OLDENBURG – „Gas – Plädoyer einer verurteilten Mutter“ ist der Monolog einer Mutter. Der Mutter eines Terroristen, der einen Giftgasanschlag in der U-Bahn verübt hat: 184 Tote, darunter 70 Schüler und 20 Kleinkinder. Der Dschihadist wird noch am Tatort von der Polizei erschossen. Die Mutter erzählt. Sie kann nicht begreifen. Das Grauen ist nicht fassbar für sie, aber gleichzeitig geht es um ihren Sohn, ihr einziges Kind. Im theater hof/19 Oldenburg erzählt sie an gleich fünf Terminen von ihrem Leben als alleinerziehende Mutter, erinnert sich an die Geburt, die Kindheit und Jugend, die Talente und Eigenheiten ihres Sohnes. Tanz-Theater vom Feinsten mit einer Schauspielerin (Marie Luise Gunst) und einem Tänzer (Johannes Walter) nach einer Fassung von Tom Lanoye. Die Mutter vergegenwärtigt sich ihre Beziehung zueinander, lässt ihre Liebe, ihr Unverständnis, ihre Fassungslosigkeit zu und rekonstruiert, wie der Sohn ihr langsam abhandenkam. Über ihre Worte will sie versuchen, das Unfassbare zu ergründen. Ohne seine Taten zu beschönigen und ohne sich selbst zu schonen, macht sie sich zum Spiegel unserer Gesellschaft. Der Horror dieses Stückes lauert in unserem Alltag, ist gegenwärtiger denn je und man sieht sich mit der monströsen Frage konfrontiert: „Könnte das auch mein Kind sein?“. Klar, unsentimental und mit poetischer Kraft zeichnet Tom Lanoye diese Figur zwischen Abscheu und Zuneigung zu ihrem verlorenen Sohn und schafft ein eindrückliches, sehr persönliches Bild des Terrors. Aufführungen sind am 22., 23., 24. und 30. November sowie am 1. Dezember, jeweils ab 20 Uhr. Tickets kosten 26,10 Euro.
