich einig, dass Maßnahmen zur Reduzierung solcher Anlandungen erforderlich sind. Sie forderten die Bundesregierung auf, sich bei der International Maritime Organisation (IMO) für eine Änderung des MARPOL-Übereinkommens (Internationale Übereinkommen von 1973 zur Verhütung der Meeresverschmutzung durch Schiffe) mit dem Ziel eines generellen schiffsbedingten Einleitverbots für Paraffin einzusetzen.
„Die IMO hat reagiert und neue MARPOL-Vorschriften für bestimmte Stoffe, darunter Paraffin und paraffinähnliche Stoffe, eingeführt. Ein Einleitverbot für diese Stoffe war nicht durchsetzbar“, so der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz.
