SPIEKEROOG - 'Diese einmalige Chance sollte man nutzen', sagt Philippe Westphal. Damit meint der 16-Jährige die High Seas High School, einen siebenmonatigen Segeltörn über den Atlantik auf dem Zweimaster Roald Amundsen, den die Hermann-Lietz-Schule auf Spiekeroog organisiert.
Jedes Jahr nehmen etwa 30 Schüler aus ganz Deutschland am sogenannten 'segelnden Klassenzimmer' teil. Von Oktober bis Mai sind sie auf der Brigg von Kiel aus unter anderem auf Kuba, Martinique und den Bermudas unterwegs, machen Exkursionen, etwa in den Regenwald.
Vier Lehrer begleiten die Fahrt und unterrichten an Bord die wichtigsten Fächer. Bewerben können sich die Schüler mit Zeugnissen, einem Motivationsschreiben und einer Empfehlung durch einen Lehrer. Philippes Motivation? 'Ich bin gerne unterwegs und lerne neue Orte kennen.' Schon in der fünften Klasse wollte er mitfahren. 'Da musste ich aber noch ein paar Jährchen warten.' Der sportbegeisterte Schüler kann sich vorstellen, im Anschluss an das Abitur ein freiwilliges sportliches Jahr an der Hermann-Lietz-Schule zu absolvieren. Seit sechs Jahren besucht er das Internat auf Spiekeroog. 'Für mich wird der Törn gar keine große Umstellung, weil ich daran gewöhnt bin, nicht zu Hause zu sein', antwortet der Schüler auf die Frage nach Heimweh.
Ein Probetörn auf der Ostsee im Mai war ein Test, wer von den Bewerbern für das Leben auf einem Segelschiff überhaupt geeignet ist. 'Das war eine Woche. Ich bin gespannt, wie das sieben Monate lang wird.'
Seine größte Angst: dass das Schiff kentern könnte. 'Aber das ist sehr unwahrscheinlich.' Die Schüler werden an Bord nicht nur unterrichtet, sondern müssen auch mitarbeiten. Der Tagesablauf richtet sich nach drei Wachen und auch die Backschaft – der Küchendienst – wird abwechselnd eingeteilt.
